Der verborgene Hintergrund zur Schweizerfahne 

Das Schweizer Wappen zeigt auf rotem Grund ein weisses Kreuz. Die quadratische Form macht sie zu einer Ausnahme unter den Flaggen, schreibt die Eidgenossenschaft. Zur Herkunft dieses Kreuzes, eines ursprünglich christlichen Symbols, liegen drei Deutungen vor. Die erste Version: Laut einer religiösen Entstehungstheorie hat das Wappen mit Schweizerkreuz seinen Ursprung in der sogenannten «Arma Christi». Sie bezeichnet in der christlichen Ikonografie die Leidenswerkzeuge von Christus, also jene Gegenstände, die im Zusammenhang mit der Passion und der Kreuzigung Jesu stehen. Sie wurden vor allem in der Innerschweiz verehrt. Der Überlieferung nach durften sie ab 1289 auf das rote Blutbanner geheftet werden. Die zweite Version besagt, dass das weisse Kreuz auf die Schlacht bei Laupen im Kanton Bern im Jahr 1339 zurückgeht. Um sich von den anderen Akteuren auf dem Schlachtfeld zu unterscheiden, hatten sich die Schweizer Soldaten ein weisses Kreuz auf ihr Kettenhemd genäht. Einheitliche Uniformen gab es noch nicht. Damals diente es vor allem als Unterscheidung zum roten St. Georgskreuz der Österreicher und dem burgundischen Andreaskreuz der deutschen Landsknechte. Die dritte Version ist die wahrscheinlichste: Das rote Kreuz stammt von der Thebäischen Legion. 

Ägyptische Armee im Wallis

Die Thebäische Legion mit angeblich 10’000 Männern war eine römische Soldateneinheit aus Ägypten im damaligen christlichen Nordafrika, deren Männer um das Jahr 300 in Saint-Maurice (VS) als Märtyrer starben. Ihr Anführer war Mauritius, der dunkelhäutige Maure, der Mohr. Er stand einer kampferprobten römischen Legion aus dem ägyptischen Theben vor. Unter Kaiser Maximilian sollten die Männer die Alpen überqueren und gegen die Christen im Norden kämpfen. Weil die Thebäische Legion selbst (koptische) Christen waren, weigerten sie sich bei Agaunum (heute Saint-Maurice) gegen christliche Glaubensbrüder zu kämpfen. Als Strafe wurden alle Männer der Thebäischen Legion von den Römern umgebracht. Sie haben ihr Blut hingegeben, damit andere nicht sterben mussten. Zwei Legionäre entkamen nach Solothurn und wurden dort umgebracht (St. Victor und St. Ursus). Um 380 transportierte der Bischof von Sitten, Theodul, die Überreste der Märtyrer unter die Klippe und errichtete dort zu ihren Ehren eine erste Basilika. Dieses Memorial ist in Saint-Maurice archäologisch nachgewiesen. Mauritius wurde zum Schutzpatron von Hunderten von Städten, Pfarreien, Kirchen und Institutionen in Europa und weltweit. So gibt es zahlreiche Kirchen, die dem Heiligen Mauritius geweiht sind. Sie alle zeugen in unterschiedlichen Stilrichtungen vom Einfluss des Märtyrers auf das Christentum. Sie sind katholisch, aber auch koptisch-orthodox, evangelisch-lutherisch oder anglikanisch und liegen zwischen Kalifornien und Neukaledonien.

Beten ohne Unterbruch

In Saint-Maurice hat sich daraufhin eine Gebetstradition entwickelt. Wo Blut vergossen wurde, da beginnen sie zu beten. Ab 500 bis 800 nach Christus wurde dort ein «ewiger Lobpreis» 24 Stunden/7 Tage durchgeführt. Als Symbol wurde das Wappen der Kopten, ein gleichschenkliges Kreuz, das Plus übernommen: ein roter Grund mit einem gleichschenkligen Kreuz, das auf die Auferstehung hinweist. Aus der Gebetsbewegung hat sich in Saint-Maurice ein Kloster, eine Abtei der Augustiner entwickelt. Es gilt als ältestes Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbrechung besteht. Sie trägt das Kreuzwappen bis heute. Im Spätmittelalter wurde ihnen ein rotes Banner mit weissem Kreuz zugeschrieben, als Zeichen ihres Martyriums. Diese Interpretation trug dazu bei, dem Schweizerkreuz eine christliche Deutung zu geben.

Seit 1848 offiziell verwendet

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts bezeichneten die Menschen das weisse Kreuz als eidgenössisches Kreuz und begannen, es auch im zivilen Bereich zu verwenden, beispielweise auf Patenpfennigen der eidgenössischen Orte. Im Jahr 1547 beispielsweise schenkten die Eidgenössischen Stände einen solchen Pfennig Prinzessin Claudia, der neugeborenen Tochter des französischen Königs Henri II. General Niklaus Franz von Bachmann führte ab 1800 bei seinen Truppen das weisse Kreuz auf rotem Grund als Feldzeichen ein. Es wurde 1815 schwebend, gleichschenklig und umgeben von den Kantonswappen von der eidgenössischen Tagsatzung zum Symbol des eidgenössischen Siegels bestimmt, das beim Bundesvertrag 1815 zum ersten Mal verwendet wurde. Auf Betreiben vom Generalstabschef der Eidgenossenschaft, Guillaume Henri Dufour, wurde erstmals 1840 eine gesamtschweizerische Truppenfahne mit dem frei schwebenden, weissen Schweizerkreuz im roten Feld geschaffen. In seinen Anfängen war das Kreuz nicht schwebend, sondern durchgehend, so wie noch heute bei den Fahnen der nordeuropäischen Länder. 1848 wurde die rote Flagge mit dem weissen Kreuz endgültig in der Verfassung festgeschriebenes Hoheitszeichen des Landes

Die Gottesfrage

(Vorbemerkung 1: Solange es mir noch möglich ist, durch dieses “Hintertürchen” weiter zu bloggen, nutze ich die Gelegenheit. Walter Ludin hat das Technische nie selber gemacht, darum kommt er nicht mehr hinein. Und wir wundern uns beide weiter, über die Art des Vorgehens, über die damit verbundene Argumentation, aber auch über dieses eigenartige Laissez-Faire.)

(Vorbemerkung 2: Ich habe nicht nur Walter in Schwyz besucht, sondern auch meinen alten Lehrer Dietrich Wiederkehr. Nun ist er 93, körperlich nicht mehr gewaltig fit, aber geistig immer noch präsent. Ein Gespräch mit ihm ist ein wahrer Jungbrunnen, so eigenartig das auch klingt. Darum das heutige Thema, er las bei uns Erstjahres-Studenten/innen Fundamentaltheologie.)

Was kann und soll ein seriöser Theologe, eine seriöse Theologin, über Gott sagen, exakter über die Frage, ob, wie und wo er existiert? Wir sprechen hier nicht als und über fromme Menschen, die sind von Gott direkt betroffen, haben ihre Erfahrungen mit ihm persönlich gemacht. Das ist zu respektieren und auch nicht zu hinterfragen. Wir sprechen hier auch nicht als und über Gottesleugner, offiziell Atheisten genannt. Die haben ihre gelegentlich guten und gelegentlich einfach persönlichen Gründe, die Existenz von etwas Göttlichem, einer Gottheit, auch im monotheistischen Sinne, zu leugnen. Auch das ist zu respektieren, gelegentlich kann man auch diskutieren.

Wir sprechen hier als Theologen/innen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, die durch die Philosophiegeschichte gewandert sind, die von Plato, von Thomas von Aquin, von Immanuel Kant und von Ludwig Wittgenstein (diese Liste ist rein zufällig und beansprucht keine Allgemeingültigkeit) gelernt haben, wie schwierig es ist, die Gottesfrage zu thematisieren. Natürlich haben wir auch bei Friedrich Nietzsche und Karl Marx hineingehört, doch da stellte sich oft die Frage, ob sie überhaupt seriös an die Frage herangegangen sind.

Am Anfang jeder seriösen Aussage steht für mich Immanuel Kant. Ob es etwas Göttliches/eine Gottheit/Gott wirklich gibt und ob dies bewiesen werden kann, das lässt er in der Schwebe. Jeder Beweis, so lehrt er uns, kann auch zum negativen Beweis umformuliert werden, denn er stellt sonst in Abrede, dass es auch den Zufall gibt. Doch ratlos lässt Kant uns nicht zurück, als guter preussisch-evangelischer Christ formuliert er nach langem Nachsinnen, dass es für Mensch und Menschheit richtig ist, an etwas Göttliches/eine Gottheit/Gott zu glauben, weil dieser Glaube das (evolutionär gewachsene) Raubtier Mensch zum ethisch verantwortlich handelnden homo sapiens macht.

(Darum übrigens wütete Friedrich Nietzsche so über den Gott des Christentums. Und darum sah die nationalsozialistische Ideologe im Christentum den ultimativ letzten Gegner.)

Das führt uns zur Conclusio. Der seriöse Theologe, die seriöse Theologin, muss Agnostiker/in bleiben. Er hat seine Heimat in seinem Kinderglauben und in seiner Form der Religionsausübung. Das gibt Halt und Sicherheit, das lässt im Sinne Kants hoffen. Der christliche Theologe, die christliche Theologin, sieht zudem klar, dass der Gott, von dem der Wanderprediger Jesus aus Nazareth gesprochen hat, ein Gott ist, der diese Hoffnung begründet und mit Inhalten füllt. Aber Agnostiker, Agnostikerin, müssen wir bleiben. Ich habe es da mit meinem Lehrer Dietrich, der uns Anfängern/innen 1975 sagte: Wir werden Ihren Glauben wie einen Kapuzinerstrick zerlegen und das schädlich-faule entfernen. Und wenn dann genügend bleibt, dann hat er Bestand. Wie wahr!

Fresko zur Gründung der Vereinten Nationen 1945 in der Anglikanischen Grace Cathedral in San Franzisco. Foto: Elisabeth Aeberli

Zum Abschied

Im Herbst 2016 publizierte ich meine ersten Blogs. Die Abmachung mit Charles Martig war, regelmässig über meine Reise in den Vereinigten Staaten zu berichten. Ein Wahljahr – und die Hoffnung, dass die Vereinigten Staaten erstmals in der Geschichte von einer Frau regiert werden. Die Geschichte wiederholte sich 2024.

Weitere Kommentare dazu sind überflüssig. Das Bild für meinen letzten Blog entdeckte ich in der Anglikanischen Kathedrale in San Francisco. Die Gründung der Vereinten Nationen 1945 – verbunden mit allen Hoffnungen, dass das Kriegsende doch eine Zeit des Friedens bringe. Die Hoffnung bleibt, dass der Widerstand wächst. Mit dem Gebet von Ellen Clark King verabschiede ich mich vom Blog-Schreiben – da ja die Blogs eingestellt werden.

Erstaunlich: noch sind Blogs möglich

Publik-Forum Extra: Frieden. Die Sehnsucht der Menschen | 40 S. | Grossformat | CHF 13.00 | Euro 10.50 | Zu beziehen bei: Publik-Forum, Postfach 2010, D-61410 Oberursel | E-Mail: verlag@publik-forum.de
Eine äusserst aktuelle und notwendige Broschüre! Sie zeigt nachdrücklich, dass weder massive Aufrüstung noch Abschreckung wahren, nachhalten Frieden schaffen. Sie «will Denkräume wieder weiter, Feindbilder abbauen, den Dialog fördern». Die Autorinnen und Autoren wollen den Glauben und die Zuversicht wachhalten, dass gewaltfreie Wege der Konfliktlösung besser sind und immer wieder gesucht werden müssen. wlu

Schwanengesang

Es bleiben 24 Stunden, dies zu lesen und zu kommentieren.

Ich habe hier nicht immer fair argumentiert und formuliert. So erschien vor etlichen Jahren eine Schnellserie mit dem Titel “Barbari ibi adsunt”, mit der ich die USA karikierte. Karl Stadler reagierte berechtigterweise indigniert und empfahl, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Recht hatte er! Denn was ist so schlimm daran, mieses Englisch zu sprechen und schlechten kulinarischen Geschmack zu haben, wenn man trotzdem Demokratie und Menschenrechte achtet und schützt. Wie konnte ich ahnen, dass die wahre Barbarei erst noch bevorstand.

Und dann die Reaktion auf Covid und alle damit verbundenen Zumutungen. Ich habe hier sehr scharf auf die Verhängung des Maskenobligatoriums reagiert. In einer von Medizinern gut besetzen Familie brachte mir dies Tadel ein. Doch halte ich am Vorwurf fest, dass eine Regierung nicht befugt ist, über meinen persönlichen ethischen Entscheid, wann und wo ich eine Maske trage, zu bestimmen. Doch ich geriet so in den Dunstkreis von Verschwörungstheoretikern. Dies bedaure ich. Und es erfüllt mich aber mit Schadenfreude zu lesen, dass die damals “befohlene” Maske nach heutigem Wissen nichts genützt hat.

Und dann zu meinen Kommentaren zum Tod von Papst Benedikt und zu dem von alt Bischof Vitus. In beiden Fällen reagierte ich mit Mitleid ob eines solchen Priesterlebens inmitten unserer hochgeschätzten Mutter Kirche. Fans von beiden fielen über mich her und ziehen mich der Bösartigkeit. Ich bleibe dabei, dass es Mitleid war und bleibt. So viel Selbstverleugnung, so viel Anpassung, so viel zerschlagene private Hoffnungen und Träume. Diese Institution macht Opfer zu Tätern, und diese können es weit bringen. Das erschreckt mich und ich frage selbstkritisch, ob ich genügend “widerstanden” hätte.

Es grüsst alle Lesenden
der Blogger

und endet mit einem seiner Lieblingstexte:
Du, lass dich nicht verhärten
In dieser harten Zeit
Die allzu hart sind, brechen
Die allzu spitz sind, stechen
Und brechen ab sogleich
Und brechen ab sogleich


Du, lass dich nicht erschrecken
In dieser Schreckenszeit
Das woll’n sie doch bezwecken
Dass wir die Waffen strecken
Schon vor dem großen Streit
Schon vor dem großen Streit

Du, lass dich nicht verbrauchen
Gebrauche deine Zeit
Du kannst nicht untertauchen
Du brauchst uns und wir brauchen
Grad deine Heiterkeit
Grad deine Heiterkeit

Geschmähte Katholikin wird Miss Universe

Den Titel als schönste Frau des Universums sicherte sich dieses Jahr Fátima Bosch aus dem Bundesstaat Tabasco in Mexiko. Sie verwies in Bangkok über 130 andere Kandidatinnen auf die Plätze. Dies trotz schwieriger Kindheit und einem Eklat im Vorfeld der Wahlen. Die Gewinnerin ist eine gläubige Katholikin. Ihr Slogan für das Leben lautet «Lang lebe Christus der König» und ihr wichtiges Ziel ist, «dass ich die Person werde, die Gott für mich zu sein bestimmt hat». 

Fátima Bosch, 25, studierte unter anderem in Mexiko und Mailand Mode- und Bekleidungsdesign. Sie sagte nach der Wahl: «Heute habe ich erneut bestätigt bekommen, dass das, was Gott für dich bestimmt hat, weder durch Neid aufgehalten wird noch durch das Schicksal verhindert wird noch durch Glück oder Zufall verändert werden kann. Es lebe Christus, der König.» Wie will sie als Miss Universe Spuren hinterlassen? «Ich will Licht dorthin bringen, wo nur Dunkelheit herrscht, und Mädchen und Frauen inspirieren, an die Kraft ihrer Stimme zu glauben». Die gläubige Katholikin machte bei ihrer Krönung zur Miss Universe 2025 das Kreuzzeichen und symbolisierte mit ihren Finger gen Himmel, wohin sie ihren Dank richtet.

«Inspirieren, heilen und Leben verändern»
Vor ihrer Wahl zur Miss Universe erklärte Fátima Bosch mit einem Video auf Instagram ihre Motivation zur Teilnahme an der Miss-Wahl. In dem Video sind Aufnahmen von ihrem sozialen Engagement zu sehen. Im Text zum Video schreibt sie: «Mein Lebensziel ist es, zu dienen. Deshalb nehme ich an der Miss Universe Wahl teil: um mit meiner Stimme Licht in alle Winkel zu bringen, wo bisher nur Dunkelheit herrschte. Jenseits der Krone möchte ich inspirieren, heilen und Leben verändern. Denn wenn ich auch nur ein Herz berühren, eine Stimme zum Klingen bringen oder Glauben säen kann, wo einst Stille war, dann habe ich meine wahre Bestimmung erfüllt.»

Schwierige Kindheit
Es war nicht immer alles schön bei ihr: «Ich wurde gemobbt, ich habe Legasthenie, Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität, und ich habe es nicht verstanden. Wenn die Schule einen unterstützen würde, anstatt einem zu sagen, wie dumm man ist, würde man die Zeit in das investieren, was man gut kann. Kinder können sehr grausam sein, aber ich hege keinen Groll, denn man muss Empathie haben, denn sie haben es nicht absichtlich getan», sagte sie. 2018 wurde sie als «Flor de Oro de Tabasco» ausgezeichnet. Seither ist sie zum Wettbewerb eingeladen, hat sich aber erst jetzt getraut. 

Eklat am Vorbereitungsevent
Fátima Bosch hatte Anfang November 2025 internationale Schlagzeilen gemacht, als sie in den sozialen Netzwerken berichtete, dass Nawat Itsaragrisil, Präsident von Miss Grand International (MGI) und Regionaldirektor für Asien von Miss Universe, sie während eines Austauschs im Rahmen des Wettbewerbs in der Hauptstadt Bangkok als «dumm» bezeichnet hatte. Er beschuldigte sie, einen Termin versäumt zu haben und stellte ihre Professionalität infrage. Als Fátima Bosch protestierte, rief er die Sicherheitskräfte, schreibt der BLICK. Mehrere Teilnehmerinnen verliessen daraufhin die Veranstaltung. Trotzdem wurde sie nach einem von Skandalen geprägten Wettbewerb in Thailand zur neuen Miss Universe gekürt. Fátima Bosch schrieb später in den sozialen Medien: «Niemand hat das Recht, uns zum Schweigen zu bringen.» Später glätteten sich die Wogen. Das Verhalten von Fátima Bosch „ist ein Beispiel dafür, wie wir Frauen unsere Stimme erheben müssen“, erklärte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum.

Diesen Blog gibt es 2026 nicht mehr.

Mein letzter Blog – nach über 4500
«Der Blog mit seiner subjektiven Sicht passe nicht mehr zu unsern journalistischen Grundsätzen.» Mit dieser Begründung hat der Chefredaktor von kath.ch angekündigt, es gäbe ab Neujahr keine Kirchenblogs mehr.
Als ich dies in meinem vorherigen Blog «Dreifaltigkeit – Ewigkeit» mitgeteilt habe, erhielt ich etliche Solidaritätsbezeugungen; auch mit der Anregung, dass wir (Heinz Angehrn, Markus Baumgartner und ich) andernorts weiterfahren sollen. Wir klären dies ab. Vielleicht hat jemand von Euch eine konkrete Anregung.
Für heute aber möchte ich danken:
-meinem Freund Stefan Rüde, der mir technisch Unbegabten, das Posten abgenommen hat;
-Karl Stadler, der meine Blogs unermüdlich kommentiert und kritisiert hat. Ich darf feststellen, dass wir uns trotzdem menschlich gut verstehen. Er hat mich mehrmals besucht und wir haben uns gut unterhalten. Ein Beispiel dafür, dass man mit jemandem durchaus anderer Meinung sein kann, und ihn trotzdem nicht als Feind behandeln muss …


Und nun mein letzter Blog:
Wie würde die Welt aussehen, wenn Jesus nicht geboren wäre?
Haben Sie sich auch schon vorgestellt, wie eine Welt aussehen würde, wenn es Jesus Christus nicht gegeben hätte? Wie würde unser Leben aussehen, wenn Jesus nicht vor 2000 Jahren geboren wäre? Wie sähe unser Zusammenleben aus, wenn bei uns immer noch heidnische Religionen das Sagen hätten?
Da gäbe es vielleicht immer noch eine Form der germanischen Religion mit ihren Göttern; zum Beispiel mit Wodan, dem auch Menschen geopfert wurden. Wodan – oder Wotan – propagierte Krieg und Fehde. Ähnlich würde wohl die Welt aussehen, wenn es immer noch die keltische Religion gäbe, die ja auch die Religion der Helvetier war, die unserem Land einen Namen gegeben haben. Auch hier gab es Menschenopfer.
Es lohnt sich, hier auf den deutschen Dichter und Nobelpreisträger Heinrich Böll zu hören, der bereits 1957 die viel zitierten Sätze schrieb: «Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache. Mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.» Diese Überlegungen dürfen uns jetzt an Weihnachten mit Freude und Dankbarkeit erfüllen.
Ich lade Sie ein, kurz nachzudenken, was unsere Antwort auf die frohe, menschenfreundliche Botschaft von Weihnachten sein kann. In einem Pfarrblatt fand ich vor einigen Tagen den kühnen Satz: «Du bist Weihnachten.» Es löste bei mir ein Fragezeichen aus. Doch dann erklärte der Verfasser, ein Pfarrer mit, drei Sätzen, was damit gemeint war.
– Zuerst: «Du bist die Krippe.» Das heisst: Gott möchte in uns Platz haben. Oder wie es der Pfarrer leicht poetisch ausdrückt: «Wir werden zu kleinen Krippen, in denen Hoffnung geboren wird.» Und gerade diese Hoffnung hat unsere Welt heute bitter nötig. Sie gründet in der Verheissung Jesu, dass eine Welt ohne Gewalt und Ausbeutung möglich ist.
– Eine zweite Erklärung: «Du bist Engel». Gottes Engel brauchen bekanntlich keine Flügel. Oft sind sie mitten unter uns, in Gestalt lieber Mitmenschen. Ihre Zuwendung leuchtet wie ein Stück Himmel auf Erden.
– Und schliesslich die dritte Deutung vom Satz «Du bis Weihnachten.» Sie lautet: «Du bist Hirte.» Die Hirten der Bibel machen sich zur Krippe auf. So können auch wir in unserem Leben Jesus suchen. Oder auch, wie der Grundsatz der Jesuiten lautet: «Gott suchen in allen Dingen.»
Kommen wir zum Schluss, mit einer ganz konkreten Anregung, weihnachtliche Menschen zu sein. Ich habe sie in meiner Weihnachtspost gefunden. Es heisst dort: «Die Zeit, die wir uns für einen andern Menschen nehmen, ist das Kostbarste, das wir schenken können. Wenn uns das bewusst ist, haben wir den Sinn von Weihnachten verstanden.
Ja, liebe Gläubige, überlegen wir uns doch in diesen Tagen, welcher Mensch es besonders nötig hat, dass wir ihm ein Stück unserer Zeit schenken.

Dernière

Es muss im Jahr 2005, vor vollen 20 Jahren also, gewesen sein, dass ich hier zu schreiben begann. Nun da kath.ch dieses Format einstellt, und die Ära zu Ende geht, will ich zurück blicken.

Der erste (von 2308 Texten bis dato) Blog-Eintrag, den ich finde, einer vom 21.Dezember 2005, beschäftigte sich mit Eugen Drewermann und seinem öffentlich bekannt gemachten Austritt aus der katholischen Kirche. Damals war Benedikt XVI. frisch im Amt, wohl mit ein Auslöser für Drewermanns Entscheid. So überblicke ich diese 20 Jahre:

zunächst innerkirchlich: die Päpste Benedikt und Franziskus, Bischof Markus in meinem Heimatbistum, die gesamte Ära Huonder/Grichting in Chur und deren zunehmender Druck auf kath.ch, die Veröffentlichung des Berichts zum Thema Missbrauch mit der Welle von Kirchenaustritten als Folge, der Begriff Synodalität …

dann gesellschaftlich: der Aufstieg der Rechtsparteien in Europa als Folge der Flüchtlingsmisere, LGBTQ, die gescheiterte Hoffnung Obama und die Katastrophe Trump, daraus folgend das Ende der Sicherheitsarchitektur für Europa, deshalb das Scheitern des Pazifismus, und über allem die weiterhin ungelöste ökologische Katastrophe, die zur Dystopie führen kann …

Wir sind nichts als kleinste Rädlein im Lauf der Geschichte, im biblischen Sinn (Ps 8) nur Staubkörner. Das entbindet aber nicht von der Pflicht, uns in der kleinen Zeitspanne, die uns gegeben ist, zu engagieren und unsere Stimme zu erheben, wo wichtige Werte wie Autonomie, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit bedroht sind. Und schon gar in einer so undemokratisch-zentralistischen Institution wie der unseren.

Das habe ich hier versucht. Sollte ich jemand zu Unrecht kritisiert oder karikiert haben, entschuldige ich mich. Ansonsten aber halte ich als Angehöriger einer während Jahrhunderten unterdrückten gesellschaftlichen Minderheit, derjenige der gleichgeschlechtlich empfindenden Männer (einer Minderheit, die biblisch gesprochen zu den Anawim gehört), an all meinen Vorwürfen fest. Zumal jene an die Institution Kirche, die immer wusste und davon profitierte, dass gut ein Viertel ihrer Priester zu dieser Minderheit gehörte, und die so Verantwortung für die schweren Persönlichkeitsschädigungen bei Opfern und Tätern trug und trägt.

Ich verdanke die philosophischen, theologischen und spirituellen Autoren, von denen ich viel gelernt und profitiert habe: Francesco aus Assisi, Sir Thomas More, Pierre Teilhard de Chardin, Matthew Fox, Wunibald Müller, Golo Mann, Karl Popper, Ludwig Wittgenstein und natürlich Immanuel Kant.

Besonders grüsse ich heute meinen Kollegen in dieser Tätigkeit, Walter Ludin, und meinen getreuesten Kommentator, Karl Stadler. Ich danke den Verantwortlichen bei kath.ch, die mir dieses Hobby ermöglicht haben.

Time to say goodbye.
(und darum ein Foto aus meiner Lieblingswelt, der des Theaters: Platée aus der Barockoper Jean-Philippe Rameaus, aber nicht die hässliche Sumpffrosch-Frau, die sich in Jupiter verliebt, sondern der schüchtern-unattraktive Theatersouffleur in Jetske Mijnssens Zürcher Inszenierung, der sich in den ersten Solotänzer verguckt und zum Finale von allen ausgelacht wird)

Zeit verschenken zu Weihnachten

Zeit ist eine kostbare und nicht erneuerbare Ressource. Dabei ist die durchschnittliche Arbeitszeit in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Lebenserwartung gestiegen. Wie können wir achtsam mit der Zeit umgehen? Eine Einladung, zum Jahresende innezuhalten und bewusster zu entscheiden, wofür wir unsere Zeit einsetzen. Zeit verschenken ist wohl das schönste Weihnachtsgeschenk. 

«Zeit als neue Währung» heisst eine neue Studie des Gottlieb Duttweiler Institut (GDI): «Es markiert eine Prioritätenverschiebung in unserer Gesellschaft wie auch bei Unternehmen», erklärt Gian-Luca Savino, Senior Researcher und Speaker am GDI. Der promovierte Informatiker analysiert globale Trends in den Bereichen Technologie und Umwelt sowie deren Auswirkungen für Unternehmen, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Menschheit hat schon immer danach gestrebt, effizienter zu werden. Mehr in der gleichen Zeit zu schaffen. Nur kommt danach zuverlässig die nächste Frage, oft leiser, fast unangenehm: Was machen wir dann mit der Zeit, die wir gewinnen? Im Moment muss man ehrlich sagen, ein grosser Teil fliesst als Aufmerksamkeit in Bildschirme, zur Freude vieler Werbetreibender, und nicht immer zu unserem Vorteil. 

Zeit verschenken
Ein Gutschein für einen gemeinsamen Ausflug, ein Abendessen, einen Nachmittag ohne Handy, einfach da sein. Menschen schenken immer öfter gemeinsame Zeit. In einer immer schneller werdenden Welt, in der gefühlt alle im Stress sind, wird Zeit zur wichtigsten Ressource. Genau das macht sie als Geschenk so attraktiv. Denn je weniger ich davon habe, desto wertvoller wirkt mein Präsent, wenn ich sie trotzdem gebe.

So viel Zeit (verschwendung)
Schaut man sich an, womit wir unsere Tage im Durchschnitt füllen, dann ist das Bild ernüchternd. Ein grosser Block ist Bildschirmzeit, und dazu gehören nicht nur (soziale) Medien, sondern auch Arbeit am Computer, Mails, Meetings, alles, was sich heute durchs Display schiebt. Direkt danach kommt Zeit, die wir allein verbringen. «Noch nimmt die Bildschirmzeit mit dem Alter tendenziell ab, was vermutlich aber damit zu tun hat, dass die Generation, die mit Smartphones gross geworden ist, noch nicht pensioniert wurde

Alle haben genug Zeit
«Aber für so etwas habe ich keine Zeit.» Diese Ausrede können wir ein Leben lang vorschieben. Es ist aber nicht wahr, dass wir mehr oder weniger Zeit haben. Der Schöpfer hat uns die gleichen 24 Stunden pro Tag gegeben – wie schon Adam und Eva, schreibt der schwedische Seelsorger und Leiter von Einkehrtagen Magnus Malm in seinem Klassiker «Gott braucht keine Helden». Und weiter: Es stimmt einfach nicht, dass bestimmte Menschen mehr oder weniger Zeit haben als andere. Die Menge der Zeit ist die gleiche. Der Unterschied liegt darin, wie wir sie nutzen. Manche Menschen wie Kinder, Alleinstehende oder Rentner haben relativ grosse Wahlmöglichkeiten. Aber es gibt für alle ein gewisses Mass an Zeit, über das sie freie verfügen können. Es gilt das einfache Gesetz, dass ich genau das tue, was mir wichtig ist. Für das, was ich will, habe ich immer Zeit. Mein Hauptproblem ist also nicht, von den äusseren Umständen dominiert zu sein und keine Zeit für mein inneres Leben zu finden, sondern einzusehen, dass es so wichtig ist, dass es meine Zeit wert ist. 

Lernen von Maria und Marta
Unsere Zeit ist wertvoll. Die Geschichte von Maria und Marta zeigt exemplarisch, was die Priorisierung von Zeit bedeutet. Als Jesus in ihr Heim kommt, nehmen sie sofort die Plätze ein, die ihren inneren Prioritäten entsprechen. Marta will vor allem für Jesus arbeiten und dafür sorgen, dass er es so gut wie möglich hat. Maria will in erster Linie mit Jesus zusammen sein. Sie lässt alles andere liegen, um sich zu ihm zu setzen und ihm zu lauschen. Die Freundschaft war so stabil, dass Jesus die Wege, die die beiden gewählt hatten, miteinander vergleichen konnte, ohne verurteilend zu klingen: «Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt, das soll nicht von ihr genommen werden» (Lukas 10, 38-42). Schenken wir an Weihnachten Jesus und anderen Menschen unsere Zeit.

Dreifaltigkeit – Ewigkeit

Die Chefredaktion von kath.ch teilte uns Bloggern mit, der Kirchenblog werde Anfang 26 eingestellt. «Mit seiner sehr subjektiven Sicht passt er nicht mehr zu unsern journalistischen Grundsätzen.»
Vor gut 20 Jahren hat mir mein lieber KIPA-Kollege Matthias Müller den Blog zu meinem 60. Geburtstag geschenkt. (Ich musste mich kundig machen, was ein Blog sei …) Bald kamen andere Blogger hinzu. Ich selber habe in diesen Jahren über 4500 Beiträge verfasst.
Ich danke allen, die meine Artikel gelesen – und geschätzt! – haben. Immer wieder haben Userinnen und User mir ihre Wertschätzung ausgedrückt. Hier also mein (vor?)letzter Beitrag.


Hitverdächtiges Gebet: «Ehre sei dem Vater …»
In einer Hitparade der am meisten gesprochenen Gebete käme nach dem Vater- unser sicher das «Ehre sei dem Vater …» vor. Es ist eines der Grundgebete der Kirchen und ein Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, der über alle Zeiten hinweg am Werk ist. Wenn wir die 24 Buchstaben genauer anschauen, aus denen das Gebet besteht, kommen wir zu atemberaubenden Erkenntnissen.

So kurz und prägnant lautet das Gebet: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“ Diese Worte kommen am Schluss eines jeden der zahlreichen Psalmen vor, die Priester und Ordensleute täglich beten; ebenso im Rosenkranz und am Ende anderer Gebete.
«Ehre sei Gott …»
Der Begriff «Ehre» steht im Zentrum der biblischen Weihnachtsbotschaft, zu den Hirten von der Schar der Engel gesprochen: «Ehre sei Gott in der Höhe.» Im vierten Jahrhundert wurde daraus das «Ehre sei dem Vater …», wie wir es bis heute kennen.
Die Ehre Gottes spielt in der christlichen Spiritualität eine zentrale Rolle; ausgedrückt in Kirchenliedern wie «Gott zu ehren, ihn zu loben, ihn zu preisen ist unser Amt.»
«… dem Vater, dem Sohn, dem heiligen Geist»
Auch Religionen wie der Islam kennen den Glauben an den einen Gott. Doch nur im christlichen Glaubensverständnis ist Gott «dreifaltig»; oder besser: «dreieinig», um auszudrücken, dass er nach dem Credo drei «Personen» bedeutet und trotzdem ein einziger ist. Schon hier raubt es einem den Atem, wenn wir es bedenken.
Schauen wir jetzt kurz auf diese drei «Personen»:
Gott der Vater ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Lange Zeit, ja bis vor Kurzem, wurde er als alter Mann mit langem Bart dargestellt. Oder wie es in gewissen Gegenden umgangssprachlich heisst: «Wir lassen den lieben Gott einen lieben Mann sein.»
Die Kirche aber lehrt eine paradoxe Einsicht: Gott ist zwar unendlich gross und lässt sich nicht in Clichés einfangen. Er ist uns aber auch nahe, ja – wie Augustinus lehrte – «uns näher als wir uns selbst.»
In Jesus Christus kam der Sohn Gottes in unsere Welt. In ihm wirkte Gott selbst. Und er lehrte, dass mit ihm «das Reich Gottes» wenigstens anfanghaft in unsere Welt kam.
Im Heiligen Geist ist Gott uns auch heute nahe. Und er schenkt uns die Kraft, selbstlos zu handeln.
Metaphysisches Gruseln
Ehre gebühre Gott «vom Anfang an … bis in Ewigkeit», heisst es im zweiten Teil unseres Gebets. Wenn wir uns dies genauer überlegen, befällt uns ein «metaphysisches Gruseln» (Mani Matter):
Der Anfang: Ist es die «Schöpfung aus dem Nichts»? Oder der Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren, vor einer unvorstellbaren langen Zeit! Dann der z.B. Anfang der Pflanzenwelt vor 300 Millionen Jahren; der Beginn der Menschheit vor «erst» 300 000 Jahren …

  • «Jetzt»: Woran danken wir dabei? An die über acht Milliarden Menschen, die wirsind? Oder an die 70 Trilliarden (70.000.000.000.000.000.000.000) Sterne im Universum?
  • «… in alle Zeit»: Wird es nochmals so lange weitergehen wie seit dem Urknall? Oder länger?
  • «… und in Ewigkeit»: Wie lange die Ewigkeit dauert, lernten wir Luzerner Schüler mit dieser Geschichte: Eine Dohle pickt auf dem Pilatus Steinchen weg. Wenn sie den ganzen Berg mit seinen 2128 Metern abgetragen hat, ist erst eine Sekunde der Ewigkeit vorbei. Inzwischen wissen wir: In der Ewigkeit gibt es keine Sekunden, weil es keine Zeit (und keinen Raum) gibt. Ich kann mir dies nicht vorstellen. Können Sie es? Dann erklären Sie es mir bitte. Im Voraus vielen Dank.

Erstmals erschienen in: Antonius von Padua. Seraphisches Liebeswerk Solothurn