Darstellung der Dreifaltigkeit © pixabay
Walter Ludin

Dreifaltigkeit – Ewigkeit

Die Chefredaktion von kath.ch teilte uns Bloggern mit, der Kirchenblog werde Anfang 26 eingestellt. «Mit seiner sehr subjektiven Sicht passt er nicht mehr zu unsern journalistischen Grundsätzen.»
Vor gut 20 Jahren hat mir mein lieber KIPA-Kollege Matthias Müller den Blog zu meinem 60. Geburtstag geschenkt. (Ich musste mich kundig machen, was ein Blog sei …) Bald kamen andere Blogger hinzu. Ich selber habe in diesen Jahren über 4500 Beiträge verfasst.
Ich danke allen, die meine Artikel gelesen – und geschätzt! – haben. Immer wieder haben Userinnen und User mir ihre Wertschätzung ausgedrückt. Hier also mein (vor?)letzter Beitrag.


Hitverdächtiges Gebet: «Ehre sei dem Vater …»
In einer Hitparade der am meisten gesprochenen Gebete käme nach dem Vater- unser sicher das «Ehre sei dem Vater …» vor. Es ist eines der Grundgebete der Kirchen und ein Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, der über alle Zeiten hinweg am Werk ist. Wenn wir die 24 Buchstaben genauer anschauen, aus denen das Gebet besteht, kommen wir zu atemberaubenden Erkenntnissen.

So kurz und prägnant lautet das Gebet: «Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.» Diese Worte kommen am Schluss eines jeden der zahlreichen Psalmen vor, die Priester und Ordensleute täglich beten; ebenso im Rosenkranz und am Ende anderer Gebete.
«Ehre sei Gott …»
Der Begriff «Ehre» steht im Zentrum der biblischen Weihnachtsbotschaft, zu den Hirten von der Schar der Engel gesprochen: «Ehre sei Gott in der Höhe.» Im vierten Jahrhundert wurde daraus das «Ehre sei dem Vater …», wie wir es bis heute kennen.
Die Ehre Gottes spielt in der christlichen Spiritualität eine zentrale Rolle; ausgedrückt in Kirchenliedern wie «Gott zu ehren, ihn zu loben, ihn zu preisen ist unser Amt.»
«… dem Vater, dem Sohn, dem heiligen Geist»
Auch Religionen wie der Islam kennen den Glauben an den einen Gott. Doch nur im christlichen Glaubensverständnis ist Gott «dreifaltig»; oder besser: «dreieinig», um auszudrücken, dass er nach dem Credo drei «Personen» bedeutet und trotzdem ein einziger ist. Schon hier raubt es einem den Atem, wenn wir es bedenken.
Schauen wir jetzt kurz auf diese drei «Personen»:
Gott der Vater ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Lange Zeit, ja bis vor Kurzem, wurde er als alter Mann mit langem Bart dargestellt. Oder wie es in gewissen Gegenden umgangssprachlich heisst: «Wir lassen den lieben Gott einen lieben Mann sein.»
Die Kirche aber lehrt eine paradoxe Einsicht: Gott ist zwar unendlich gross und lässt sich nicht in Clichés einfangen. Er ist uns aber auch nahe, ja – wie Augustinus lehrte – «uns näher als wir uns selbst.»
In Jesus Christus kam der Sohn Gottes in unsere Welt. In ihm wirkte Gott selbst. Und er lehrte, dass mit ihm «das Reich Gottes» wenigstens anfanghaft in unsere Welt kam.
Im Heiligen Geist ist Gott uns auch heute nahe. Und er schenkt uns die Kraft, selbstlos zu handeln.
Metaphysisches Gruseln
Ehre gebühre Gott «vom Anfang an … bis in Ewigkeit», heisst es im zweiten Teil unseres Gebets. Wenn wir uns dies genauer überlegen, befällt uns ein «metaphysisches Gruseln» (Mani Matter):
Der Anfang: Ist es die «Schöpfung aus dem Nichts»? Oder der Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren, vor einer unvorstellbaren langen Zeit! Dann der z.B. Anfang der Pflanzenwelt vor 300 Millionen Jahren; der Beginn der Menschheit vor «erst» 300 000 Jahren …

  • «Jetzt»: Woran danken wir dabei? An die über acht Milliarden Menschen, die wirsind? Oder an die 70 Trilliarden (70.000.000.000.000.000.000.000) Sterne im Universum?
  • «… in alle Zeit»: Wird es nochmals so lange weitergehen wie seit dem Urknall? Oder länger?
  • «… und in Ewigkeit»: Wie lange die Ewigkeit dauert, lernten wir Luzerner Schüler mit dieser Geschichte: Eine Dohle pickt auf dem Pilatus Steinchen weg. Wenn sie den ganzen Berg mit seinen 2128 Metern abgetragen hat, ist erst eine Sekunde der Ewigkeit vorbei. Inzwischen wissen wir: In der Ewigkeit gibt es keine Sekunden, weil es keine Zeit (und keinen Raum) gibt. Ich kann mir dies nicht vorstellen. Können Sie es? Dann erklären Sie es mir bitte. Im Voraus vielen Dank.

Erstmals erschienen in: Antonius von Padua. Seraphisches Liebeswerk Solothurn

Darstellung der Dreifaltigkeit © pixabay
18. Dezember 2025 | 09:08
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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6 Gedanken zu „Dreifaltigkeit – Ewigkeit

  • stadler karl sagt:

    Auch wenn ich mich mit Ihnen des öftern arg gestritten habe: Es ist sehr schade, dass diese Rubrik auf kath.ch aufgehoben wird. Ihren Blog schätzte ich und besuchte ihn immer mit grossem Interesse.
    Ich meine, niemand erwartet, dass ein Blog ein Wissenschaftsmedium ist. Die Ansichten und Meinungen, die in den Blog-Beiträgen veröffentlicht wurden, sind sicher über weite Strecken subjektive Perspektiven, die in der Regel nie von der gesamten Leserschaft mitgetragen werden. Wie könnte es denn anders sein? Dasselbe gilt natürlich, oder noch viel mehr, auch von den Kommentaren, wo ich jeweils auch meinen Senf dazu gab.
    Aber die Begründung seitens von kath.ch will mir nicht so richtig in den Kopf! Was hat das mit journalistischen Grundsätzen zu tun? Ein Blog mit Kommentarfunktion bildet doch auch ein wenig einen virtuellen Stammtisch, wo man sich halt manchmal aufregt, verbal in die Haare gerät, vor dem Computer flucht, manchmal aber auch zustimmend seiner Freude Ausdruck verleiht und, je nach momentaner emotionaler Befindlichkeit, einen Beitrag oder Kommentar in die Tasten hämmert.
    Ich finde das eigentlich gar nicht so abwegig, solange man nicht ehrverletzend und beleidigend dem Kontrahenten begegnet. Aber subjektiv über weiteste Strecken gestaltet sich eine derartige Konversation alleweil, wie der Zugang zur Welt sich ohnehin praktisch immer subjektiv gestaltet.
    Ich sehe jedoch den Zusammenhang mit “journalistischen Grundsätzen” nicht? Es geht ja zumeist nicht um eine Informationsübermittlung als vielmehr um ein Gespräch, nicht selten halt um ein Streitgespräch. Und das sollte auf einer kirchlichen Medienplattform doch noch Platz haben, insbesondere im Zeitalter der Synodalität. Oder entsprachen die Beiträge und Kommentare eher zu wenig den offiziellen theologischen Grundsätzen, der amtlichen Lehrmeinung?
    Ja, mit wem soll man sich jetzt noch streiten? Sicher, in der Beiz, nach dem zweiten dritten Bier, da ereignen sich ab und zu auch sehr angeregte laute Streitgespräche, von Angesicht zu Angesicht. Auch diese haben ihre soziale Funktion, die nicht zu unterschätzen ist. Aber man kann ja nicht ständig in der Beiz hocken.
    Eigentlich könnte ich wieder einmal nach Schwyz kommen um mit Ihnen zusammen ein Bier zu trinken. Aber ein Thema sollten wir zum vorneherein ausklammern.

    Trotz allem: Ich wünsche Ihnen geruhsame und besinnliche Weihnachten. Ja, und bald bricht auch das neue Jahr wieder an. Alles Gute und vor allem gute Gesundheit wünsche ich Ihnen von Herzen!

  • Die Meldung vom Tod unserer Blogs habe ich auch auf Facebook gemeldet. Hier einige Reaktionen:
    Franz X. Stadelmann
    Ich werde Deine Blogg-Beiträge vermissen. Sind Deine Beiträge zu mutig, herausfordernd, unangenehem für jene, die in der katholischen Kirche das Sagen haben oder meinen es zu haben?
    Cornelia Lerch
    “Der Blogg mit seiner subjektiven Sicht passe nicht mehr in die journalistischen Grundsätze (der kath. Kirche)”
    Und was sind die Grundsätze? Diktaturisches “Diktieren und Wiedergeben”?
    Mir werden sie fehlen, diese Blogs. Sie regen zum Nachdenken an. Sicher können sie kontrovers sein, aufwieglerisch beurteilt in der Kirchenlandschaft. Aber nur durch Anregungen und eine Vielfalt von Sichtweisen kann Veränderung stattfinden.
    Meine Lösung: wenn “Blog” als Format nicht mehr passt, lasst euch “Bloggere” in einer andern Rubrik schreiben. Zb ‘Einblick’ oder ‘Ausblick’, vielleicht ‘Querblick’ oder so.
    Franziska Driessen-Reding
    So traurig lieber Walter!
    Deine Blogs sind einfach wunderbar! Vielleicht Blogst Du einfach weiter?
    Das wäre schön
    Marcel Sonderegger
    Was können wir unternehmen, lieber Walter, damit die Bloggs weiterexistieren? Marcel Sonderegger
    Esther R. Suter
    Der Wind hat sich gedreht nach…??
    Dominik Landwehr
    Du kannst den Blog privat weiter betreiben. Jeder Web Entwicker setzt das für Dich auf
    Pius Süess
    Schade und unverständlich, lieber Walter, dass Kath.ch deinen und die anderen Blogs streicht. Ich hoffe, Du findest eine Lösung – vielleicht mit Heinz Angehrn? – , dass ich weiter von dir lesen kann? Schöne Weihnachtstage und ein friedlicheres 2026!

  • Weitere Reaktion/PTsch per Mail:
    Das darf nicht sein!
    Die Argumentation bringt ausser Fragezeichen nicht viel. Ich befürchte, dass auch persönliche Ambitionen des ziemlich neuen Chefredaktors mit seiner Vergangenheit bei der NZZ im Spiel sind.
    Überdenke doch die Möglichkeit eines eigenen Blogs. Mit der finanziellen Unterstützung deiner “Jünger:innen” sollte dies zu stemmen sein. Ich wäre dabei!!!
    Halte mich bitte auf dem Laufenden.

  • Daniel Ric sagt:

    Sehr geehrter Herr Ludin, ich danke Ihnen für Ihre Texte. Speziell danke ich Ihnen dafür, dass Sie sich konsequent für den Frieden eingesetzt haben. Sie sind in der Schweiz das, was Papst Franziskus in der Welt war. Eine einsame Stimme, die bei der ganzen Kriegsbegeisterung den Frieden als Option ins Spiel gebracht hat. Und es zeigt sich immer mehr, wie recht Sie hatten. Ebenfalls waren Sie ein Mahner, wenn es darum ging, die westliche Optik zugunsten einer ganzheitlichen aufzugeben. Der Westen ist ein Teil der Zivilisation, nur ein Teil neben vielen anderen Kulturen. Und Jesus ist für alle Menschen und alle Kulturen geboren und gestorben.
    Lassen Sie sich auf keinen Fall durch kath.ch an Ihren Beiträgen hindern. Machen Sie weiter! Es wird sicherlich Katholiken geben, ich gehöre dazu, die ein neues Format auf einem neuen Portal mitfinanzieren.

  • Noch eine Rückmeldung zum Tod unserer Blogs. (Bisher hat noch nie jemand sich gemeldet, der die Massnahme verstanden hat. Sollte der Chefredaktion zu denken geben….)

    Paul Hermann
    Lieber Walter
    Ich möchte deine Worte nicht vermissen. Du bist ein Wegweiser in dieser Zeit. Wir dürfen uns doch nicht überall zurückziehen und unsere Gedanken verschweigen.
    Schreibe bitter weiter, sonst fehlst du uns.

  • Der Hildesheimer Seelsorger Heinrich J. Dormeier in einem Mail:
    Gestern habe ich gelesen, dass kath.ch den Kirchenblog einstellen will, weil er mit seiner sehr subjektiven Sicht nicht mehr zu den journalistischen Grundsätzen von kath.ch passe. Das ist aus meiner Sicht nicht nur traurig, sondern sehr ärgerlich. Wie sehen eigentlich die “journalistischen Grundsätze” von kath.ch aus? Haben die schon einmal etwas von Ambiguitätstoleranz gehört oder gibt es für die nur eine “katholische” Linie? Dann kann man nur an der theologischen Kompetenz dieser Leute zweifeln. Katholisch heißt allumfassend, allgemein, so viel wie ökumenisch, die ganze Erde umfassend, alle Menschen betreffend. In einer engen Kirche und, so habe ich den Eindruck, immer enger werdenden Gemeinden fühlen sich immer weniger Menschen zu Hause. Ich kenne persönlich nicht wenige, die sich in den einförmigen katholischen Gemeinden so wenig zu Hause fühlen, dass sie auch nicht mehr an den Gottesdiensten teilnehmen. Viele sind nicht einfach weggeblieben, sondern de facto hinausgedrängt worden, ob gewollt oder unbeabsichtigt.

    Den Kirchenblog, an dem sich ja auch noch ganz andere Autorinnen und Autoren hätten beteiligen können, ist aus meiner Sicht ein kleiner Teil einer vielstimmigen Kirche – Einheit in Vielfalt -, die heute allein noch bestehen kann, wenn sie nicht auf Dauer zu einer kleinen von der Welt abgeschotteten und letztlich bedeutungslosen Sekte werden will.

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