Die Chefredaktion von kath.ch teilte uns Bloggern mit, der Kirchenblog werde Anfang 26 eingestellt. «Mit seiner sehr subjektiven Sicht passt er nicht mehr zu unsern journalistischen Grundsätzen.»
Vor gut 20 Jahren hat mir mein lieber KIPA-Kollege Matthias Müller den Blog zu meinem 60. Geburtstag geschenkt. (Ich musste mich kundig machen, was ein Blog sei …) Bald kamen andere Blogger hinzu. Ich selber habe in diesen Jahren über 4500 Beiträge verfasst.
Ich danke allen, die meine Artikel gelesen – und geschätzt! – haben. Immer wieder haben Userinnen und User mir ihre Wertschätzung ausgedrückt. Hier also mein (vor?)letzter Beitrag.
Hitverdächtiges Gebet: «Ehre sei dem Vater …»
In einer Hitparade der am meisten gesprochenen Gebete käme nach dem Vater- unser sicher das «Ehre sei dem Vater …» vor. Es ist eines der Grundgebete der Kirchen und ein Bekenntnis zum dreifaltigen Gott, der über alle Zeiten hinweg am Werk ist. Wenn wir die 24 Buchstaben genauer anschauen, aus denen das Gebet besteht, kommen wir zu atemberaubenden Erkenntnissen.
So kurz und prägnant lautet das Gebet: «Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.» Diese Worte kommen am Schluss eines jeden der zahlreichen Psalmen vor, die Priester und Ordensleute täglich beten; ebenso im Rosenkranz und am Ende anderer Gebete.
«Ehre sei Gott …»
Der Begriff «Ehre» steht im Zentrum der biblischen Weihnachtsbotschaft, zu den Hirten von der Schar der Engel gesprochen: «Ehre sei Gott in der Höhe.» Im vierten Jahrhundert wurde daraus das «Ehre sei dem Vater …», wie wir es bis heute kennen.
Die Ehre Gottes spielt in der christlichen Spiritualität eine zentrale Rolle; ausgedrückt in Kirchenliedern wie «Gott zu ehren, ihn zu loben, ihn zu preisen ist unser Amt.»
«… dem Vater, dem Sohn, dem heiligen Geist»
Auch Religionen wie der Islam kennen den Glauben an den einen Gott. Doch nur im christlichen Glaubensverständnis ist Gott «dreifaltig»; oder besser: «dreieinig», um auszudrücken, dass er nach dem Credo drei «Personen» bedeutet und trotzdem ein einziger ist. Schon hier raubt es einem den Atem, wenn wir es bedenken.
Schauen wir jetzt kurz auf diese drei «Personen»:
Gott der Vater ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Lange Zeit, ja bis vor Kurzem, wurde er als alter Mann mit langem Bart dargestellt. Oder wie es in gewissen Gegenden umgangssprachlich heisst: «Wir lassen den lieben Gott einen lieben Mann sein.»
Die Kirche aber lehrt eine paradoxe Einsicht: Gott ist zwar unendlich gross und lässt sich nicht in Clichés einfangen. Er ist uns aber auch nahe, ja – wie Augustinus lehrte – «uns näher als wir uns selbst.»
In Jesus Christus kam der Sohn Gottes in unsere Welt. In ihm wirkte Gott selbst. Und er lehrte, dass mit ihm «das Reich Gottes» wenigstens anfanghaft in unsere Welt kam.
Im Heiligen Geist ist Gott uns auch heute nahe. Und er schenkt uns die Kraft, selbstlos zu handeln.
Metaphysisches Gruseln
Ehre gebühre Gott «vom Anfang an … bis in Ewigkeit», heisst es im zweiten Teil unseres Gebets. Wenn wir uns dies genauer überlegen, befällt uns ein «metaphysisches Gruseln» (Mani Matter):
Der Anfang: Ist es die «Schöpfung aus dem Nichts»? Oder der Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren, vor einer unvorstellbaren langen Zeit! Dann der z.B. Anfang der Pflanzenwelt vor 300 Millionen Jahren; der Beginn der Menschheit vor «erst» 300 000 Jahren …
Erstmals erschienen in: Antonius von Padua. Seraphisches Liebeswerk Solothurn
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant