Medienbischof Josef Stübi: «Manchen Medien geht es nur um Schnelligkeit und Sofort-Publizistik»
Die digitale Transformation geht nicht spurlos an kirchlichen Institutionen vorbei. Für die Schweizer Bischofskonferenz ist Josef Stübi, Weihbischof im Bistum Basel, veranwortlich für das Dikasterium für die Medien in der Deutschschweiz. Er betont, wie wichtig professionelle kirchliche Medienarbeit ist. Im Gespräch mit Kirche kommuniziert, dem Schulungs- und Beratungsangebot des Katholischen Medienzentrums, gibt er Einblicke in seine Arbeit als Medienbischof. Er vermisst die Ausgewogenheit und wünscht sicht mehr Zeit und Engagement für Qualität.
Kirche kommuniziert: Herr Bischof Stübi, neben Ihren Aufgaben als Weihbischof im Bistum Basel sind Sie ebenfalls Medienbischof. Können Sie ihre Schwerpunkte kurz skizzieren?
Josef Stübi: Seit meiner Ernennung zum Medienbischof musste ich mir erst einmal ein Bild von der Medienwelt im Allgemeinen und von der kirchlichen Medienlandschaft im Besonderen machen. Wobei ich hier erwähnen muss, dass mein Schwerpunkt die deutschsprachige Schweiz ist. Die Romandie liegt diesbezüglich nach wie vor bei Bischof Alain de Raemy.
Als erstes habe ich das Katholische Medienzentrum in Zürich besucht und liess mich auch über die kirchliche Kommunikationsstruktur bei Radio und Fernsehen informieren. Zudem habe ich die Pfarrblattredaktorinnen und -redaktoren der deutschsprachigen Schweiz zu einem Treffen mit Austausch ins Bischöfliche Ordinariat nach Solothurn eingeladen. Daraus hervor ging ein bislang zweites Treffen zum von den Pfarrblattredaktorinnen und -redaktoren gewünschten Thema «Medienethik». Die Einladung ging über die ARPF (Arbeitsgemeinschaft der Pfarrblattredaktionen der Deutschschweiz) an die Redaktionen der Pfarrblätter.
In der Funktion als Medienbischof bin ich Mitglied der Fachgruppe 2 der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) und der Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Diese Fachgruppe nimmt im Auftrag von SBK und RKZ die Aufsicht über die Finanzen, die Organisation und die publizistische Qualität der drei sprachregionalen Medienzentren wahr. Die SBK verleiht jährlich den Katholischen Medienpreis. In dieser meiner Funktion bin ich auch daran mitbeteiligt.
Gleichzeitig zeigt sich mir hier die Schwerfälligkeit unseres auch kirchlich-föderalistischen Systems.
Medienbischof Josef Stübi
Künftig möchte ich zusammen mit den Kommunikationsverantwortlichen an den verschiedenen Stellen und auf verschiedenen Ebenen Ideen für eine zukunftsgerichtete kirchliche Medienarbeit entwickeln. Da sehe ich Potenzial, das über Bistümer und Landeskirchen hinweg effizienter genutzt werden könnte, um der Stimme unserer Kirche in der Gesellschaft mehr Resonanz zu geben. Gleichzeitig zeigt sich mir hier die Schwerfälligkeit unseres auch kirchlich-föderalistischen System.
Ich bin überzeugt, dass die Kirche gemeinsam mit den Medienschaffenden eine grosse Aufgabe zu erfüllen hat, der christlichen Botschaft und damit den christlichen Werten auch in unserer modernen Welt Gehör und Leuchtkraft zu verleihen. Und dies sehe ich durchaus als wichtigen Beitrag im Hinblick auf Gestaltung unserer Gesellschaft hier in der Schweiz als Gemeinschaft in Vielfalt.
Kirche kommuniziert: Die sozialen Medien bieten Chancen für einen offenen und demokratischen Austausch. Häufig erleben wir jedoch Hass und Hetze. Wo liegen, Ihrer Meinung nach, Chancen und Risiken der neuen Medien?
Stübi: Wie gesagt, es ist unser Auftrag, die Frohe Botschaft zu verkünden. Dies war, ist und bleibt bedeutsam für die Gestaltung unserer demokratisch-freiheitlich-sozialen Gesellschaft. Gerade auch deshalb ist es für die Kirche unabdingbar in den sozialen Medien dialogisch präsent zu sein. Dort erreichen wir Menschen, die wir in der analogen Welt nicht mehr einfach so erreichen.
Es ist unser Auftrag, die Frohe Botschaft zu verkünden.
Medienbischof Josef Stübi
Die Art der Kommunikation unterliegt wie so vieles ebenfalls ständigem Wandel – und auch und gerade im Erscheinungsbild der sozialen Medien. Diese bieten uns die Chance neuer Formen: Neben dem gesprochenen Wort vermehrt auch bildliche Kommunikation. Das ist eine Chance, die bereits erfolgreich in Verkündigung und teilweise auch in kirchlicher Kommunikation auf diversen medialen Kanälen genutzt wird – etwa in Form von Kurzvideos oder Erklärvideos. Diese bringen in kurzer Zeit viel Inhalt auf den Punkt. Hier stehen wir mit der Urkirche auf gleichem Boden. Schon bald begnügte man sich nämlich nicht mehr nur mit dem Wort. Briefe wurden geschrieben, in die Welt hinausgetragen und in den gottesdienstlichen Versammlungen vorgelesen. Einer, der diese Form der verkündigenden Kommunikation genützt hat, war der Apostel Paulus. Ihm sind auch wir für seine Briefe dankbar. Es geht nach wie vor um das Gleiche, nur mit wieder neuen Möglichkeiten. Insofern sehe ich diesbezüglich eine grosse Chance der Glaubenskommunikation im digitalen Raum. Er wird meines Erachtens noch zu wenig bespielt. Aber ich weiss und freue mich, dass diesbezüglich – gerade von den Medienzentren – entwickelt und geplant wird.
Kirche kommuniziert: Die Schweizer Bischofskonferenz ist Auftraggeberin des Katholischen Medienzentrums. Wie beurteilen Sie Qualitätsjournalismus und gibt es überhaupt noch einen Markt dafür?
Stübi: Gerade auch in unserer kirchlichen Medienwelt wird gute Arbeit geleistet. Das muss gesagt sein – mit Dank und Kompliment an all jene, welche sich Tag für Tag dafür einsetzen. Für Qualitätsjournalismus gibt es meines Erachtens immer einen Markt. In unserer schnelllebigen Zeit wird zwar nach Instantnews verlangt. Menschen wollen sofort auf den neusten Stand gebracht werden. Die kirchlichen Medienzentren sollten diesem Trend meiner Meinung nach nicht allzu sehr nachrennen. Wäre es manchmal nicht besser, journalistisch in die Tiefe zu gehen? Vielleicht könnten die Medienzentren gerade diesbezüglich einen Kontrapunkt bzw. einen Schwerpunkt setzen. Zudem können sie dabei auf ein grosses Netzwerk in der Weltkirche zurückgreifen. Das gibt ihnen die Möglichkeit im Bereich des religiösen und kirchlichen Lebens und der Theologie zu recherchieren, zu analysieren, einzuordnen – und dann auch kompetent(er) zu kommentieren. Ich habe bisweilen das Gefühl, dass es bei manchen Medien auch (fast nur) um Schnelligkeit und Sofort-Publizistik geht. Dies birgt die Gefahr, dass der Blickwinkel regional, historisch und auch thematisch sehr eng bleibt. Neben all dem fehlt für mich hie und da auch Kontextualisierung. Bereits Publiziertes wird unhinterfragt einfach übernommen. Rückfragen an die kompetente Stelle, Einholung von Zweitquellen und damit doch manchmal auch Ausgewogenheit fehlt. Der vielbeschworene «journalistische Standard» lässt grüssen. Mehr Zeit und Engagement für Qualität wäre wünschenswert. Wir brauchen Qualitätsjournalismus – auch bei den kirchlichen Medien.
Der Markt für qualitativ gute und explizit nicht unkritische Medienarbeit ist da. Hier sind die Medienleute in- und ausserhalb der Kirche gefordert, um in der engeren und weiteren – auch kirchlichen – Öffentlichkeit gehört und ernstgenommen zu werden.
Ich möchte aber die Antwort dieser Frage abschliessen, so wie ich sie begonnen habe. In meiner relativ kurzen Zeit als Medienbischof sehe ich auch, wie hart das «Mediengeschäft» sein kann – und nochmals – wie viel positive und gute Arbeit immer wieder auch hier geleistet wird. Dafür bin ich schlicht und einfach dankbar. Deshalb zum Schluss – ferner Dank und Kompliment an all jene Medienschaffenden, die sich Tag für Tag dafür einsetzen.
Der Medienbischof der Deutschschweiz:
Josef Stübi wurde am 26. März 1961 in Rothenburg geboren und ist in Dietwil/AG aufgewachsen. Nach seiner Matura in Immensee studierte er in Luzern und München Philosophie und Theologie. 1988 wurde er zum Diakon und Priester geweiht. Er war Vikar in Windisch, Pfarrer in Hochdorf und in Baden, wo er zugleich auch Pastoralraumpfarrer im Aargauer Limmattal war. Zudem war er Dekan des Dekanats Hochdorf und Baden-Wettingen. Josef Stübi war von 2013 bis 2023 Domherr des Standes Aargau. Seit 2023 ist er residierender Domherr des Standes Solothurn.
Am 20. Dezember 2022 wurde er von Papst Franziskus zum Weihbischof im Bistum Basel ernannt. Die Bischofsweihe fand am 26. Februar 2023 in der Kathedrale Urs und Viktor in Solothurn statt. Weihbischof Stübi ist Titularbischof von Lemellefa. Das Domkapitel der Diözese Basel wird ab 1. September 2024 von Josef Stübi geleitet.
Sein Wahlspruch lautet: Hoffnung leben.
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