Katholisches Sozialinstitut in Siegburg/Bonn
Daniel Kosch

Laienmitverantwortung für Kirchenfinanzen – auch in Deutschland ein Thema

Die Laien-Mitverantwortung in Fragen der Kirchenfinanzierung wird oft als «die» Spezialität und Qualität des schweizerischen Sonderfalls mit seiner dualen Struktur gewürdigt. Und dies gar nicht so selten auch in kritischer Absetzung vom deutschen Nachbarland, wo «das Geld bei den Bischöfen» sei, Demokratie und Mitbestimmung von Laien sowie der Kirche vor Ort also keine Rolle spiele.

Entsprechend interessant war es gerade aus Schweizer Sicht, an einer gut besuchten Tagung zum Thema «Kirchliche Finanzen – Ein Ort der Mitverantwortung für Laien» teilzunehmen, die am 16./17. Juni 2017 in Siegburg bei Bonn stattfand. Über 70 Personen aus 20 (der 27) deutschen Diözesen waren der Einladung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gefolgt und diskutierten engagiert, aber sehr sachbezogen Fragen rund um eine «verantwortungsvolle, nachvollziehbare und transparente Finanzgestaltung in der Kirche».

Aus einer von der Schweizer Realität geprägten Perspektive waren folgende Punkte besonders bemerkenswert:

  • Das Kirchenfinanzierungssystem der deutschen Bistümer ist ebenfalls vielfältig, gerade auch was die Mitgestaltungs- und Mitverantwortungsrechte von Laien betrifft. Diese sind zum Teil stark ausgeprägt und jene diözesanen Verantwortungsträger, die zu Worte kamen, zeigten sich an dieser Partizipation und ihrer verbindlichen Ausgestaltung ausgesprochen interessiert.
  • In vielen Wortmeldungen wurden zwei Gründe angesprochen, die zu einer intensiveren Beschäftigung mit Fragen der Kirchenfinanzierung sprechen. Zum einen der Fall «Limburg», wo ein unsorgfältiger und fragwürdiger Umgang mit Geld im Zusammenhang mit Bauvorhaben zu einem Skandal führte, der das Vertrauen in das Finanzgebaren der Kirche nachhaltig erschüttert hat. Und zum anderen die Tatsache, dass die Steuererträge zwar so hoch sind, wie nie zuvor, aber klar absehbar ist, dass mittelfristig mit deutlich weniger Einnahmen zu rechnen ist. Beide Faktoren werden als Chance und Herausforderung gesehen, sich als Kirche jetzt gut aufzustellen, wo die Mittel noch da sind.
  • Was die Forderung nach Transparenz betrifft, standen weniger die Kirchensteuererträge im Vordergrund als die kirchlichen Vermögenswerte, die dem Zugriff der Kirchensteuergremien oft entzogen sind. Die Fragen nach der Höhe dieser Mittel, nach ihrer transparenten und zielgerichteten Verwaltung, aber auch nach einer ethisch und ökologisch verantwortungsbewussten Geldanlage bedürfen ebenso der Klärung wie die Frage nach Transparenz bezüglich der effektiven Kosten kirchlicher Leistungen und Aktivitäten.
  • Was den Mitteleinsatz betrifft, war die Forderung nach strategischen Klärungen unüberhörbar: Welches sind die Ziele und Prioritäten? Wie arbeiten die pastoralen Räte, die Bistumsleitungen und die Kirchensteuerräte zusammen, um den Mitteleinsatz und die Ziele aufeinander abzustimmen und gemeinsam zu verantworten? Wie wird sichergestellt, dass nicht nur die diözesane Ebene in den Blick kommt, sondern auch das kirchliche Leben vor Ort, für das ein aus Schweizer Sicht geringer Anteil der Mittel vorgesehen ist?
  • Wie wird sichergestellt, dass die nationale Ebene ausreichende Mittel erhält, um die wachsenden Herausforderungen bewältigen zu können? Und wie wird auf dieser Ebene gesteuert? Prof. Thomas Sternberg, Präsident des ZdK, hielt dazu in seiner Tagungsbilanz fest: «Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Mitwirkung und Mitverantwortung gewählter Laienvertreter auch auf der bundesdeutschen Ebene verstärkt wird und dass ihre strukturelle Verfasstheit gesichert ist.»

Insgesamt fällt auf, dass es zwischen Deutschland und der Schweiz viele Parallelen gibt, nicht nur, was das Kirchensteuersystem betrifft, sondern auch bezüglich der finanziellen Herausforderungen, mit denen sich die Kirche auseinandersetzen muss. Ein vertiefter Erfahrungsaustausch und ein Blick auf unterschiedliche Bestrebungen, das Miteinander von Finanz- und Pastoralgremien zu verbessern und den Mitteleinsatz auf die zentralen Aufgaben und Ziele zu fokussieren, könnte zweifellos Impulse für die je eigene Weiterentwicklung geben. Aus Schweizer Sicht besonders bemerkenswert sind Modelle, wie die Verknüpfung von pastoraler Strategie und Einsatz finanzieller Mittel nicht nur vor Ort sondern auf diözesaner Ebene sicherstellt wird – und dies nicht nur zwischen «Kirchensteuervertretung» und Bischof/Ordinariat, sondern auch unter Einbezug des Pastoralrates. Finanzverwaltung wird damit zu einem «synodalen Geschehen» im eigentlichen Sinn. Vielleicht kann eine nächste oder übernächste Tagung den Wissens- und Erfahrungsaustausch über die Landesgrenzen hinaus verstärken – mit dem Ziel, voneinander zu lernen und so das je eigene System zu verbessern und weiter zu entwickeln.

Katholisches Sozialinstitut in Siegburg/Bonn | © Daniel.Kosch
19. Juni 2017 | 10:49
von Daniel Kosch
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