Papst Franziskus geht in einer Wüste (wegen des Coronavirus-Notfalls) Via Del Corso, als er die Kirche San Marcello auf dem Corso verlässt, wo ein wundertätiges Kruzifix untergebracht ist, am 15. März 2020 in Rom, Italien. Papst Franziskus verliess am Sonntag den Vatikan, um am dritten Fastensonntag zwei wichtige Wallfahrtsorte in Rom zu besuchen, um für die Stadt und die Welt zu beten, inmitten des Ausbruchs des Coronavirus Covid © Vatican Pool/Vatican Media via Vatican Pool/Getty Images)
Walter Ludin

Was sagt der Papst zu Krieg und Frieden?

Schon vor Jahren hat jemand eine Notlösung in Zeiten des Priestermangels vorgeschlagen, eine wohl nicht ganz ernsthafte. Nämlich: Wenn es immer weniger Priester gäbe, die am Sonntag Eucharistie feiern können, würde doch eine Fernsehschaltung in den Vatikan helfen. So könnten auch bei uns Gläubige mit dem Papst Messe feiern und seine Predigt hören, in einer Übersetzung …
Nun, einen Teil dieses Vorschlags möchte ich mit Ihnen ausprobieren: nämlich in der Predigt auf den Papst hören. Der äussere Anlass: die Autobiographie von Papst Franziskus, die übrigens mit ihren 50’000 Exemplaren praktisch schon ausverkauft ist.
Franziskus erzählt ganz am Anfang seines fast 400-seitigen Buches vom Schicksal seiner Grosseltern. Diese hatten 1927 als Migranten von Genua aus eine Fahrt auf einem Schiff nach Argentinien gebucht. Da kam etwas dazwischen und sie mussten umbuchen. Zu ihrem Glück! Das ursprünglich gebucht Schiff versank im Sturm. Hunderte kamen um.
Der Papst ist sich bewusst: Wären die Grosseltern auf diesem Schiff gefahren, gäbe es ihn nicht. Er schreibt: «Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich der Göttlichen Vorsehung noch zu danken hatte.»
So erzählt Franziskus auf den ersten Seiten seines Buches nicht zuerst von seiner Geburt oder der Wahl zum Papst. Nachdem er zeigt, wie es seinen Grosseltern ergangen ist, widmet er fast zehn Seiten den Menschen von heute, die wie seine Vorfahren vor Armut oder Krieg fliehen. Sehr anschaulich, sehr mitfühlend erklärt er ihr unglückliches Schicksal.
Und er gedenkt jener 25 000 Flüchtlinge, die in den letzten zehn Jahren auf ihrer Flucht im Mittelmeer umgekommen sind; ähnlich wie damals zur Zeit seiner Vorfahren. Gerade darum ging Franziskus auf seiner ersten Reise nach dem süditalienischen Lampedusa, wo viele der Leichen angeschwemmt wurden und immer noch werden.
Auf seiner Reise macht er damals Schlagzeilen mit der Aussage: «Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass. Das Gegenteil der Liebe ist Gleichgültigkeit.» Dazu schrieb vor einigen Tagen mein Kollege Heinz Angehrn hier in seinem Blog: «Nicht gleichgültig sein heisst:
– sich einmischen, protestieren, Gegenargumente formulieren».
Genau das tut Papst Franziskus in seinem Buch immer wieder. Ich möchte dies jetzt kurz am Beispiel von Krieg und Frieden illustrieren.
Gegen den Krieg findet er, gerade auf dem aktuellen Hintergrund, deutliche Worte wie:

  • «Krieg ist Wahnsinn» (S. 41)
    Krieg entspricht nicht dem Willen Gottes. «Es gibt keinen Kriegsgott. (…) Gott ist Frieden. (S. 43)
  • «Krieg beginnt im Herzen der Menschen.» (S. 45)
    Vor allem auch der Besitz von Atomwaffen wird vom Papst verurteilt. Denn diese seien «ein Verbrechen gegen jede Möglichkeit eines Lebens in einem gemeinsamen Haus.» (S. 208)
    Eine Zwischenbemerkung: Auf der Ebene der UNO gibt es einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen. Doch der Bundesrat weigert sich standhaft, ihn zu unterzeichnen, obwohl das Parlament es vorgeschlagen hat.
    Nur noch ein Gedanke des Papstes zum Thema Frieden ein etwas ausführliches Zitat:  «Der Weg des Friedens hat seine Risiken. Aber weiter auf Waffen zu setzen, ist kein bisschen weniger riskant.
    Der Zwang zum ewigen Wettrüsten verwüstet die Seele. Er bindet gewaltige Ressourcen, die sonst zur Verfügung stünden für den Kampf gegen den Hunger, für eine gute medizinische Versorgung aller und für mehr Gerechtigkeit.» (S. 309)
    Papst Franziskus zeigt in seinem Buch, in seinem Leben und seiner Verkündigung: Der christlich-jüdische Glaube ist auch, aber keineswegs nur die Verheissung eines bessern Jenseits. Er ist auch die Einladung, in der Kraft des Geistes Gottes einen Beitrag zu leisten, damit das Reich Gottes auf unserer Erde ein Stück weit Wirklichkeit wird.
    Es gibt viel zu tun. Packen wir es an!
    Predigt im Kapuzinerkloster Schwyz, Sonntag 9. Februar 2025

Palästinensern wurde ihr Land weggenommen
(Fortsetzung der Thesen der Friedensbewegung Gush Shalom)
In ihren 80 Thesen erinnert die Bewegung daran, dass durch den Teilungsplan der UNO den Juden 55% des Landes zugeteilt wurden. «Die zionistische Bewegung akzeptierte den Teilungsplan, davon überzeugt, dass es das Wichtigste war, eine feste Basis für jüdische Souveränität zu schaffen. In geschlossenen Sitzungen hat David Ben Gurion nie seine Absicht verhehlt, bei der nächsten Gelegenheit das den Juden gegebene Land zu erweitern. Deshalb definiert Israels Unabhängigkeitserklärung nicht Israels Grenzen, und der Staat hat bis heute keine festgelegten Grenzen.» (28)
«Die arabische Welt lehnte den Teilungsplan ab und betrachtete ihn als einen nichtswürdigen Versuch der Vereinten Nationen (die damals ein Klub von westlichen und kommunistischen Staaten waren), ein Land zu teilen, das ihnen nicht gehörte. Dass man den größten Teil des Landes der jüdischen Minderheit übergab, die nur ein Drittel der Bevölkerung ausmachte, machte die Sache in arabischen Augen noch weniger entschuldbar.» (29)
Und noch etwas zur zionistischen These «Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land»: «Nicht weniger bedeutsam als die Vertreibung ist die Tatsache, dass es den Flüchtlingen nicht erlaubt war, nach den Kämpfen in ihre Häuser zurückzukehren, anders als es nach einem konventionellen Krieg üblich ist. Im Gegenteil, das neue Israel sah im Verschwinden der Araber einen grossen Segen und beeilte sich, 450 arabische Dörfer völlig zu zerstören. Auf den Ruinen wurden neue jüdische Ortschaften gebaut, denen neue hebräische Namen gegeben wurden. Die verlassenen Häuser in den Städten wurden neuen Immigranten überlassen.» (36)
Dieser Landraub geht bekanntlich durch die Siedlerbewegung Tag für Tag weiter. Bis kein Land mehr da ist, um einen palästinensischen Staat zu gründen???
PS: Nachdem ich den ersten Teil dieser Thesen zusammengefasst hatte, wurde von einem Kommentator postuliert, «sich seriös mit historischen Gegebenheiten des Konflikts auseinanderzusetzen». Was heisst: Die von einer israelischen NGO veröffentlichten Thesen seien nicht seriös … Übrigens: Federführend war Uri Avnery, Träger des Aachener Friedenspreises und des Alternativen Nobelpreises.
Der Kommentator, ein Urner Jurist, weiss es offenbar besser. Ich bin gespannt auf seinen neuen Kommentar.

Papst Franziskus geht in einer Wüste (wegen des Coronavirus-Notfalls) Via Del Corso, als er die Kirche San Marcello auf dem Corso verlässt, wo ein wundertätiges Kruzifix untergebracht ist, am 15. März 2020 in Rom, Italien. Papst Franziskus verliess am Sonntag den Vatikan, um am dritten Fastensonntag zwei wichtige Wallfahrtsorte in Rom zu besuchen, um für die Stadt und die Welt zu beten, inmitten des Ausbruchs des Coronavirus Covid © Vatican Pool/Vatican Media via Vatican Pool/Getty Images)
12. Februar 2025 | 11:16
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 4  Min.
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16 Gedanken zu „Was sagt der Papst zu Krieg und Frieden?

  • Beat Schwab sagt:

    Vielen Dank, Herr Ludin, für Ihren sachlichen Artikel ‘Was sagt der Papst zu Krieg und Frieden’.
    Offenbar ist ein Urner Jurist anderer Meinung. Ihm empfehle ich herzlich, das Buch ‘Was ist los mit Israel – die zehn Hauptmythen des Zionismus’ zu lesen.
    Geschrieben hat dieses sehr lesenswerte Buch der (jüdische) israelische Historiker Ilan Pappe. Er stellt sich im Buch den unangenehmen Fakten des seinerzeitigen Landraubes durch die jüdischen Bevölkerung, mit der gewaltsamen und blutigen Vertreibung von mehr als 700’000 palästinensischen Menschen. Deren Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht und darauf jüdische Siedlungen gebaut. Dieser Landraub wird durch die heutige Regierung und die Ultra-Konservativen im Judentum heute weiter vorangetrieben – und wurde mehrmals von der UNO verurteilt (UN-Generalsekretär António Guterres).
    Wichtig in diesem Zusammenhang: Kritik an der rechtsnationalen (extremen) Regierung von Netanjahu und den Siedlern bedeutet keinesfalls eine Kritik am Judentum und dem wunderbaren, jüdischen Glauben, welcher die Grundlage für den jüdischen Wanderprediger Jesus war und blieb. Das neue Testament wurde übrigens nicht von Christen geschrieben, sondern von Menschen, welche im jüdischen Glauben verankert waren.

    • Pia Tschupp sagt:

      KRIEG
      Es war einmal ein Krieg, der wollte einen Sieg.
      Denn er war müd’ – der Himmel nur noch trüb’.
      Er schaut sich um, blickt auch zurück.
      Und liest im Rauch: Ich werd’ verrückt.
      Kein Leben mehr. Kein Haus mehr steht.
      Was wird, wenn das so weitergeht?
      Ich such’ mir einen andern Weg.
      Den einz’gen, der mir offensteht.
      Ich öffne Herzen, Mund und Ohren
      Denn:
      Wir alle haben längst verloren.

      Und ja, die Kritik an einzelnen Köpfen der Regierung Israels und den Siedlern bedeutet keinesfalls eine Kritik am Judentum und dem wunderbaren jüdischen Glauben … und hat nichts zu tun mit Antisemitismus.

  • stadler karl sagt:

    Ich war nie der Meinung, “ich wisse alles besser”, wie Sie mir in franziskanisch-christlicher Art “demütig” unterstellen? Aber die verschiedenen Auffassungen und historischen Fachmeinungen über die Ursachen des Nahost-Konfliktes sind mir in groben Zügen bekannt. Ich habe immer nur gesagt, dass Ihre Blogbeiträge einseitig und verzerrend sind. Und dieser Meinung bin ich heute noch, auch nach Ihren ausgewählten Zitaten, ja umso mehr! Wenn Sie wirklich im Glauben sind, die Ursachen dieses komplizierten Konfliktes allein auf diese Sichtweise reduzieren zu können, ohne das Gesamte in weiteren Zusammenhängen zu betrachten, dann bedeutet dies eine sehr enge Sichtweise, die zumindest implizit die Legitimation des Staates Israel in Frage stellt!
    Die sehr israelkritische Habilitationsschrift von Dan Diner “Israel in Palästina. Über Tausch und Gewalt im Vorderen Orient” ist mir bekannt. Sie steht in meinem Bücherregal. Ebenso die Publikation von Kenneth Stein, “The land question in Palestine 1917 – 1939”. Auch die Publiktion von Benny Morris, “The birth of the Palestiniaen refugee problem 1948 – 1949”, aber auch Zusammenfassungen von Publikationen von Meir Pail, israelischer Militärhistoriker, der ebenfalls zur Frage der Nakba sich geäussert hat.
    Oder was Salah Chalaf, – einer der Drahtzieher von München – der inzwischen nicht mehr lebt, ehemaliger Sicherheitschef der Al Fatah zu diesem Problem geäussert hat: “Hintertausende entschlossen sich, ihre Heimat zu verlassen. Sie wurden in diesem Entschluss noch bestärkt durch einige Nationalkomitees, die vor allem in Jaffa von militanten Nationalisten gegründet wurden und ihnen vesicherten, dass ihr Exil bloss von kurzer Dauer sein werde, nur einige Wochen oder Monate. Diese Zeit würden die verbündeten arabischen Armeen benötigen, um die zionistischen Streitkräfte zu besiegen.”
    Ja, und es gibt noch reihenweise weitere historische Publikationen. Ich verfüge z.B. neben andern über die folgenden: Friedrich Schreiber / Michael Wolffsohn, “Nahost. Gesichte und Struktur eines Konfliktes” oder von Wolffsohn M., “Wem gehört das Heilige Land?”.
    Alles Publikationen, die die Geschichte des Staates Israel keineswegs verherrlichen und unter vielen Aspekten auch kritisch sehen. Die sich aber keinesfalls auf die Einseitigkeit und Ausschliesslichkeit Ihrer ausgewählten Zitate reduzieren lassen.
    Und warum thematisieren Sie eigentlich nicht auch einmal das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge, die im Zuge des Unabhängigkeitskrieges von Israel aus der arabisch-islamischen Welt über weiteste Strecken mit Gewalt vertrieben und ihres Hab und Gutes beraubt wurden? Zwischen 800’000 und 900’000 Menschen waren es, jedenfalls mehr als vertriebene oder geflohene Palästineser im Zusammenhang mit der Nakba.Heute gibt es in diesem Raum nur noch ganz wenige Tausend jüdische Menschen. Allerdings wurden sie nicht in Flüchtlingslager gepfercht und in der Folge politisch instrumentalisiert. Aber das alles interessiert halt hierzulande niemanden.
    Warum thematisieren Sie nicht auch einmal, dass nach dem Unabhängigkeitskrieg Israels, nachdem der Staat Israel von David Ben Gurion ausgerufen wurde, und zwar mehr oder weniger, wenn auch nicht ganz, innerhalb der Grenzen, die den Juden von der UNO zugewiesen wurden, es von den Palästinsern zwei Tage danach mit Hilfe von mehreren arabischen Armeen angegriffen wurde, und Israel wider Erwarten diesen Krieg gewinnen konnte, nicht auch den Umstand, dass das Gebiet der Westbank und Ostjerusalem vom Königreich Jordanien, trotz seiner Niederlage, völkerrechtswidrig annketiert wurde? Warum themaitiseren Sie nicht auch einmal, dass im gleichen Atemzug der heutige Gazastreifen von Ägypten, trotz Niederlage, zwar nicht annektiert, aber besetzt und beherrscht und verwaltet wurde? Da war die nationale Unabhängigkeit der Palästinser schlicht kein Thema, ein Zustand, der bis zum Jahre 1967 andauerte, als gegen Israel erneut mehrere arabische Armeen aufmarschcierten und Israel sich aus der Umklammerung militärisch retten mussste?
    Warum thematisieren Sie nicht auch einmal, dass im Vorfeld und während des Zweiten Weltkrieges grosse Teile der Palästinenser mit den Nazis kooperierten (Al Hussieni, der Grossmufti von Jerusalem besuchte Hitler gar in Berlin) und mit ihm im arabischen Raum die Vernichtung der Juden, – nicht bloss die Verhinderung einer jüdischen Heimstätte – propagierten?
    Im Übrigen ist es entgegen Ihrer Behauptung in der Geschichte keineswegs so selten, dass Flüchtlinge nach kriegerischen Ereignissen nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrfen können. Zum Beispiel die 800’000 bis 900’000 jüdischen Menchen, die im Nachgang zum Unabhängigkeitskrieg Israels aus dem arabischen Raum vertrieben wurden und nie mehr zurückkehren konnten. Oder die ca. drei Millionen Deutsche, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Tschecholslowakei, ihre damalige Heimat, unter Gewaltanwendung verlassen mussten. Deren Beispiele gäbe es noch viele. Nur ist dies nicht interessant und es spricht niemand davon, ausser von den vertriebenen Palästinern im Zuammenhang mit dem Befreiungskrieg, weil es halt eben den Staat Israel betrifft!
    . Warum eigentlich verfassen Sie immer einseitig und verzerrt Ihre Beiträge zu diesem Konfflikt, als ob Israel der Haupt- oder Alleinschuldige wäre? Es geht in keiner Weise darum, Israel in allen Teilen reinzuwaschen. Natürlich hat auch Israel schwere Fehler gemacht.
    Aber mich wundert es schon länger nicht mehr, warum, gerade auch in meiner näheren gesellschaftlichen Umgebung, der Staat Israel und die Israelis zur Hauptsache als die hauptverantwortlichen Schuldigen für diesem Konflikt angesehen werden, trotz der Tatsache, dass Israel nach wie vor von Todfeinden umgeben ist, die nur nach der Ausradierung dieses Staates streben.
    Ich halte es auch völlig abwegig, dass ausgerechnet auf einer kirchlichen Plattform, die mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, einer Kirche, die historische Mitverantwortung trägt, dass jüdische Menschen in der Diaspora nicht mehr auf das stetige Wohlwollen ihrer gesellschaftlichen Umgebung angewiesen sein möchten und daher eine eigene staatliche Sicherheitsgarantie, eine Lebensversicherng quasi, als letzten Ausweg haben möchten, immer verzerrt und einseitig Stimmung gegen den Staat Israel verbreitet wird.

  • Daniel Ric sagt:

    Ich danke Ihnen, Herr Ludin, für Ihren konsequenten Einsatz für den Frieden. Ich bin froh, dass der Papst das Kriegstreiben in der Welt kritisiert, währenddem viele Politiker und Journalisten schweigen oder sogar offen den Krieg propagieren. Mir geht es nicht darum, Partei für die eine oder die andere Seite zu ergreifen, da jeder Krieg und Konflikt verschiedene Facetten hat. Aber gerade deswegen, weil Konflikte oft nicht schwarz-weiss abgehandelt werden können, sollte man jederzeit den Frieden anstreben. Dass Zehntausende Palästinenser getötet wurden und ihr Heim verloren haben, kann niemanden kaltlassen, der sich als Christ bezeichnet. Ich bin für das Existenzrecht Israels und verstehe auch, dass Israel in einer geographisch schwierigen Konstellation ist. Trotzdem widerspricht Israels Vorgehen dem Talionsprinzip, das uns die jüdische Ethik gelehrt hat. In den letzten Monaten wurden 20 Augen für ein Auge geopfert, was übrigens auch die Kritik von sehr vielen jüdischen Mitmenschen hervorgerufen hat. Was die Position von Herrn Ludin so glaubwürdig und diejenige von Herrn Stadler so bizarr macht, ist die Tatsache, dass Herr Stadler und viele andere, die nun ein extrem differenziertes Verständnis für diesen Krieg einfordern, bei anderen Konflikten, bei dem die westlichen Interessen anders gelagert sind, entweder schweigen oder totales Schwarz-Weiss-Denken an den Tag legen. Vielleicht tue ich Herrn Stadler unrecht, aber wie sieht er den anderen Konflikt, bei dem der Papst auch immer wieder zu Frieden auffordert? Im Ukrainekrieg gibt es auch eine lange Vorgeschichte, die in den westlichen Medien ausgeklammert wird, um die Herzen der Menschen zu vergiften und auf Krieg einzustellen. Es ist extrem traurig, dass Europa wenig gelernt hat von den letzten 200 Jahren und immer noch den Hass und Krieg als Option wählt. Daher bin ich dankbar für solche Menschen wie Herrn Ludin.

    • stadler karl sagt:

      Herr Ric, über die Tragik und Grausamkeit des Gazakrieges sind sich wohl alle einig. Aber diese Tragik hat keineswegs einfach ausschliesslich Israel zu verantworten als vielmehr die angeblichen “Feiheitskämpfer” der Hamas, die aus dichtest besiedelten Gebieten, Schulen, Spitälern und Gebieten, wo die Zivilbevölkerung sehr verletztlich ist etc., heraus systematisch und gezielt militärisch operiert. Den Krieg der Bilder hat die Hamas ohnehin gewonnen. Aber es gibt wahrscheinlich nirgends auf der Welt eine Armee, die derart darauf bedacht ist, nach Möglichkeit zivile Opfer zu vermeiden wie die israelische. Nicht nur, dass die Hamas eine sehr grosse Zahl an eigenen Kombattaten als zivile Opfer ausgibt und so die “Opferzahlen” systematisch frisiert! Für die Hamas können die Israelis nicht genug Zivilisten töten und verletzen, um ihren Propagandakrieg zu gewinnen.
      Schauen Sie einmal, wie im benachbarten Syrien Krieg geführt wurde! Innert kurzer Zeit kamen dort um ein vielfaches mehr Zivilisten ums Leben als in der gesamten Geschichte des israelisch-palästinischen Konfliktes zusammen. Es liessen sich viele andere Konflikte diesbezüglich beiziehen. Das relativiert die Tragik in Gaza keineswegs, gewiss nicht. Aber es ist typisch, wie in den Medien, oder auch in weiten Teilen innerhalb der UNO, die Gaza-Tragödie bewirtschaftet wird, während die Tragik anderer Konflikte kaum einen Bruchteil an Aufmerksamkeit erlangen.
      Der Grund ist bald ausgemacht: Diese Konflikte betreffen eben nicht den Staat Israel!
      Ja, Herr Ric, zum Ukraine-Konflikt habe ich auf kath.ch auch schon Kommentare geschrieben, keineswegs geschwiegen. Und Herr Vance hat an der Sicherheitskonferenz in München dazu auch einiges gesagt, indem er einfach schwieg! Man kann aus europäischer Sicht nicht in einer fast traditionellen Haltung von Antiamerikanismus die USA für ihre Fehler beständig massregeln, sich unter dem militärischen Schutzschirm dieser Macht in Selbstgerechtigkeit sonnen, die eigene militärische Sicherheit vernachlässigen und dann erwarten, dass der Konflikt gemäss den eigenen Interessen gelöst wird.
      Schliesslich ist dieser Konflikt vor allem eine Frage der Unabhängigkeit und Sicherheit der Ukraine, aber auch der Sicherheit Europas, jedenfalls vielmehr als der Sicherheit der USA.

      • Daniel Ric sagt:

        Sehr geehrter Herr Stadler, Ihre Aussage, wonach das israelische Militär die Zivilbevölkerung schont, ist angesichts der Zehntausenden Toten Zivilisten mehr als fragwürdig. Ich würde sogar sagen, es ist moralisch verwerflich, so etwas zu schreiben. Der UNO-Menschenrechtsrat hat Israel extrem viele Male bereits vor 2023 verurteilt. Natürlich kann man die verblendete und von rechten Kreisen propagierte Meinung vertreten, dass der ganze Menschenrechtsrat samt UNO aus Israel-Hassern besteht. Wenn wir diese Verschwörungstheorie jedoch nicht glauben, sondern sie als westliches Narrativ abtun, wird klar, dass dieser Krieg zum grossen Teil auch gezielt gegen die Zivilbevölkerung geführt wird. Im Ukrainekrieg, der auch eine menschliche Tragödie darstellt, sind weniger Zivilisten umgekommen als im Gaza-Krieg. Was Ihnen Herr Ludin klarmachen möchte, ist die Tatsache, dass Narrative nicht dazu dienen dürfen, einen sinnlosen Krieg weiterzuführen. Narrative dürfen generell nicht dazu dienen, menschliches Leid zu verursachen. Wenn wir uns die letzten 30 Jahre betrachten, dann wurden viele Kriege, die aus rein geopolitischen Motiven geführt wurden, durch solche Narrative verklärt. Und man muss kein Antiamerikanist sein, um die USA als einen Staat zu benennen, der seinen Bürgern und den Bürgern seiner verbündeten Staaten Narrative verkauft hat, um Kriege zu rechtfertigen, die verheerend waren. Auch wenn ich sehr kritisch gegenüber Trump bin, finde ich eine Sache sehr positiv an ihm. Er macht klar, dass es ihm und den USA vor allem um ökonomische Interessen geht und alles Business ist. Das entzieht Menschen wie Ihnen den Boden, weiter daran zu glauben, dass es bei solchen Kriegen um Menschenrechte oder Demokratie geht.

        • stadler karl sagt:

          Herr Ric, auch Sie benehmen sich recht herablassend und bewerten offenbar den israelisch-jüdischen Standpunkt zu diesem Konflikt lediglich als billiges, herbeigeredetes Narrativ! Ja, und Sie sprechen den UNO-Menschenrechtsrat an, der seit seiner Gründung im Jahre 2005 oder 2006 mit mehr als 50% der verurteilenden Resolutionen allein den Staat Israel belegte. Da bekommt man ja Vögel! Recherchieren Sie doch endlich auch einmal, welche Staaten jeweils zu den jeweiligen Zeitpunkten in diesem Rat Einsitz und was zu den einschlägigen Zeitpunkten sonst noch jeweils, teilweise unvergleichlich Schlimmeres auf diesem Planeten abging, ohne dass es Thema in diesem Rat wurde, teilweise gar im Einflussbereich Einsitz nehmender Staaten! Nichts anderes als über weite Strecken eine sträfliche Instrumenatlisierung dieser Institution für politische Zwecke! Man muss Israel gewiss nicht freisprechen. Gewiss hat dieser Staat auch schwere Fehler begangen und Palästinernsen Unrecht angetan.
          Aber statt historisch simplifizierend die Hauptursachen für den Nah-Ost-Konflikt auf ein Thema zu reduzieren, sollten sich Christen, die beständig in unfehlbarer Benommenheit das Wort “Gerechtigkeit” im Munde führen und zu wissen glauben, was die Hauptursache für diesen Konflikt darstellt, vielleicht besser auch einmal sich grundsätzlich darauf besinnen, welche historische Mitverantwortung das Christentum an dieser ganzen Entwickung trägt und welche begünstigenden Voraussetzungen es während Jahrhunderten für das Ausbrechen der Barbarei in Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert schuf! Keineswegs ausschliesslich, aber der Nah-Ost-Konflikt hat indirekt auch mit diesem Aspekt in entfernter, aber doch auch in teilweise ursächlicher Weise etwas zu tun.
          Die Pflege des christlich-jüdischen Dialogs ist eine äusserst wertvolle und dringende Sache. Eine Vermittler- oder gar Richterrolle christlicherseits erscheint jedoch eher als problematisch!
          Ja, und Sie sprechen dem Staat Israel faktisch das Recht ab, nach dem mörderischen Überfall und Massaker seitens der Hamas alles dafür zu tun, um die verschleppten und festgehaltenen Geiseln zu befreien. Sie glauben im Ernst, solange die Hamas ihre eigene Bevölkerung kriegsverbrecherisch als Schutzschild benutzt, müsste Israel einfach stillhalten und sich alles bieten lassen? Wer hätte es denn in der Hand gehabt, die Zivilbevölkerung zu verschonen und die Geiseln sofort wieder freizulassen? Eine solche humane Vorgehensweise passte leider kaum in die Propagandastrategie dieser “Freiheitskämpfer”!
          Für diesmal mag ich nicht mehr weiter Stellung beziehen zu diesem Thema. Meine Meinung entspricht offenbar ohnehin nicht der christlichen Maxime in Matth. 5,39.

          • Daniel Ric sagt:

            Sehr geehrter Herr Stadler, nur weil ich Ihre Position kritisiere, bedeutet dies nicht, dass ich herablassend bin. Man muss doch in der so offenen Gesellschaft, die Sie glühend befürworten, das Recht haben, die Position des Gegenübers zu kritisieren, ohne dass man dies gleich als persönlichen Angriff empfindet. Zu Ihren Aussagen: Auch wenn Sie den Menschenrechtsrat kritisieren, so ist es doch vermessen zu glauben, dass alle Verurteilungen auf rein politischen Motiven basieren. Es gibt ja so viele Menschen, ganz unabhängig von ihrer Religion und Herkunft, die Israels Politik in den letzten Jahrzehnten kritisiert haben. All diesen Menschen unredliche Motive zu unterstellen, stellt für mich das Unvermögen dar, sich mit sachlichen Argumenten auseinanderzusetzen. Und ja, ich spreche nicht nur Israel, sondern jedem Staat das Recht ab, ALLES zu tun, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Denn wenn man diesen Gedanken konsequent zu Ende denkt, dann wird es nie Frieden auf dieser Welt geben, da jede Nation immer wieder zu Gewalt greifen wird, sobald sie die Chance dazu hat. Hier liegt das ganze Problem der Moderne, die einen unendlichen Fanatismus hervorgebracht hat. Denken wir nur an den ersten Weltkrieg, bei dem Nationen unsinnigerweise einen Krieg weitergeführt haben, bei dem es keinen Sieger geben konnte. Anstatt dem Christentum vorzuwerfen, nicht tauglich für Vermittlungsversuche zu sein, sollten Sie sich überlegen, inwiefern Ihr Denken nicht tauglich für Frieden ist.

  • Ich bin dankbar, dass unser lieber Karl auch die “andere” Seite zeigt. So muss ich es nicht tun.
    Aber: Die Hauptursache des Terrors gegen Israel (andere würden sagen, das “Freiheitskampfes” ist bestimmt der Landraub durch die Siedler, der Tag für Tag weitergeht. Er zieht buchstäblich den Palästinensern den Boden unter den Füssen weg.
    Übrigens: Wer war Willhelm Tell? Für uns “selbstverständlich” ein Freiheitskämpfer; für die Österreicher und Terrorist und Mörder (vgl. Gesslers Tod…). Es kommt immer auf den Standpunkt an …..

    • stadler karl sagt:

      Warum wurde meine Antwort von heute Vormittag auf diesen Kommentar gelöscht? Ich bin mit diesem Kommentar in keiner Weise einverstanden. Die Hauptursache dieses Terrors gegen Israel ist gewiss nicht der “Landraub” durch Israel! Das ist billige Geschichtsklitterung!

  • Ich finde die Theorie des Friedensforschers Franz Jedlicka interessant, dass bereits die Gesetzgebung innerhalb eines Landes (erlaubt sie z.B. Gewalt gegen Kinder und Frauen) Einfluss auf dessen Friedlichkeit hat. Er nennt es den “Legislation-Peace Nexus”. Er verweist in seinen Artikeln (vor allem auf LinkedIn) auch darauf, dass eben die meisten EU Länder ALLE Formen von Gewalt verboten haben (und auch deshalb zu einem friedlichen Staatenbund geworden sind).

    LG Irene

  • Nein, Herr Ludin, die Hauptsache des Terrors gegen Israel ist nicht ausschliesslich der “Landraub”. Diesezüglich widersprechen namhaften israelischen Histroikern, die diese These vertreten, andere israelische Historiker vehement, die diesbezüglich keineswegs in empirische Schwierigkeiten geraten. So einfach liegen die Dinge eben gerade nicht. Die einwandernden Juden damals kamen nicht einfach und raubten den Palästinensern ihr Land. Die Ländereien wurden immer legal gekauft, gemäss damals geltendem Recht, obwohl diese Situation zugegebenermassen Konfliktpotential in sich barg für die Zukunft. Zwar ist die spätere Siedlungspolitik in der Westbank nicht völkerrechtskonform, da zweifle ich auch nicht daran und ein schwerer Fehler Israels. Aber dieses Problem ist erheblich jünger als der Terror und Vernichtungswille gegen Israel. Im übrigen hat Israel mehrmals gegenüber den Palästinensern die Hand ausgestreckt, um ihnen eine eigene Staatsgründung zu ermöglichen. Nach Oslo zeigte sich Israel sehr wohl und offiziell bereit für eine Staatsgründung seitens der Palästinenser. Mehr als 95% des Landes ausserhalb Israels war es bereit gewesen, abzutreten. Damals gab es in der Westbank bloss einige Hundert Siedler, kein Vergleich mit heute. Und ebenso das gleiche Szenario nach Camp David, unter Ehud Barak. Die Antwort der Palästinenser war jeweils blanker Terror! Dieser Terror ist keineswegs das Resultat der Politik Netanjahus und seiner rechtsextremen Minister, auch wenn diese nationalreligiösen Rechtsaussenpolitiker ein biblisches Grosssisrael anstreben.
    Ariel Sharon, ein konservativer Politiker des Likud, liess 2005 im Gazastreifen teilweise gewaltsam die israelischen Siedlungen räumen, gegen erheblichen innenpolitischen Widerstand. Israel zog sich völlig aus Gaza zurück. Zwei bis drei Jahre später, nachdem die Hamas das Ruder übernommen hatte, begann der stetige Raketenterror und terroritischen Aktionen von Gaza aus. Erst in der Folge begann die Abschnürung von Gaza.
    Nicht auszuzdenken, was passieren würde, wenn Israel Knall auf Fall die Westbank militärisch räumen würde!
    Israel wurde zur Zeit seiner Staatsgründung auf dem von einer UNO-Resolution abgesegneten Land, als ebenso den Palästinensern Land für eine eigene Staatsgründung zur Verfügung gestanden hat, postwendend von Teilen der Palästinenser und mehreren mächtigen arabischen Armeen angegriffen. Es war seither immer von Todfeinden umgeben, über erhebliche Teile auch bei den Palästinensern wie in der übrigen arabisch-islamischen Welt. Um nichts in der Welt wollte man ein jüdisches Staatsgebilde dulden. Und es wird auch heute noch von mächtigen und einflussreichen Todfeinden umgeben, die alles daran setzen, den jüdischen Staat auszuradieren. Wer dies ausblendet, betreibt Geschichtsklitterung!

  • Michael Bamberger sagt:

    Die Hauptursache des Terrors gegen Israel liegt an der fundamentalistischen Ideologie “from the river to the sea”. Islamistische Gruppen wie die Hamas und der Islamische Dschihad betrachten Israel als illegitime Besatzungsmacht und lehnen dessen Existenz ab. Diese Gruppen rechtfertigen Gewalt als Mittel des “Widerstands”, bzw. der “Befreiung”.

    Brandbeschleuniger bilden dabei Staaten wie der Iran und Organisationen wie die Hisbollah, welche terroristische Gruppen mit finanziellen Mitteln, Waffen und Ausbildung unterstützen, um Israel zu destabilisieren.

  • stadler karl sagt:

    Es ist geradezu typisch, dass in diesem Blog versucht wird, als Hauptursache des Terrors gegen Israel den angeblichen “Landraub” durch die Juden darzustellen. Die damaligen Juden der ersten Einwanderungswelle, aber auch später, kamen keineswegs einfach ins Land und “raubten” den Einheimischen ihr Land. Diese Ländereien wurden gemäss damals geltendem Recht immer gekauft, was sich anfänglich als relativ unproblematisch erwies, später jedoch je länger je mehr auch Konfliktpotential in sich barg. Unter dem englischen Protektorat, nachdem die Osmanen sich zurückziehen mussten, waren weder die Palästinenser noch die Juden glücklich und beide Seiten fühlten sich betrogen.
    Als jedoch Palästina mit dem Segen der UNO faktisch geteilt wurde und die Juden zähneknirschend auf dem ihnen durch die UNO zugeteilten Land 1948 ihren Staat ausriefen, wurden sie postwendend von den Palästinensern mit Hilfe der mächtigen Armeen mehrerer arabischer Staaten angegriffen mit dem Ziel, den frisch geborenen jüdischen Staat zu zerstören und die Juden zu verjagen. Damals wider Erwarten vermochten die Israelis militärisch zu bestehen und die Folge war, dass sie das ihnen zugesprochene Land behalten konnten, auch teilweise etwas dazu gewannen, während die Westbank und Ostjerusalem durch das Königreich Jordanien kurzerhand annektiert und der Gazastreifen durch Ägypten verwaltet und beherrscht wurde. Diese beiden arabischen Staaten taten also nichts im Sinne der UNO, einen palästinensichen Staat in diesen beiden Gebieten zu ermöglichen. Das blieb so bis zum Sechstage-Krieg 1967, als Israel erneut sich von arabischen Armeen und den Palästinensern militärisch eingekreist sah. Das Siedlerproblem in der Westbank gab es damals schlicht noch nicht. Es ging einzig darum, den jüdischen Staat zu zerstören. In den Osloer Abkommen und später noch einmal in Camp David II war Israel bereit, über 95% der im Sechs-Tage-Krieg eroberten Gebiete, also in Gaza und der Westbank, entgegen dem Widerstand rechter israelischer Gruppen, gegenüber den Palästinern für eine Selbstverwaltung abzutreten, dies im Hinblick auf eine eigene Staatsgründung. Damals war das Westjordanland nur mit einigen Hundert Siedlern besiedelt, als kaum ein Problem wie heute. Doch massivster Terror seitens der Palästinenser war die Antwort. Für sie durfte es in dieser Gegend keinen Judenstaat geben.
    2005 liess Ariel Sharon gegen massiven innenpolitischen Widerstand den Gaza-Streifen von israelischen Siedlern räumen, teilweise unter Einsetzung von Gewalt gegen israelische Siedler. Gut zwei Jahre später begannen aus Gaza der Raketenterror und weitere terroristische Aktionen gegen Israel. Die Hisbollah im Norden, die Hamas aus Gaza und ein nicht unwesentlicher Teil der palästinenischen Bevölkerung lehnte die Existenz eines Staates Israel auch fortan immer ab, mit Unterstützung grosser Teile der arabisch-islamischen Bevölkerungen in den arabischen Staaten, aber auch mit tatkräftiger Unterstützung seitens des schiitischen Iran.
    Diese Todfeinde Israels setzen auch heute noch alles daran, den jüdischen Staat Israel auszuradieren und gegen ihn anzukämpfen. Und mit der Migration tragen sie diesen Konflikt und diese Zielsetzung, der auch in allgemeinem Judenhass besteht, konsequent auch nach Europa. Eine Reduzierung der Hauptursachen dieses Konflilkes auf den “Landraub” seitens der Juden stellt nichts weniger als eine geschichtsklitternde Verkürzung der Sache dar.

  • Pia Tschupp sagt:

    Am 13.Februar geben Sie, Herr Stadler, uns einen (wohl nur kleinen) Einblick in Ihre beachtenswerte Bibliothek. Aus aktuellem Anlass frage ich mich, wie viele Ihrer Titel einer Razzia der israelischen Polizei standhalten würden.
    Vorletzten Sonntag sind in Ost Jerusalem sackweise Bücher abtransportiert worden aus dem renommierten Educational Bookshop. Als direkt Betroffene habe ich gehofft, dass die wehende Palästina-Flagge auf der Seite 68 nicht entdeckt, das Logo auf meiner Weste Seite 39 nicht erkannt wird und die vielen Fotos von israelischen Soldaten im Dienst nicht gesehen werden.
    Macht sich jemand, der Bücher schreibt oder verkauft, strafbar?
    Nun hat die israelische Zeitung Haaretz berichtet, dass die beiden festgenommenen Buchhändler entlassen worden sind. Rund 130 Bücher sind zurückgegeben und vier konfisziert worden. Meines (auf Arabisch) ist nicht dabei.

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