Heinz Angehrn

Trilogie, zum Quadrat geformt

Ich bin weg- und umgezogen, ich bin angekommen am Ort der Freiheit. Gönnen Sie mir darum meine Freude, gönnen Sie es mir, durch zu schnaufen. Ich öffne hier nun bewusst die Kommentarfunktion, um nun den Tadel zur Trilogie entgegen zu nehmen. Ich darf Ihnen aber mitteilen, glücklich zu sein, ab sofort niemanden mehr mit Unbehagen duzen zu müssen, keine billigen Kompromisse um der Kumpanei willen einzugehen und nie mehr auf eine Reise zu gehen, die meinem Wesen nicht zu mindestens 80% entspricht (lieber reisen wir dann allein, wir kennen die Ginsterbüsche und die feuchten Platten des Burren – so geschieht dies nämlich vom 23.08. bis zum 14.09. – davon wird dann hier ab September berichtet).

Doch ist nun ein Letztes zu berichten, was den Ruf endgültig ruiniert und ramponiert. Und das dies keine wilde Erfindung meiner Phantasie ist, dafür gibt es über dreissig Zeugen, die dies am letzten Freitagabend live miterlebten. Ich habe die beiden unnötigsten Dinge meiner bisherigen Existenz entsorgt:
a) die Sim-Karte meines Blödgeräts (Smartphone)
b) den Codex iuris canonici
Die erste ruht nun in der Schlucht des Orino, der zweite im Altpapier.

Promessa servanda sunt. Salve!

Mein Umgang mit dem Codex bedarf nun natürlich der seriösen theologischen Begründung. Ich bin in den 43 Jahren meines Theologisierens und den 37 Jahren der Arbeit im kirchlichen Dienst zur festen Überzeugung gelangt, dass es in der katholischen Lebens- und Leseart des Christentums wohl keine grössere Häresie (sprich keinen grösseren Abfall vom Ursprung, sprich vom Willen des Religionsgründers) gibt als dieses monströse Regelwerk, das neben einigen durchaus praktischen Anweisungen zu Organisationsfragen alles mögliche, sowohl Ethisch-Moralisches (wie, was ein Ehe ist und wann sie gar nicht zustande gekommen ist) wie Kultisches (wie, mit welchem Mehl die Eucharistie gültig gefeiert werden kann), pingelig und mit Sanktionsdrohungen verbunden regelt. Dies ist ein derart eklatantes Missachten des jesuanischen Grundsatzes, dass Regeln und Gesetze für die Menschen da sind und ihnen zu dienen haben und nicht umgekehrt, dass die Benutzung des harten Vorwurfs der Häresie gerechtfertigt erscheint.

Doch diese meine Position ist eine absolute Minderheitshaltung und steht auf verlorenem Posten. Nichts zeigt dies besser als das Faktum, dass sowohl linksliberale (ein Ex-Kollege in der SKZ etwa) wie rechtsaussen stehende Kirchenrechtler mit Inbrunst und fast Zorneseifer auf meinen Vorwurf reagieren. Aber ich greife Euch nicht ad personam an, liebe Herren, sondern ad rem…

 

Tagnugna
15. August 2018 | 06:00
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
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4 Gedanken zu „Trilogie, zum Quadrat geformt

  • Karl Stadler sagt:

    Es ist zu hoffen, dass Sie als Blogger, trotz Ihres Eintritts in den Status eines Resignaten, weiterhin erhalten bleiben. Denn es erweist sich immer als wohltuend, interessante Argumente zu finden, denen man, zumindest nicht auf Anhieb, beizupflichten vermag. Mit Ihnen lässt sich immer gut streiten. Das ist ein Geschenk! Denn vom Streit lebt der Geist.
    Den CIC hätte ich, wenn ich Kleriker wäre, nicht einfach entsorgt, selbst wenn wahrscheinlich gewiss viele darin enthaltene Bestimmungen, gemessen an praktischen Entscheidunssituationen im alltäglichen kirchlichen Leben, eher nutzlos oder gar schädlich erscheinen mögen.
    Aber Herr Angehrn, wahrscheinlich betrifft das nicht allein den formalen CIC. Ihre Kritik problematisiert vielleicht auch die Sittenlehre nicht nur der Kirche, sondern ethische Richtlinien von Religionen überhaupt.
    Es ist rational nur schwer nachvollziehbar, wenn Geltungsbegründungen moralischer Vorschriften mit logischen Wahrheitsansprüchen zu stützen versucht werden, und innerhalb einer Zeitspanne von weniger als einem Menschenalter, von nur wenigen Jahrzehnten, werden manche dieser Vorschriften quasi auf den Kopf gestellt. Das ist nicht nur kaum nachvollziehbar, das ist schlicht skandalös und spottet jeglicher menschlicher Würde, insbesondere, wenn solches mittels institutioneller Instrumentarien religiöser oder iuristischer Natur geschieht.
    Anderseits erscheinen gewisse Regelungen, ob eine Ehe gültig zustande gekommen ist, nicht zum vorneherein abwägig. Ich meine, mich zu erinnern, dass sich derartige Regelungen bereits im CIC, also nicht in dem von Ihnen kritisierten, sondern im altrömischen Codex iuris civilis, fanden. Es ging bereits dort um Themen wie “De inutilibus nuptiis”, was in der altrömischen Bürgergesellschaft durchaus praktische Bedeutung haben konnte.
    Aber sicher haben Sie recht, dass allzu formalistische legalistische Haltungen den Menschen kaum dienlich sind. Das Normative stellt kaum einen Zweck an sich dar, sondern lediglich ein Mittel für die Ermöglichung sinnvollen menschlichen Zusammenlebens, um es in der Redeweise von Kant auszudrücken.
    Aber zum ersten und wichtigsten Punkt: Sie werfen Ihre Sim-Karte oder gar das Smartphone nicht in die Orino-Schlucht!!! Es gibt andere Formen, Frust Ausdruck zu verleihen. Vermutlich hat es bereits jetzt schon zu viel Plastikplunder im Brenno. Es reicht, wenn man die eigenen Jugendlichen immer anhalten muss, von Littering abzusehen.

  • Stadler Karl sagt:

    Nein, Unsinn habe ich geschrieben. Natürlich heisst die römische Rechtssammlung, zusammengefasst unter Justinian, “Corpus iuris civilis” und nicht “Codex…

  • Karl Stadler sagt:

    Nein, natürlich ist es weit zu kurz gegriffen, wenn ich geschrieben habe, das Normative sei kein Zweck an sich, sondern lediglich ein Mittel zur Ermöglichung zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Kant hätte es gewiss nicht in dieser eingeengten, anthropozentrischen Bedeutung verstanden. Auch nicht den kategorischen Imperativ. Der Meister aus Königsberg kannte bekanntlich die “Pensées…” von Pascal sehr wohl. Dieser schrieb in einem seiner Fragmente: “Weder weiss ich, wer mich ins Dasein gesetzt hat, noch, was die Welt ist, noch, was ich selber bin, abgesehen davon, dass ich eben da bin, in irgendeinem Winkel des Universums, ohne zu wissen, woher und wohin, warum gerade hier und jetzt….”
    Kant schätzte Blaise Pascal sehr. Bereits aufgrund dieser skeptischen Wertung menschlichen Daseins durch Pascal erschiene es wahrscheinlich voreilig, im Normativen ausschliesslich ein Mittel für die Ermöglichung menschlichen Zusammenlebens zu sehen. Angesichts des Problems der Kontingenzbewältigung, die Pascal in diesem Fragment anspricht und die eigentlich sehr existentialistisch anmutet, kann der Sinn der Normativität immer auch in Rückbezug auf das Aussermenschliche, die Natur und den Kosmos, verstanden werden. Das Normative hat also nicht ausschliesslech dem Menschen zu dienen, sondern besitzt immer auch einen Bezug zur gesamten Umwelt, und zwar unbesehen der Tatsache, dass diese unsere Lebensgrundlage darstellt. Vielleicht liesse sich das Phänomen des Normativen als institutionelle Tatsache auch so deuten. Vielleicht würde da nicht nur der Nazarener, sondern gar auch mancher Positivist zustimmen.

  • Karl Stadler sagt:

    Ich glaube, ich muss mich bei Herrn Angehrn entschuldigen. Ich habe ihm sicher keine Anweisungen oder Ratschäge zu erteilen. Wenn man sich seine Blogs in ihrer Gesamtheit vor Augen führt, dann ist es eigentlich auf Anhieb klar, dass die verbale Willensbekundung, die Sim- Karte in die Orino-Schlucht zu schmeissen, nur eine Unmutsbekundung mit metaphorischem Gehalt ist, was ich Einfaltspinsel gestern nicht geschnallt habe.

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