Ich bin weg- und umgezogen, ich bin angekommen am Ort der Freiheit. Gönnen Sie mir darum meine Freude, gönnen Sie es mir, durch zu schnaufen. Ich öffne hier nun bewusst die Kommentarfunktion, um nun den Tadel zur Trilogie entgegen zu nehmen. Ich darf Ihnen aber mitteilen, glücklich zu sein, ab sofort niemanden mehr mit Unbehagen duzen zu müssen, keine billigen Kompromisse um der Kumpanei willen einzugehen und nie mehr auf eine Reise zu gehen, die meinem Wesen nicht zu mindestens 80% entspricht (lieber reisen wir dann allein, wir kennen die Ginsterbüsche und die feuchten Platten des Burren – so geschieht dies nämlich vom 23.08. bis zum 14.09. – davon wird dann hier ab September berichtet).
Doch ist nun ein Letztes zu berichten, was den Ruf endgültig ruiniert und ramponiert. Und das dies keine wilde Erfindung meiner Phantasie ist, dafür gibt es über dreissig Zeugen, die dies am letzten Freitagabend live miterlebten. Ich habe die beiden unnötigsten Dinge meiner bisherigen Existenz entsorgt:
a) die Sim-Karte meines Blödgeräts (Smartphone)
b) den Codex iuris canonici
Die erste ruht nun in der Schlucht des Orino, der zweite im Altpapier.
Promessa servanda sunt. Salve!
Mein Umgang mit dem Codex bedarf nun natürlich der seriösen theologischen Begründung. Ich bin in den 43 Jahren meines Theologisierens und den 37 Jahren der Arbeit im kirchlichen Dienst zur festen Überzeugung gelangt, dass es in der katholischen Lebens- und Leseart des Christentums wohl keine grössere Häresie (sprich keinen grösseren Abfall vom Ursprung, sprich vom Willen des Religionsgründers) gibt als dieses monströse Regelwerk, das neben einigen durchaus praktischen Anweisungen zu Organisationsfragen alles mögliche, sowohl Ethisch-Moralisches (wie, was ein Ehe ist und wann sie gar nicht zustande gekommen ist) wie Kultisches (wie, mit welchem Mehl die Eucharistie gültig gefeiert werden kann), pingelig und mit Sanktionsdrohungen verbunden regelt. Dies ist ein derart eklatantes Missachten des jesuanischen Grundsatzes, dass Regeln und Gesetze für die Menschen da sind und ihnen zu dienen haben und nicht umgekehrt, dass die Benutzung des harten Vorwurfs der Häresie gerechtfertigt erscheint.
Doch diese meine Position ist eine absolute Minderheitshaltung und steht auf verlorenem Posten. Nichts zeigt dies besser als das Faktum, dass sowohl linksliberale (ein Ex-Kollege in der SKZ etwa) wie rechtsaussen stehende Kirchenrechtler mit Inbrunst und fast Zorneseifer auf meinen Vorwurf reagieren. Aber ich greife Euch nicht ad personam an, liebe Herren, sondern ad rem…
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant