Walter Ludin

Steht Jesus «persönlich» am Altar?

Logik entlarvt konservative Theologie.

Dürfen Priester kommunizieren?

Weihbischof Marian Eleganti hat wieder einmal zugeschlagen und ein höchst klerikales Priesterbild verteidigt. (Für mich ist er übrigens immer noch «der Eugenio»; wir waren vor über 40 Jahren im Rahmen des Kinderhilfswerk «Aktion im Dienste des Bruders» engagiert, er als Einsiedler Student, ich als Pressechef).

Es trifft sich, dass gerade heute eine Bekannte von mir von einem Streitgespräch mit ihm erzählt. Er habe auf der These bestanden, der Priester feiere die Eucharistie «in persona Christi». (Nochmal übrigens: Als ich vor Jahren im Auftrag der Tagsatzung eine Broschüre über «priesterlose Abendmahlsfeiern» texte, wollte mich der Bischofsvikar eines inzwischen zur vatikanischen Eminenz aufgestiegenen Bischofs zwingen, diesen Begriff einzubauen. Ich weigerte mich …)

Zurück zum Gespräch mit der Churer/Zürcher Exzellenz. Meine Bekannte schlussfolgerte haarscharf: Wenn Sie als Priester Jesus «persönlich» verkörpern, dann verzichten Sie bestimmt zu kommunizieren ….

PS: Zu den eingangs erwähnten super-klerikalen Thesen vgl. Martin Werlens Gegenposition:

https://www.kath.ch/newsd/das-amt-in-der-kirche-ist-ein-dienst-und-nicht-ein-aufstieg/

 

Bereit für die Messe, mit «Jesus als Zelebranten»? © Walter Ludin 2019
6. August 2019 | 19:15
von Walter Ludin
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0 thoughts on “Steht Jesus “persönlich” am Altar?

  • “Die Kirche der Zukunft wird gewiss auch neue Formen des Amtes kennen und bewährten Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen.” So schrieb bereits 1970 (!) in Theologe in seinem Beitrag “Wie wird die Kirche im Jahr 2000 aussehen?” Heute sind wir bereits im Jahr 2019 – und der Autor ist bereits emeritierter Papst!!!!
    Weihbischof Eleganti aber bezeichnet die damals von Prof. Ratzinger geäusserte Idee als Zerstörung des Priesteramtes …..

  • Roland Xander says:

    Die Erwartungen von der Amazonas-Synode im Herbst sind in diesem Zusammenhang sehr, sehr groß. Diakoninnen und Viri probati werden vielerorts erwartet, was aber, wenn das nicht der Fall sein sollte. Es wäre ein Trauerspiel und würde die katholische Kirche um Jahrzehnte zurückwerfen, dann hilft wirklich nur noch beten. Und auch Papst Franziskus würde nicht unbeschadet aus dieser Sache herauskommen. Aber hoffen wir wider alle Hoffnung!!

  • stadler Karl says:

    Wird da der Ausdruck “in persona Christi” wirklich der Intention von Bischof Eleganti entsprechend wiedergegeben? Meines Wissens kommt dieser Ausdruck auch bei den Lutheranern vor. Vermutlich hat der angegriffene Bischof nicht im Entferntesten damit gemeint, der Priester verkörpere am Altar Christus höchstpersönlich. Eine solche Auffasssung habe ich auch noch nie gehört oder gelesen. Wahrscheinlich meint er damit eher, dass mit dem sakramentalen Vollzug letztlich nicht der Mensch, ein Priester, handelt, sondern durch diesen Christus selber, also die Konstruktion einer Form von Stellvertretung, wie sie auch in andern Zusammenhängen anzutreffen ist. Wer dieser Auffassung anhängt, braucht deswegen doch noch lange nicht einer klerikalistischen Amtsauffassung verfallen zu sein.
    Anlass zu fundamentaler Kritik gegenüber der Kirche könnten vielmehr andere Entwicklungen geben: Sie weisen auf einen Beitrag von Martin Werlen hin, der sich dort über das Rollenverständnis der priesterlichen Funktion äussert. Dessen Unterscheidung zwischen “Tradition” und “Traditionen” wirft auch für einen Aussenstehenden gewisse Fragen auf. Dass das priesterliche Amtsverständnis in erster Linie als Dienst und nicht ausschliesslich als hierarchische Weisungsbefugnis verstanden wird, darin unterscheiden sich wahrscheinlich die Progressiven und Konservativen nicht so sehr. Ratzinger erblickte im Priesteramt geradezu standardmässsig immer einen Dienst, nicht nur an Gott, sondern auch an den Menschen. Auch als Papst deklarierte er sich als “einfacher Arbeiter” im Weinberg des Herrn. Bloss: All diese formalen Begriffe und Funktionsumschreibungen treiben die Menschen in den Kirchenbänken im Alltag wahrscheinlich kaum um. Was jedoch zu denken gibt, ist diese begriffliche Unterscheidung zwischen “Tradition” und “Traditionen”. Allein der Hinweis, bei Traditionen handle es sich um eher zufällig historisch-kulturell gewachsene Formen der Religions- und Amtsausübung, während unter Tradition das Substantielle, das Wesentliche, das sich in der Treue zu Christus zeigt und Geltung über historisch-kulturelle Epochen hinweg beanspruchen kann, zu verstehen sei, vermag den einfachen Menschen kaum zu überzeugen, und ihm wahrscheinlich auch nicht Orientirung zu vermitteln.
    Nehmen wir nur eines von vielen Beispielen, die kirchliche Sexualmoral: Darf die Kirche während Jahrhunderten, wenn nicht während Jahrtausenden, den Menschen bestimmte Lebensformen, welche auch den innersten und tiefsten Bereich der menschlichen Persönlichkeit beschlagen, in normativer Anmassung als richtig oder falsch verkünden, sie quasi zu göttlichen und naturgegebenen “Wahrheiten” erklären oder anderseits zu verdammen, und ganz allgemein immer wieder durch Instrumentalisierung von Schuldgefühlen Einfluss auf die Menschen zu nehmen versuchen? Und kaum ändern sich die mores im säkularen gesellschaftlichen Umfeld, übt man sich in hermeneutischen Turnübungen und erklärt kurzerhand gewisse einengende, wenn nicht gar diskriminierende normative Vorgaben zu kontingenten “Traditionen”, die aus dem authentischen Quellenmaterial nicht abzuleiten sind?
    Wenn man sich vor Augen hält, wieviel Leid und seelische Belastung die Institution Kirche mit deratigem Lehr- und Machtverhalten verursacht hat, aber auch wieviel Orientierungslosigkeit mit solch relativ abruptem Abweichen von bisherigen “Wahrheiten” bei manchen Menschen ausgelöst wird, dann kommt einem die Unterscheidung zwischen “Tradition” und “Traditionen” fast als eine Immunisierungsstrategie gegen Kritik vor, die sich gegen die Einmischung der Kirche in die ethisch-moralischen Überzeugungen der Menschen richtet.

  • Ich hoffe die Kirche wird nicht um Jahrzehnte sondern um Jahrhunderte zurückgeworfen. Es hat sich gezeigt, dass die Reformen nach dem Vatik. Konzil II die Kirche zerstört haben. Bin froh über die Wiederherstellung des Tridentinischen Rites durch den em. Papst Benedikt XVI. “Back to the roots”…

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