Soldatenfriedhof  ©Walter Ludin
Walter Ludin

Statt «Aufrüstungswahn» gewaltfreier Widerstand

«Pax Christi Deutschland fordert ein Ende von Säbelrasseln und Aufrüstung: Es brauche gewaltfreie Lösungen für die aktuellen Konflikte.» So war kürzlich zu lesen. Und ich höre schon die Wiederrede: «Naiv, weltfremd, unrealistisch!» Wirklich?
Ich fand in den letzten Wochen etliche Statistiken dazu. Zum Beispiel. «34 Prozent aller gewaltfreien Widerstandsbewegungen in den letzten 15 Jahren haben erfolgreich einen Umbruch des Status Quo bewirkt. Demgegenüber stehen nur 9 Prozent Erfolgsquote bei bewaffnetem Widerstand.»
Reine Behauptungen? Weil wir uns so etwas nicht vorstellen können, weil in unseren Köpfen nur Armeen «Frieden schaffen» können? Zurück zu Pax Christi. Kürzlich veröffentlichte die christliche Friedensaktion «gewaltfrei wirkt» einen zehn Seiten umfassenden Überblick über gewaltlose Aktionen der letzten 100 Jahre. Sehr lesenswert:
https://www.paxchristi.de/artikel/view/5780189921411072/Neuauflage:%20Erfolge%20der%20Gewaltfreiheithttps://www.paxchristi.de/artikel/view/5780189921411072/Neuauflage:%20Erfolge%20der%20Gewaltfreiheit
(oder googeln: news pax christi).
Wir erinnern uns: In den 1980er-Jahren, im Zusammenhang mit der «Nachrüstung» gingen in Europa und in den USA Hunderttausende auf die Strassen, um gegen die Rüstung zu demonstrieren. Übrigens: Eine dieser Demos fand in Rom statt, zur Zeit einer Bischofssynode. Teilnehmer: rund eine Million! In der kommunistischen Zeitung Unita stand der Titel: «An der Spitze: Gewerkschafter und Ordensleute.» Ich war auch dabei ….
Und heute: Es gibt ganz wenige Stimmen für aktive (!!) gewaltfreie Methoden von Konfliktlösungen; ausser Pax Christi beispielsweise die ehemalige Landesbischöfin Margot Kässmann – die massiv angefeindet wird! Im Vordergrund steht heute eine «Aufrüstungshysterie». Entgegen allen Tatsachen. So heisst es beispielsweise in der Zeitschrift Publik-Forum, die Militärausgaben Russlands lägen – nach einer Welle der Aufrüstung nur bei 140 Milliarden Dollar. Die Ausgaben der EU-Staaten lägen weit darüber. Bei 313 Milliarden; jene der Nato sogar bei 1341 Milliarden, also ungefähr zehn Mal mehr.
Trotzdem werden zusätzlich Hunderte von Milliarden in die Rüstung gesteckt. Mit der Behauptung, Russland könnte den «Westen» überfallen. Der auch in der Schweiz bekannte Publizist Andreas Zumach urteilt realistischer: «Die Vorstellung, dass Russland die gesamte Ukraine besetzen könnte, ist grotesk. Dieses riesige Land zu besetzen und die Bevölkerung zu kontrollieren ist für Russland undenkbar. Ganz zu schweigen von der Vorstellung, Russland könnte danach noch Polen und Deutschland überfallen. Solche Szenarien sind völlig unseriöser Unfug.»
Harte Worte – eines Experten, der seit Jahrzehnten die politische Situation in Europa genau analysiert. Ja, ich sage mir auch: Wenn Russland nach mehr als drei Jahren nicht fähig ist, auch nur einen grossen Teil der Ukraine zu kontrollieren, wie sollte Putin eines unschönen Tages vor unseren Landesgrenzen stehen? Trotzdem macht auch die Schweiz zusätzliche Milliarden für die Rüstung locker; zum Schaden von Bildung, Sozialem und Solidarität mit dem globalen Süden.

Soldatenfriedhof ©Walter Ludin
30. Juli 2025 | 09:51
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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12 Gedanken zu „Statt “Aufrüstungswahn” gewaltfreier Widerstand

  • Pfr. Ivan Machuzhak sagt:

    Was wäre denn Ihr Vorschlag? Sollen wir warten, bis Russland die Rüstung so hochgefahren hat, um Nato anzugreifen? Sollen wir warten, bis die Ukraine so ausgeblutet ist, bis die Russen kommen und das Land einnehmen? Wollen wir uns selbst in einer Sicherheit wiegen, wie sind nicht die nächsten, die von Russland angegriffen werden? Sollen wir den Ukrainern, den Polen den Deutschen etc. versichern – ihr seid näher, also rüstet euch aus?
    Ich bin für den Frieden voll und ganz. Meine Mitmenschen: Mitchristen, Landsleute – sie wünschen sich auch Frieden sehnlichst.
    Haben Sie einen Vorschlag, um diesen Frieden zu erreichen? Welchen? Nicht Aufrüsten, sondern sich ergeben?

  • Wenn Sie meinen Beitrag aufmerksam und mit kühlem Kopf gelesen hätten, hätten Sie eine Alternative gefunden: die aktive (!!) gewaltfreie Verteidigung, die in diesen Tagen gerade auch von Papst Leo XIV. mehrmals empfohlen wurde. Sie bräuchte allerdings eine jahrelange Vorbereitung. Das Brisante: Vor Jahren hat sich ausgerechnet die Bevölkerung der Ukraine dafür ausgesprochen. Selenski u.a. haben einen andern Weg gewählt, der zwar keinen Sieg, aber 100 000-fachen Tod und milliardenschwere Zerstörung gebracht – für deren Behebung hauptsächlich wir im Westen aufkommen müssen ….

    • Ivan Pfr. Machuzhak sagt:

      Nicht “Selenski u. a.” haben den anderen Weg gewählt. Das ist die Umkehrung der Tatsachen!!!
      Die Gewaltfreie Verteidigung: das haben die Bewohner von Butscha u. a. gewählt. Leider ist gegen einen unzivilisierten Gegner jegliche Gewaltlosigkeit keine Kompromissbereitschaft, sondern ein Zeichen der Schwäche. Das galt und gilt in Russland schon immer, leider wird es oft verkannt.
      Es braucht Mut zur Wahrheit, auch wenn es weh tut.

      • Und was meinen Sie zur angeführten Liste des erfolgreichen alternativen Widerstands. Haben Sie diese überhaupt gelesen? Oder ignoriert, weil nicht wahr sein darf was man sich nicht vorstellen kann. Bitte antworten! Danke.
        Und: Welcher Gegner ist in den Augen seiner Gegner nicht “unzivilisiert”?

        • Pfr. Ivan Machuzhak sagt:

          Zur Statistik über gewaltfreien Widerstand kann man sehr viel sagen, aber auch noch mehr „Schweigen“.
          Die zentrale Behauptung – 34% Erfolgsquote bei gewaltfreiem vs. 9% bei bewaffnetem Widerstand? Wie werden “Erfolg” und “gewaltfreier Widerstand” definiert? Welche Kontexte und Zeiträume werden verglichen? Wurden die Opferzahlen berücksichtigt? Ohne diese Angaben ist die Aussagekraft begrenzt oder gar wertlos. Zudem unterscheidet sich die Situation bei zwischenstaatlichen Konflikten fundamental von innerstaatlichen Widerstandsbewegungen.
          Und nun, was die Friedensbewegung angeht:
          Die Erwähnung der 1980er-Jahre Demonstrationen ist berechtigt, aber die Analyse bleibt oberflächlich. Die damalige Situation – Kalter Krieg, nukleare Hochrüstung, stabile Blockkonfrontation – unterscheidet sich grundlegend von heutigen hybriden Bedrohungen und territorialen Aggressionen.
          Und jetzt vor allem, was die Rüstungsvergleiche angeht, ist so vieles mehr als problematisch:
          Die präsentierten Zahlen zu Militärausgaben sind irreführend. Erstens werden absolute Zahlen ohne Berücksichtigung der Kaufkraft verglichen – russische Militärausgaben haben in Russland eine andere Wirkung als westliche in NATO-Ländern. Zweitens werden NATO-Ausgaben als Block gegen Russland gestellt, obwohl die NATO primär Verteidigungscharakter hat und ihre Mitglieder verschiedene globale Verpflichtungen haben. Drittens: welchen Zahlen schenkt man hier den Glauben – es ist vergleichbar, wenn die Zahlen bei den Wahlen von putin mit den Zahlen bei den Demokratischen Wahlen anschauen würde. putin wird meistens mit über 90% gewählt, wobei keiner ernsthaft diesen Zahlen glaubt, der in Russland lebt oder Russland etwas besser kennt.
          Fehleinschätzung der russischen Bedrohung:
          Andreas Zumachs Einschätzung, eine russische Besetzung der Ukraine sei “grotesk”, wirkt angesichts des seit Februar 2022 andauernden Angriffskriegs realitätsfern. Russland hat bereits etwa 20% der Ukraine besetzt und führt einen systematischen Vernichtungskrieg. Die Logik “weil Russland die Ukraine nicht vollständig erobern kann, ist es keine Bedrohung für andere” ignoriert die Realität hybrider Kriegsführung und begrenzter territorialer Ziele.
          Gewaltfreier Widerstand kann sehr wirkungsvoll sein – aber primär gegen Regimes, die noch gewisse moralische oder politische Grenzen respektieren. Gegen völkerrechtswidrige Angriffskriege und systematische Kriegsverbrechen stösst gewaltfreier Widerstand an Grenzen. Die Ukraine hat durchaus auch gewaltfreie Formen des Widerstands versucht, diese reichten aber nicht aus, um die territoriale Integrität zu schützen.
          Ich kann Ihnen nur insofern zustimmen, dass die Notwendigkeit, Diplomatie und zivile Konfliktprävention zu stärken, die Gefahr einer reinen Militarisierung der Aussenpolitik und die Wichtigkeit, auch bei notwendiger Verteidigungsfähigkeit nicht die sozialen und entwicklungspolitischen Verpflichtungen zu vernachlässigen, besteht. Aber eine ausgewogene Friedenspolitik sollte sowohl gewaltfreie Methoden fördern als auch die Realität akuter Bedrohungen anerkennen – ohne in “Aufrüstungshysterie” zu verfallen, aber auch ohne naive Realitätsverweigerung.

        • Hansjörg sagt:

          Fragen Sie doch mal Patriarch Kyrill I.,
          ehemaliger KGB Agent, ob er mit seiner Kirche auch mitmacht, beim gewaltfreien Widerstand.

  • Heinz Meier sagt:

    Im Namen Jesu für Rüstung einzutreten und den Bürgerkrieg, den Selensky vor dem russischen Einmarsch zu ignorieren?
    Der Laie staunt und der Theologe blökt: es gibt keinen „Segen“ für Waffen, auch nicht indirekt mit ideeller Waffenbruderschaft der Kirche.
    Die Zeiten sollten vorbei sein, in denen „le don du soi“ zum pseudochristlichen und falsch idealisierenden Bestand des Soldaten gehörte. Das Paradox gilt auch in der Ukraine: Frieden entsteht immer erst im Dialog. Gegenteilige Interpretationen des Evangeliums sind abwegig.

    • Ivan Machuzhak sagt:

      Es ist eine falsche Schlussfolgerung daraus: die Behauptung “im Namen Jesu keine Waffen” ignoriert die differenzierte christliche Friedensethik. Selbst Dietrich Bonhoeffer erkannte: Manchmal wird Nichtstun zur Komplizenschaft mit dem Bösen.
      Unverständlich ist auch die faktische Verzerrung: den Konflikt als “Bürgerkrieg, den Selensky ignorierte” zu bezeichnen. Dies verschleiert Russlands hybride Kriegsführung seit 2014. Selensky wurde gerade mit dem Versprechen gewählt, den Konflikt zu beenden. Alles andere ist nur eine Teil der Propaganda oder misslungener Versuch einer Täuschung.
      Sicher ist es: “Frieden nur durch Dialog”, aber funktioniert nur bei dialogbereiten Partnern. Was, wenn eine Seite Dialog als Taktik zur Konsolidierung eroberter Gebiete missbraucht?
      Schliesslich: wer einem Opfer von Völkerrechtsbruch jede Unterstützung verweigert, macht sich zum unfreiwilligen Helfer des Aggressors. Zwischen Kriegsverherrlichung und Realitätsverweigerung gibt es einen dritten Weg: Selbstverteidigung als letztes Mittel anerkennen, ohne Gewalt zu glorifizieren.
      Die reine Gesinnungsethik (“keine Waffen segnen”) muss sich der Verantwortungsethik stellen: Was sind die Konsequenzen für die Opfer?

  • Daniel Ric sagt:

    Ich möchte Herrn Ludin zu seinem Artikel gratulieren und ihm herzlich dafür danken. Es ist für mich eine Schande, wie wenig Menschen sich heute für den Frieden einsetzen. Die Kriegspropaganda, die heute in den Medien entfesselt wird, erinnert an die schlimmsten Zeiten unserer Geschichte. Pfarrer Machuzhak möchte ich zu bedenken geben, dass er als Priester dem Evangelium und der Wahrheit mehr verpflichtet sein muss als einer Nation. Auch ich verurteile den Krieg gegen die Ukraine, so wie ich alle Kriege verurteile. Ich verstehe auch, dass er sich seinem Volk verpflichtet fühlt und mit ihm leidet. Trotzdem ist es absurd zu behaupten, die Nato sei primär ein Verteidigungsbündnis, dessen Mitglieder globale Verpflichtungen haben. Die Mitglieder der Nato haben eine Reihe von ungerechten Kriegen geführt und dabei Hunderttausende Menschen auf dem Gewissen. Ich erinnere hier an den Irakkrieg, an Libyen, an Afghanistan, etc. Auch finde ich es sehr problematisch, wenn hier von einem Vernichtungskrieg gegen die Ukraine gesprochen wird. Jeder Angriff auf zivile Objekte ist verwerflich, aber wir sehen im Ukraine-Krieg nicht dieses Ausmass an Krieg gegen die Zivilbevölkerung, wie es derzeit in Gaza durch Israel geschieht.
    Diese Worte sollen keine Rechtfertigung für den Krieg Russlands darstellen, da es keine Rechtfertigung für Krieg gibt, aber ich möchte aufzeigen, dass Herr Ludin völlig recht hat, wenn er sagt, dass wir aus dieser Kriegslogik entfliehen müssen. Es ist naiv zu glauben, dass wir durch Kriege einen absolut gerechten Zustand erreichen können, da das, was wir als gerecht betrachten, in anderen Ländern als ungerecht beurteilt wird. Wir haben Jahrzehnte lang in einer Welt gelebt, in welcher der Westen seine Vorstellungen von Gerechtigkeit (die natürlich rein egoistisch waren) mit Waffengewalt durchsetzen konnte. Diese Zeiten sind nun vorbei.
    Ich möchte hier auch die spirituelle Seite ansprechen. Es steht für mich ausser Frage, dass der Niedergang des Pazifismus mit der derzeitigen Schwäche des Christentums zusammenhängt. An Christus zu glauben, bedeutet zu wissen, dass der Sieg nicht auf dem Schlachtfeld errungen werden kann, sondern durch das Kreuz. In jeder Eucharistiefeier wird uns dies vergegenwärtigt. Auch möchte ich hier daran erinnern, dass der Nationalismus – dieses dumme und verwerfliche Produkt des 19. Jahrhundert – sich gegen den Willen der Katholischen Kirche durchgesetzt hat. Es ist doch völlig egal, ob ein Stück Land Schweiz, Ukraine, Russland oder USA heisst, solange wir als Menschen den anderen Menschen lieben und in ihm einen Mitbruder sehen.

  • Pfr. Ivan Machuzhak sagt:

    Vielen kann ich hier zustimmen, und noch mehr macht mich fassungslos:
    Zum Beispiel, die Kritik von NATO: Die Charakterisierung der NATO als rein defensiv ist tatsächlich einseitig. Interventionen in Irak, Libyen und Afghanistan zeigen, dass westliche Mächte ebenfalls fragwürdige Militäreinsätze durchgeführt haben. Diese Kritik ist berechtigt und sollte nicht durch den aktuellen Konflikt tabuisiert werden.
    Auch der Hinweis auf das christliche Verständnis des Sieges “durch das Kreuz” berührt einen wichtigen theologischen Kern. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Gewalt mit der Nachfolge Christi muss uns alle in die Pflicht nehmen: wieso würden die Geflüchtete, die hier Zuflucht gefunden haben, zum Teil in die Bunker verfrachtet, auf Lampedusa oder irgendwohin sonst… nicht einfach normal leben und arbeiten? Ihre Abschlüsse werden nicht akzeptiert und anerkannt ? Weil wir die Gewalt oder die Folge der Gewalt nicht aushalten, nicht sehen wollen…?
    Auch die die Behauptung, der Ukraine-Krieg zeige nicht das “Ausmass an Krieg gegen die Zivilbevölkerung wie in Gaza”, relativiert systematische Kriegsverbrechen. Bucha, Mariupol und die gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur sprechen eine andere Sprache.
    Westliche Kriegsführung mit russischer gleichzusetzen, ignoriert qualitative Unterschiede – etwa beim Umgang mit Kriegsverbrechen, Pressefreiheit oder internationaler Rechenschaftspflicht.
    Und das, was mir richtig weht tut und auch völlig fassungslos macht ist die Aussage: “Es ist völlig egal, ob ein Stück Land Ukraine oder Russland heisst”. Dass dahinter Menschen stehen, die selbst über ihr Schicksal bestimmen wollen. Selbstbestimmung ist mehr als nur Landkartenpolitik.
    Reine Gesinnung ohne Verantwortung für die Konsequenzen führt zur Ohnmacht. Reine Machtpolitik ohne moralische Orientierung führt zur Zynismus.
    Christlicher Pazifismus muss sich fragen: Was schuldet er den konkreten Opfern? Christliche Friedensethik kann nicht bei der reinen Gewaltablehnung stehenbleiben, sondern muss auch Wege zum Schutz der Schwachen aufzeigen.
    Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte, aber sie ist komplex: Weder Kriegsverherrlichung noch Realitätsverweigerung werden den Opfern gerecht.

    • Daniel Ric sagt:

      Ich gebe Ihnen recht, dass wir in der Schweiz das Leid verdrängen wollen. Vieles in Bezug auf die Flüchtlinge ist Scheinpolitik, die das Gewissen beruhigt. Pazifismus fängt im Kleinen an, indem man die Rechte jedes Menschen schützt und bewahrt – vor allem auch der Flüchtlinge.

      Betreffend meine Aussage über den Namen eines Stücks Land: Es ist ein grosser Irrtum zu glauben, dass man in irgendeinem Land eine völlige Selbstbestimmung hat. Es gibt ja nicht den EINEN Schweizer oder den EINEN Ukrainer, sondern Millionen von Menschen, die unterschiedliche Ziele verfolgen. Der Nationalismus, der seit dem 19. Jahrhundert die Geister der Menschen beherrscht, suggeriert, dass alle Menschen, die zu einer Nation gehören, in Bezug auf wichtige Fragen die gleichen Positionen vertreten. Auch ohne Krieg wird es in der Ukraine unterschiedliche Kulturen und Konfessionen geben – und auch Menschen, die sich eher Russland zugehörig fühlen. Ich finde es problematisch, dass in unseren Medien seit 2014 denjenigen Ukrainern, die weiterhin eine enge Bindung an Russland wünschen, kein Platz gegeben wird, um ihre Meinung zu äussern. Diese Meinung wird in unseren Medien bewusst negiert, um das Narrativ zu schaffen, alle Ukrainer denken in Bezug auf Russland gleich.

      Ich bin für eine Verantwortungsethik, die nach vorne und nicht in die Vergangenheit schaut. Wir Menschen können die Toten nicht wieder lebendig machen (diese Gerechtigkeit hat nur Gott in seinen Händen). Wir können aber dafür sorgen, dass es in der Zukunft keine Toten mehr gibt. Ein weiteres Aufrüsten füllt die Kassen der Rüstungsindustrie, bringt aber den Menschen in der Ukraine nichts.

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