«Pax Christi Deutschland fordert ein Ende von Säbelrasseln und Aufrüstung: Es brauche gewaltfreie Lösungen für die aktuellen Konflikte.» So war kürzlich zu lesen. Und ich höre schon die Wiederrede: «Naiv, weltfremd, unrealistisch!» Wirklich?
Ich fand in den letzten Wochen etliche Statistiken dazu. Zum Beispiel. «34 Prozent aller gewaltfreien Widerstandsbewegungen in den letzten 15 Jahren haben erfolgreich einen Umbruch des Status Quo bewirkt. Demgegenüber stehen nur 9 Prozent Erfolgsquote bei bewaffnetem Widerstand.»
Reine Behauptungen? Weil wir uns so etwas nicht vorstellen können, weil in unseren Köpfen nur Armeen «Frieden schaffen» können? Zurück zu Pax Christi. Kürzlich veröffentlichte die christliche Friedensaktion «gewaltfrei wirkt» einen zehn Seiten umfassenden Überblick über gewaltlose Aktionen der letzten 100 Jahre. Sehr lesenswert:
https://www.paxchristi.de/artikel/view/5780189921411072/Neuauflage:%20Erfolge%20der%20Gewaltfreiheithttps://www.paxchristi.de/artikel/view/5780189921411072/Neuauflage:%20Erfolge%20der%20Gewaltfreiheit
(oder googeln: news pax christi).
Wir erinnern uns: In den 1980er-Jahren, im Zusammenhang mit der «Nachrüstung» gingen in Europa und in den USA Hunderttausende auf die Strassen, um gegen die Rüstung zu demonstrieren. Übrigens: Eine dieser Demos fand in Rom statt, zur Zeit einer Bischofssynode. Teilnehmer: rund eine Million! In der kommunistischen Zeitung Unita stand der Titel: «An der Spitze: Gewerkschafter und Ordensleute.» Ich war auch dabei ….
Und heute: Es gibt ganz wenige Stimmen für aktive (!!) gewaltfreie Methoden von Konfliktlösungen; ausser Pax Christi beispielsweise die ehemalige Landesbischöfin Margot Kässmann – die massiv angefeindet wird! Im Vordergrund steht heute eine «Aufrüstungshysterie». Entgegen allen Tatsachen. So heisst es beispielsweise in der Zeitschrift Publik-Forum, die Militärausgaben Russlands lägen – nach einer Welle der Aufrüstung nur bei 140 Milliarden Dollar. Die Ausgaben der EU-Staaten lägen weit darüber. Bei 313 Milliarden; jene der Nato sogar bei 1341 Milliarden, also ungefähr zehn Mal mehr.
Trotzdem werden zusätzlich Hunderte von Milliarden in die Rüstung gesteckt. Mit der Behauptung, Russland könnte den «Westen» überfallen. Der auch in der Schweiz bekannte Publizist Andreas Zumach urteilt realistischer: «Die Vorstellung, dass Russland die gesamte Ukraine besetzen könnte, ist grotesk. Dieses riesige Land zu besetzen und die Bevölkerung zu kontrollieren ist für Russland undenkbar. Ganz zu schweigen von der Vorstellung, Russland könnte danach noch Polen und Deutschland überfallen. Solche Szenarien sind völlig unseriöser Unfug.»
Harte Worte – eines Experten, der seit Jahrzehnten die politische Situation in Europa genau analysiert. Ja, ich sage mir auch: Wenn Russland nach mehr als drei Jahren nicht fähig ist, auch nur einen grossen Teil der Ukraine zu kontrollieren, wie sollte Putin eines unschönen Tages vor unseren Landesgrenzen stehen? Trotzdem macht auch die Schweiz zusätzliche Milliarden für die Rüstung locker; zum Schaden von Bildung, Sozialem und Solidarität mit dem globalen Süden.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/statt-aufruestungswahn-gewaltfreier-widerstand/