Wann müssen auch sie gehen? ©zVg
Walter Ludin

Sehr ausgewogenes Buch «Israel – Palästina»

Alain Gresh: IsraelPalästina: Hintergründe eines Konflikts | Rotpunktverlag 2025 | ISBN/GTIN978-3-03973-057-5 | ca. CHF 33.– | 271 S.
Kaum ein anderes der nicht wenigen Bücher, die ich über den Nahost-Konflikt gelesen habe, gibt einen so faktenreichen, klaren Überblick über die komplizierte Problematik. Der Autor Alain Gresh zeigt die Position beider Seiten auf. Und beide kritisiert er schonungslos.
Seine Herkunft erleichtert ihm dies: Er hat eine jüdische Mutter und wuchs im arabischen Raum auf, in Ägypten, und hat einen koptischen, also christlichen Stiefvater. Viele Jahre war er Chefredaktor von «Monde diplomatiqe», einer Publikation, die wie kaum eine zweite in Europa durch gescheite politische Analysen auffällt. Er schreibt ohne Vereinfachungen in einer verständlichen Sprache, zumal er das äusserst lesenswerte Buch seiner Tochter widmet.


Kommentar
Gaza und der zionistische Traum
Schon Jahrzehnte, bevor Donald Trump vorschlug, den Palästinenser «vorzuschlagen», Gaza zu verlassen, stand die «ethnische Säuberung» auf der Traktandenliste der israelischen Politiker. Die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung war bereits eine Idee der ersten Zionisten.
«Ein Traum für Zionisten»
Am 26. Mai 25 titelte die angesehene Frankfurter Allgemeinde Zeitung/FAZ: «Umsiedlung und Vertreibung: Ein Traum für Zionisten.» Die Zeitung begann ihren Bericht mit der Feststellung: «Eine grosse Mehrheit der jüdischen Israelis befürwortet eine gewaltsame Vertreibung der Palästinenser in Gaza. Die Idee hat eine lange Vorgeschichte.»
Ich werde nun diese Vorgeschichte skizzieren, nicht aufgrund des vorliegenden Artikels, sondern des Buches «Israel – Palästina. Hintergründe eines Konflikts.» Dem Autor Alain Gresh ist nicht leicht Antisemitismus vorzuwerfen. Er hatte eine jüdische Mutter …
«Verjagt sie»
Theodor Herzl, der «Vater» der zionistischen Idee, hatte bereits 1895 in seinem Tagebuch mit Blick auf die Palästinenser im erträumten jüdischen Staat festgehalten: «Die arme Bevölkerung trachten wir unbemerkt über die Grenze zu schaffen.»
Gresh bemerkt dazu: «Der Umsiedlungsgedanke ist vom Projekt der Gründung eines jüdischen Staates schlechterdings nicht zu trennen.»
David Ben Gurion, der erste Ministerpräsident Israels, war ein gelehriger Schüler Herzls. Sein späterer Nachfolger Jitzchak Rabin erinnert sich an 1948: «Wir marschierten an der Seite Ben Gurions los.» Die Truppe eroberte zwei wichtige Städte. Der Kommandant fragte, wie die Bevölkerung zu behandeln sei. «Ben Gurion machte eine Handbewegung, die bedeutete ›Verjagt sie’», berichtet Rabin und fügt hinzu: «Ich war mit ihm einer Meinung, dass es wesentlich darauf ankam, sie zu verjagen.»
Es ist offensichtlich: Netanjahu hat aus dieser «langen Vorgeschichte» gelernt.

Wann müssen auch sie gehen? ©zVg
7. Juni 2025 | 12:31
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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19 Gedanken zu „Sehr ausgewogenes Buch “Israel – Palästina”

  • stadler karl sagt:

    Ach, “le monde diplomatique” ist längstens hinlänglich bekannt, uns die Welt und ihre Konflikte und deren Zusammenhänge aus einer vorwiegend linken Perspektive erklären zu wollen. Das war bereits in den achtziger Jahren so. Es ist sicher das gute Recht der Autoren und Autorinnen, stellt aber noch lange keine Garantie dar, eine vollumfänglich verlässliche Orientierung zu erhalten.
    Ihr Hinweis, dass jüdische Abstammung es verunmögliche, Äusserungen mit antisemitischem Einschlag zu machen, trifft so nicht zu, so gut es nicht zutrifft, dass Darstellungen des Nah-Ost-Konfliktes aus jüdischer Quelle per se immer verlässlich sein müssen. Sehr wohl gibt es auch Juden mit antisemitischen Einstellungen.
    Ihr obiger Kommentar, der hinausläuft, dass die Israelis von Anfang daraus aus waren, die Palästinenser aus Palästina zu verbannen, spricht Bände! Sie unterstellen implizit einmal mehr damit, dass der Schwerpunkt des Verschuldens dieses Konfliktes bei den Juden und Israelis liege. Es ist das typische Narrativ, das man seit Jahrzehnten, nicht zuzletzt in linken Kreisen, antrifft, das auch in diesbezglich eher uninterssierten Schichten immer wieder anzutreffen ist, teilweise im nächsten sozialen Umfeld.
    Ausgerechnet Jitzchak Rabin war es, der nach Camp David den Palästinensern anbot, mehr als 95% der Westbank abzutreten, auch militätrisch, im Hinblick auf eine künftige Staatsgründung. Zu einer Zeit übrigens, als es bloss ein paar hundert Siedler in der Westbank gab. Blanker Terror gegenüber Israel war die Antwort. Auch spätere derartige Angebote wurden mit Terror beantwortet.
    Ben Gurion rief den Staat Israel 1948 innerhalb den Gebietsgrenzen aus, welches die Vereinten Nationen in einer Resolution für die Juden vorgesehen hatten. Einen Tag darauf schlugen Arabische Staaten und die Palästinser mit Militärgewalt gegen die Israelis los – weil es in ihren Augen keinen Staat Israel geben durfte – und es galt damals als eher unwahrscheinlich, dass die Israelis diesen Waffengang gewinnen würden. Das Resultat dieses Krieges: Die arabischen Staaten und die Palästinser veroren diesen Krieg. Nichtsdestotrotz annektierte Jordanien die Westbank und Ägypten riss Gaza unter seine Kontrolle. Das blieb so, bis im Jahre 1967 Israel erneut angegriffen wurde von den Palästinensern und ihren Verbündeten.
    Und Ariel Sharon, übrigens ein Likud-Mann, zog sich 2005 militärisch völlig aus Gaza zurück, liess auch sämtliche jüdischen Siedlungen gegen Widerstand räumen, dies alles im Hinblick, dass eine friedliche Lösung dieses Konfliktes gefunden wärden könnte. Ein oder zwei Jahre später wählten die dortigen Palästinenser die islamistischen Hamas. Kaum waren diese an der Macht, begann der Raketenterror, der nun seit achtzehn Jahren andauert. Die Hamas baute systemtisch und stetig ihre militärische Infrastruk aus, indirekt mit Mitteln, die aus Europa und der EU stammten.
    Und ja: Die Juden verbindet mit Palästina eine dreitausendjährige Geschichte. Es gab immer eine ansehnliche Zahl von Juden in Palästina. Sie waren keineswegs wildfremde Einwanderer, keine Eroberer wie die muslimischen Araber im frühen Mittelalter. Dass der Gedanke eines eigentlichen jüdischen Staates entstand, ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass die Juden im christlichen Europa und im muslimischen Raum immer nur Geduldete waren, genauso, wie sie es heute in Eurpa teilweise erneut wieder sind. Im muslimischen Raum gibt es die jüdischen Gemeinden faktisch ja nicht mehr. Dort fand in der Folge des Unabhängigkeitskrieges eine ethnische Säuberung statt. Die Kirche mit ihrem jahrtausendealten Antijudaismus schuf in Europa die Voraussetzungen, damit im 19. Jahrhundert der rassistische Antisemitismus mit seinen mörderischen Ereignissen aufkeimen konnte.
    Und ausgerechnet die Eurpäer, nicht zuletzt linke, wollen nun die Israelis belehren, wie sie mit dem schrecklichen Dilemma, dem sie derzeit in Gaza gegenüber stehen, umgehen sollen!

    • Felix Frey sagt:

      Lieber Herr Stadler, Sie machen es sich etwas einfach. Kritik am unsäglichen Leid der zivilen Bevölkerung in Gaza bezeichnen Sie als Kritik von Links. Bleiben Sie wachsam. Wer alles als Links abtut, rückt ganz weit nach rechts.

  • Selbstverständlich hat Israel ein Existenzrecht. Aber was mir erst kürzlich aufging: Mit welchem Recht hat die UNO damals darüber verfügt, dass die Palästinenser über die Hälfte ihres Gebietes einem jüdischen Staat “opfern” musste. Ein Vergleich, der zwar hinkt, aber einiges aussagt: Wie würden wir Schweizer reagieren, wenn ein beträchtlicher Teil unseres Landes den Italienern überlassen würde – wohl ja die alten Römer einst hier waren; ungefährt zur gleichen Zeit wie die Israelis im Nahen Osten?
    Und zur “Belehrung” Israels: Dürfen wir schweigen, wenn in Kauf genommen wird, dass zur Tötung eines Hamasmitglieds 100 Zivilisten umkommen. Was zweifellos geschehen ist…..

    • Hansjörg sagt:

      Dürfen wir schweigen, wenn zur Freilassung eines israelischen Bürgers durch Hamas von Israel 100 Palästinenser freigelassen werden müssen?

      Und zudem: Hamas hat den Überfall vom 7. Okt. auf Israel gestartet, obschon sie wussten, was dann passieren würde. Die oberste Hamas Führung sitzt in 5 Sterne Hotels in Katar und lässt ihr Volk im Gaza Streifen verbluten. Die Hamas hat immer noch nicht alle Geiseln frei gelassen. Hamas Krieger tragen keine Uniform, sind nicht zu erkennen und verstecken sich in zivilen Gebäuden wie Schulen und Spitäler.

      Um diesen Krieg zu beenden, muss Hamas aus ihren Löchern kriechen und die Waffen nieder legen.

  • stadler karl sagt:

    “Zur Tötung eines Hamasmitgliedes 100 Zivilisten umkommen…” Sie übernehmen einfach ohne jegliche kritische Hinterfragung die Opferzahlen der Hamas, genauso wie die UN-Stellen, als bare Münze. Wer sich ausgewogen informiert, weiss inzwischen, dass die Angaben der Hamas betreffend unbeteiligte Zivilopfer bei weitem so nicht stimmen.
    Dass eine katastrophale Situation herrscht in Gaza, das geben auch die Israelis zu. Aber ein recht grosser Anteil von Toten betrifft auch kombattante Mitglieder der Hamas. Aber dies spielt ja in Ihrer Beurteilung offenbar keine Rolle.
    Kommt dazu, das die Hamas, und das ist seit vielen Jahren bekannt, gezielt ihre Militärinfrastruktur in Bereichen der empfindlichsten zivilen Institutionen aufbaut, im Bereich von Schulen, Moscheen, Spitälern etc., damit möglichst viele zivile Bevölkerungsteile innerhalb von militärischen Auseinanderetzungen in Mitleidsenschaft gezogen werden. Ein Umstand, der in linken Narrativen Europas über weiteste Strecken schlicht keine Rolle spielt. Dass eine möglichst hohe Zahl an Ziviltoten integrierender Bestandteil des Propagandakrieges der Hamas bildet, blenden Sie schlichtwegs aus. Den Hamas ist die Zivilbevölkerung in Gaza schlicht egal. Das zeigte sich wieder neulich, als die Hamas mehr als zwei Dutzend palästinensische Helfer für die GHF, der isralisch-amerikanischen Verteilorganisation für humanitäre Güter in Gaza, beschoss und acht von ihnen tötete. Der Grund ist offensichtlich: Die humanitären Lieferungen der anerkannten Hilfsorganisationen wurden zum Teil von der Hamas nachweislich geplündert und die Güter zu übersetzten Preisen an die eigene notleidende Bevölkerung verschachert. Das geht bei der GHF nicht mehr. Also versucht die Hamas auf andere Weise, deren ordentliche Auslierfungen an die Bevölkerung zu hintertreiben.
    Und ja, es gab in Palästina immer eine sehr stattliche Anzahl von Juden. Zu den Zeiten, vor allem, als die arabisch-muslimischen Invasoren das Land gewaltsam eroberten, zu den Zeiten der Kreuzzüge genauso wie zur Zeit von Gotthold Ephraim Lessing, bis ins 19. Jahrhundert, als die eine verstärkte jüdische Einwanderng einsetzte. Wendet man Kriterien der Ideologie des Postkolonialismus an, dann sind die Isrealis im Grunde die Indigenen von Palästina. Die Juden haben das Land, das sie zur Zeit der UN-Resolution 1948 besassen, den Palästinensern auch nicht einfach gestohlen, Herr Ludin. Diese Ländereien wurden legal gekauft, zumeist von palästinensischen Grossgrundbesitzern, und zwar nach damals geltendem, zum Teil noch nach osmanischem Recht.
    Dass im 19. Jahrhundert die zionistische Vision aufkam, daran hat auch die hochlöbliche Christenheit einen ganz erheblichen Anteil. In Europa war es die Christenheit, die das Judentum immer an den Rand drängte und über weite Strecken nur soweit duldete, als Juden den örtllichen Herrschaftsverhältnissen dienlich war. Im muslimischen Raum verhielt es sich zum Teil nicht anders.
    Seit 1948 befindet sich der jüdische Staat stetig in einer Verteidigungsposition, umgeben von Todfeinden, die von einem Vernichtungswillen gegenüber Israel beseelt sind oder waren. Das neuseste Beispiel liefert einmal mehr der Iran, der Israel seit Jahrzehnten über seine Stellvertreter wie die Hamas, die Hisbollah, die Huthis und andere mehr stetig bekämpft und um jeden Preis vernichten will. Es gibt praktisch kein Freitagsgebet in Teheran, wo nicht die Zerströrung des Staates Israel zum hehren Ziel erklärt wird.
    Und jetzt hat Israel den unumstösslichen Beweis geliefert, dass Iran die Urananreicherung nicht bloss für zivile Zwecke, sondern für militärische Ziele vorangetrieben hat und im Stande ist, innert relativ kurzer Frist (wenige Monate bis ein Jahr) Atomwaffen herzuzstellen.
    Seit Jahren, nicht erst seit Bestehen der jetzigen Regierung, hat Israel vor dieser Gefahr gewarnt und sich für eine härtere Gangart gegenüber Iran ausgesprochen. Die Europäer wollten nicht hören, weil sie sich im Iran allenfalls einen lukrativen Markt erhofften.
    Aber Israel belehren, welchen Umgang es mit seinen Todfeinden pflegen soll, dafür sind die Europäer allemal zu haben.

  • Pia Tschupp sagt:

    Wir können uns mit aktueller Kriegspropaganda, mit Vermutungen, mit der Benennung von Schuldigen, der Zuweisung der Opferrollen oder dem Studium der jüdischen Vergangenheit davor schützen, hinzuschauen.
    “Und die Geschichte wird fragen, warum die Welt nicht den Mut hatte, entschlossen zu handeln und diese Hölle auf Erden zu beenden.” (Zitat Ph. Lazzarini)
    Die gute Nachricht: ES GIBT DIE JUDEN, DIE ISRAEL ZU KRITISIEREN WAGEN!
    Der erste Jüdisch-Antizionistische Kongress findet dieser Tage in Wien statt. Ein Ereignis, das lange als undenkbar galt: Jüdinnen und Juden aus aller Welt versammeln sich, um öffentlich, selbstbewusst und organisiert den Zionismus zu kritisieren. Nicht aus Hass, sondern aus Verantwortung.
    Findet hier ein Umdenken statt? Ein Umbruch? Ein neuer Blick auf die jüdische Geschichte? Ein Heraustreten aus der Opferrolle? Eine Besinnung auf die Lehren aus dem Holocaust – nicht als Relativierung, sondern aus Verpflichtung?
    Man darf hoffnungsvoll gespannt sein, denn “NIE WIEDER” für alle und “NICHT IN UNSEREM NAMEN” stehen auf der Traktandenliste.
    Mehr dazu auf der deutschen Online-Plattform NachDenkSeiten.

    • Es wird immer schwieriger und unglaubwürdiger, die Menschen, welche die israelische Regierung wegen ihren massivsten Menschenrechtsverletzungen kritisieren, als antisemitisch zu verurteilen ….

  • Daniel Ric sagt:

    Sehr geehrter Herr Ludin, ich danke Ihnen für Ihren Artikel und Ihren grossen Einsatz für die Gerechtigkeit und den Frieden. Was in Gaza geschieht, ist fürchterlich. Es ist abscheulich, wie wir im Westen tatenlos zuschauen, wie Zehnttausende von Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben werden. Wie wird die Nachwelt wohl über uns urteilen?

    Herr Stadler, Sie schreiben über den Iran. Ist Ihnen bewusst, dass durch die englische Besatzung im ersten Weltkrieg Millionen von Iranern an Hunger starben?Ist Ihnen bewusst, dass die Engländer und Sowjets den Iran auch im zweiten Weltkrieg besetzten? Ist Ihnen bewusst, dass die Amerikaner den demokratisch gewählten Mossadegh wegputschen liessen, da er die Ölindustrie verstaatlichen wollte? Was ist das für eine Arroganz und eine Unwissenheit, die Sie an den Tag legen, wenn Sie über dieses durch den Westen leidgeplagte Volk urteilen und dann noch von einem unumstösslichen Beweis reden, den Israel für seinen völkerrechtswidrigen Krieg vorgelegt hat? Dieser Beweis hat wohl die gleiche Qualität wie derjenige, den die USA bei ihrem Angriff auf den Irak 2003 vorgelegt haben. Gar keine! Schauen wir uns doch bitte einmal die ganze Geschichte des Nahen Ostens an und Sie und Hansjörg werden erkennen, mit welcher Niedertracht der Westen Geopolitik auf Kosten der dortigen Menschen getrieben hat. Und es waren keine wahren Christen, die diese Politik befürwortet haben, sondern Menschen, die wie Sie von der Überlegenheit des Westens überzeugt sind, die es rechtfertigt, die Würde von Millionen von Menschen mit Füssen zu treten.

    Zum jetzigen Konflikt: Israel wurde bereits vor dem 7. Oktober 2023 mehrfach von Menschenrechtsorganisationen und von der UNO gerügt. Mir ist klar, dass Menschen wie Hansjörg und Herr Stadler an die grosse Verschwörungstheorie glauben, bei der alle sich gegen Israel verschworen haben und alle Verbrechen gegen die Menschlichkeit nur erfunden sind. Ich glaube nicht an dieses lügnerische Narrativ, sondern an die Berichte von sehr zuverlässigen UNO-Quellen. Des Weiteren möchte ich daran erinnern, dass die immer wieder vorgebrachte Rechtfertigung, dass Israel auf den (sicherlich absolut verabscheuungswürdigen) Terrorakt vom 7. Oktober reagiert, geschichtlich gesehen äusserst problematisch ist. Welche Kriege und die daraus resultierenden Kriegsverbrechen wurden nicht aus Rachegründen angefangen oder aus dem Argument, man müsse dem Gegner jetzt vernichten, damit er keine solchen Taten mehr ausüben kann? Auch Hitler begründete damals den Angriff Deutschlands auf Polen mit Übergriffen auf die deutsche Bevölkerung. Als Menschen dürfen wir uns nicht von Rache leiten lassen, sondern von der Vernunft.

    Zuletzt möchte ich hier noch etwas Religiöses feststellen. Herr Ludin ist ein Christ und argumentiert wie ein Christ. Ihm ist gleich, ob jemand Jude, Moslem oder sonst einer Religion angehört. Die Argumentation von Hansjörg und Herr Stadler können nur Menschen vertreten, die es innerlich schaffen, einem Menschen das Menschsein abzusprechen. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie man die Kriegsverbrechen Israels an der Bevölkerung im Gaza akzeptieren kann. Damit beweist vor allem auch Herr Stadler meine in früheren Kommentaren vorgebrachte These, dass das Christentum der Garant für die Menschenrechte ist, währenddem Weltanschauungen wie der Stoizismus oder der Atheismus zu einer inneren Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid von denjenigen Menschen führt, die man als minderwertig betrachtet.

    • Hansjörg sagt:

      Herr Ric stellt fest, dass das Christentum der Garant für die Menschenrechte ist.
      Darf ich daran erinnern, dass vor gut 80 Jahren vorwiegend deutsche Christen, darunter sicher viele gläubige Katholiken, gut 6 Millionen jüdische Menschen ermordet haben.

      • Daniel Ric sagt:

        Es waren vor allem auch sehr viele Atheisten wie Sie, lieber Hansjörg, die gemordet haben. Der Nationalsozialismus war ein Produkt des 19. und 20. Jahrhunderts, der sich gegen das Christentum stellte. Aber weshalb reden wir nicht über die Gegenwart. Weshalb befürworten Atheisten wie Sie den Mord an so viele Zivilisten in Gaza?

        • Hansjörg sagt:

          Lieber Herr Ric
          Der nachfolgende Satz steht so in Wikipedia.

          Die Mehrheit der drei Millionen NSDAP-Mitglieder zahlte weiterhin ihre Kirchensteuern und ließ sich entweder römisch-katholisch 40% oder protestantisch 54% eintragen.
          Nur weil’s weh tut, sollten die Fakten nicht verschwiegen werden.

          • Daniel Ric sagt:

            Mir tun solche Fakten nicht weh. Auch heute zahlen sehr viele Menschen Kirchensteuern, ohne dass sie wirklich katholisch oder protestantisch sind. Fakt bleibt aber, dass der Nationalsozialismus sicherlich nicht aus der katholischen Kirche heraus entstanden ist, sondern aus einer Weltanschauung, die andere Menschen für minderwertig erachtet.

  • Michael Bamberger sagt:

    “…das Christentum der Garant für die Menschenrechte…”

    ?!?

    Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte musste gegen den heftigsten Widerstand, insbesondere der katholischen Kirche, erkämpft werden und der Vatikanstaat hat bekanntlich die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 immer noch nicht ratifiziert.

    • Daniel Ric sagt:

      Bitte lesen Sie die Bulle “Sublimis Deus”, die bereits 1537 erschien. Sie ist die eigentliche Verkündigung der Menschenrechte. Ohne die katholische Kirche hätte es keine Menschenrechte gegeben. Und auch heute sind es Katholiken wie Herr Ludin, welche die Menschenrechte kompromisslos verteidigen, während viele andere Menschen die Macht anbeten und dabei in Kauf nehmen, dass die Menschenwürde mit Füssen getreten wird.

      • Michael Bamberger sagt:

        Die zentralen Kritikpunkte an der Bulle Sublimis Deus sowohl aus historischer als auch theologischer Perspektive:

        1. Widersprüchliche Umsetzung
        Praxis vs. Theorie: Obwohl die Bulle die Versklavung der Indigenen verurteilte, blieb die Praxis der Versklavung in den Kolonien bestehen.
        Wenig Einfluss auf Kolonialpolitik: Spanische und portugiesische Kolonialmächte ignorierten häufig die päpstlichen Anweisungen, wenn sie ihren wirtschaftlichen Interessen widersprachen.

        2. Ambivalenz gegenüber Missionierung
        Die Bulle betont das Recht auf Glaubensverkündigung, jedoch bleibt die Missionierung als Ziel klar bestehen.
        Kritiker sehen darin einen ethnozentrischen Blick, da sie den christlichen Glauben als höherwertig und für alle Menschen zwingend notwendig darstellt – ein Ausdruck kultureller Überheblichkeit.

        3. Nur Teilgruppen geschützt
        Die Bulle schützt ausdrücklich nur “rechtmäßig erworbene” Indigene, also diejenigen, die nicht “offen” gegen den Glauben oder gegen die Kirche rebellieren.
        Feindlich gesinnte Gruppen oder Kriegsgegner konnten also weiterhin als “rechtmäßige Kriegsbeute” behandelt werden – ein Schlupfloch für Missbrauch.

        4. Abhängigkeit von kirchlicher Autorität
        Die Menschenwürde der Indigenen wird nicht aus sich selbst heraus (etwa aus einem universalen Menschenrecht) anerkannt, sondern nur im Rahmen der christlichen Anthropologie.
        Ihre Gleichwertigkeit wird bedingt durch ihre Tauf- und Missionsfähigkeit, was eine instrumentalisierende Sichtweise sein kann.

        5. Rücknahmebegleitender Dekrete
        Das Begleitschreiben “Pastorale Officium”, das konkrete Strafen für Versklavung androhte, wurde kurz nach seiner Veröffentlichung auf Druck der spanischen Krone wieder aufgehoben.
        Dies untergräbt die Glaubwürdigkeit und Standhaftigkeit des Papstes in dieser Frage.

        Fazit:
        Obwohl Sublimis Deus im historischen Kontext ein wichtiger Schritt zur Anerkennung der Menschlichkeit der Indigenen war, bleibt die Bulle aus heutiger Sicht ambivalent. Sie ist geprägt von einem missionarisch-europäischen Blick und konnte sich weder kirchenpolitisch noch kolonial durchsetzen. Letztlich blieb sie ein moralisches Ideal ohne praktische Wirkung mit viel zu geringen Konsequenzen für die Kolonialmächte.

        • Michael Bamberger sagt:

          Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR), verabschiedet 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen, basiert auf einer Vielzahl historischer Vorbilder und philosophischer Traditionen. Zu den wichtigsten zählen:

          1. Magna Carta (1215, England)
          Die Magna Carta begrenzte erstmals die Macht des Königs und garantierte bestimmten Gruppen Rechte.
          Zentrale Ideen: Rechtsstaatlichkeit, Schutz vor willkürlicher Haft und Zugang zu einem fairen Gerichtsverfahren.

          2. Die Bill of Rights (1689, England)
          Stärkte die Rechte des Parlaments gegenüber dem Monarchen.
          Garantierte Rechte wie Meinungsfreiheit im Parlament, Schutz vor grausamen Strafen und freie Wahlen.

          3. Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten (1776)
          Formulierte das Prinzip, dass alle Menschen gleich geschaffen sind und „unveräußerliche Rechte“ haben, darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.
          Diese Ideale flossen direkt in die Formulierungen der AEMR ein.

          4. Die US-Verfassung und die Bill of Rights (1787/1791)
          Legte konkrete Grundrechte fest, z. B. Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit sowie das Recht auf ein faires Verfahren.

          5. Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789, Frankreich)
          Entstand während der Französischen Revolution.
          Betonte Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung.
          Begriffe wie „Gleichheit vor dem Gesetz“ und „Souveränität des Volkes“ wurden übernommen.

          6. Aufklärung (17.–18. Jahrhundert)
          Philosophische Grundlage der Menschenrechte.
          Denker wie John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Voltaire und Immanuel Kant betonten Vernunft, individuelle Freiheit, Naturrechte und die Würde des Menschen.

          7. Internationale Arbeiter- und Sozialbewegungen (19. Jahrhundert)
          Brachten soziale Rechte wie das Recht auf Arbeit, Bildung und soziale Sicherheit ins öffentliche Bewusstsein.
          Diese Aspekte wurden in den wirtschaftlichen und sozialen Rechten der AEMR berücksichtigt.

          8. Reaktion auf die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs
          Die systematische Verletzung der Menschenwürde durch Nationalsozialismus und Holocaust führte zu einem breiten Konsens, universelle Rechte völkerrechtlich zu verankern.
          Die AEMR wurde als Antwort auf diese Gräueltaten entworfen.

          Zusammenfassung:
          Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist das Ergebnis einer langen Entwicklungsgeschichte aus rechtlichen, politischen und philosophischen Quellen. Sie kombiniert antike, europäische und moderne Ideen und soll universelle Gültigkeit für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder Staatszugehörigkeit beanspruchen.

  • Michael Bamberger sagt:

    PS:
    Schon allein das Dogma extra ecclesiam nulla salus disqualifiziert die Kirche vollends in Sachen Menschenrchte.

    • Daniel Ric sagt:

      Wenn man von einer Lehre überzeugt ist, heisst dies nicht, dass man andere Menschen geringer achtet, die diese Lehre nicht teilen. Deshalb hat dieser Ausspruch, der durch das Zweite Vatikanum in ein richtiges Licht gerückt wurde, nichts mit Menschenrechten zu tun.

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