Walter Ludin

Priester nein – Priesterinnen ja?

Beim Entrümpeln meiner Hängeregistraturen bin ich beim Dossier «Frau und Kirche» angelangt. Durchwegs, von Paul VI. über Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bis zu Franziskus finde ich das gebetsmühlehaft geäusserte «Argument»: Jesus war ein Mann. Darum können nur Männer Priester werden.
Lassen wir mal die Frage beiseite, ob Inkarnation Mensch- oder Mannwerdung bedeute. Und wenden wir uns der Behauptung zu, der Priester sei bei der Feier der Eucharistie der Repräsentant Christi. Oder auch: Er handle in «Persona Christi», der eben ein Mann sei. Mit ein bisschen Ironie oder Humor kann man dies widerlegen. Denn die Kirche(nleitung) selber nimmt diese Vorstellung keineswegs ernst. Denn:

  • Wenn Jesus in der Gestalt des Priesters tatsächlich am Altar steht, müsste der Einsetzungsbericht anders lauten. Nicht: «Jesus nahm das Brot …»; sondern: «Ich nahm das Brot …»
  • Oder auch, wie jemand traditionell argumentierenden Zelebranten fragte: «Kommunizieren Sie auch? Warum denn, wenn Sie selber Christus sind?»

Gehen wir einen Schritt weiter: Man mag Mühe haben, bei der Vorstellung, dass nur ein Mann den Mann Jesus bei der Spendung der Sakramente Jesus «verkörpern» könne. Wie aber steht es mit der priesterlichen Funktion, die Kirche zu repräsentieren? Die Kirche als «Braut», als «Mutter». Da müsste doch unbedingt eine Frau her – während die Männer ausgeschlossen wären …

In ähnlichen Zusammenhang wurde schon vor etlichen Jahren ein satirischer Text über die Taufe formuliert. Die Taufe sei eine «zweite Geburt». Wer aber kann gebären? Kaum ein Mann! Also kommt nur eine Frau als Taufspenderin in Frage …

Man werfe mir nun nicht vor, diese Spötterei sei niveaulos. Ich habe mich bloss auf das Niveau der vatikanischen Theologie begeben.


Katharina Ganz: Frauen stören. Und ohne sie hat die Kirche keine Zukunft | Echter 2021. ISBN 978-3-429-05623-0 | 200 S. | CHF 26.90
Die Frauenfrage ist in der katholischen Kirche «kein Randthema und beschränkt sich nicht auf Strukturfragen, sondern es ist ein zentrales Thema für das Selbstverständnis der Kirche und ausschlaggebend dafür, welchen Platz sie langfristig in der Welt von heute einnimmt». Die Generaloberin der franziskanischen Oberzeller Schwestern stellt ihr mutiges Buch in diesen grösseren Zusammenhang. Frisch und frei formuliert sie ihre theologischen Einsichten und Postulate. Bekannt wurde sie, als sie vor drei Jahren ihre Sicht der Dinge in einer Audienz für 850 Generaloberinnen unverblümt gegenüber Papst Franziskus formulierte – nicht gerade zu dessen Freude.

Auch wer meint, sich schon genügend mit dem Thema befasst zu haben, liest das Buch der kämpferischen Franziskanerin mit Spannung und Genuss.

Zitat:
Nur ein deutsches (schweizerisches) Thema?
«… Eine weitere Strategie ist, das Anliegen der Frauenrepräsentation zu einem rein deutschen Thema herabzustufen. Mit dieser perfiden Strategie werden die berechtigten Anliegen diskreditiert und abgewertet bzw. die deutsche Ortskirche insgesamt marginalisiert. (…) ›Römische Kuriale müssten lernen, von den Teilkirchen katholische Wahrheiten zu empfangen und demütig ihre eigenen Grenzen anzunehmen.’ (Th. Schüller)»
Aus: Katharina Ganz: Frauen stören.

Wann gibt es katholische Pfarrerinnen? © Walter Ludin 2017
28. April 2021 | 10:56
von Walter Ludin
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0 Gedanken zu „Priester nein – Priesterinnen ja?

  • Kati W. sagt:

    Dass Bischöfe und Priester “in persona Christi” handeln, ist Lehre des II. Vatikanischen Konzils, siehe SC 33, LG 10, LG 28. Dass man das richtig verstehen muss und viele es falsch verstehen (auch die Autorin bemüht sich offenbar, es absichtlich falsch zu verstehen, während andere es gezielt traditionalistisch missverstehen), bestreite ich nicht, aber zu behaupten, es liesse sich schnell widerlegen, bedeutet, sich gegen das Konzil zu stellen.

  • Hermann Schneider sagt:

    Vor fast 30 Jahren schrieb schon Herbert Haag:
    “Sein (Papst J P II) Hauptargument ist, bei der ersten Priesterweihe beim letzten Abendmahl seien nur Männer anwesend gewesen, und nur sie hätten von Christus die Vollmacht zur Feier der Eucharistie empfangen. Konsequenterweise müsste man folgern, dass nur Männer die Kommunion empfangen dürfen, weil Jesus sie nur Männern gereicht hat. Man müsste folgern, dass nur jüdische Männer Priester werden können, weil Jesus nur jüdische Männer geweiht hat. So kommt man von Absurdität zu Absurdität.”
    Aber eben: römische Theologie.

    • stadler karl sagt:

      Aber genau das ist doch der Ppunkt: Der Nazarener hätte gewiss einige Frauen zu diesem symbolträchtigen Ereignis einladen können. Wenn das Abschiedsmahl wirklich am Sederabend stattgefunden haben sollten, so fällt doch auf, dass diese Feier am Vorabend in der damaligen jüdischen Gesellschaft keineswegs in Männerrunden begangen wurde. Jesus hätte hier doch ein wenig mehr Sensorium entwickeln sollen. Oder er hat diesem letzten Mahl mit den Jüngern vielleicht gar nicht die Bedeutung zumessen wollen, die ihm bald einmal in der frühchristlichen Theologie zukam. Oder, was auch möglich sein könnte, er war in dieser Frage ein etwas unbeweglicher, streng gesetzestreuer Jude! Wenn man sich die Bedeutung der Sakramente vor Augen hält, dann empfindet man als Nicht-Theologe wirklich Schwierigkeiten, nachzuvollziehen, warum deren Spende an das männliche Geschlecht gewbunden sein soll.

  • Dr. theol. Stephan Schmid-Keiser sagt:

    Romano Guardini hat ab den 1920ern viel zur Neubelebung des Gedankens eines Zusammenspiels beim Gottesdienstfeiern beigetragen und sprach betont vom Erwachen der Kirche in der Seele (im Singular!). Auffallend deutlich sprach er den Einzelnen ihre persönliche Beziehung zu Gott bzw. Christus nicht ab und motivierte die Menschen in der Kirche zum Mitwirken in den Feiern des Glaubens.

    Seither haben sich die Fragen verschärft. Wer repräsentiert Christus? Ist dies nicht eine spirituelle Unmöglichkeit? Stehen Menschen am Altar, fragen sie sich womöglich periodisch, ob sie sich dabei nicht doch zu sehr ins Fahrwasser der Selbstdarstellung begeben. Viel hängt von der Lösung dieser Frage ab, welcher ich in meiner Dissertation über die «Aktive Teilnahme. Kriterium gottesdienstlichen Handelns und Feierns» nachging. Ich kam zum Schluss, dass es künftig bedeutsam ist, wegzukommen von einer Haltung, die sich mit Blick auf Christus zu absolut mit der Priesterrolle identifiziert.

    Es geht also um die Frage WER in den Feiern des Glaubens – selbstverständlich dazu beauftragt bzw. sakramental gesandt – in der Person Christi handeln kann. Anders und präziser gefragt: Ob jemand mit seiner priesterlichen Existenz überhaupt für sich beanspruchen kann, Christus zu repräsentieren? Die Frage so stellen, will schon Position beziehen. Denn Christus zu repräsentieren, kommt einer Selbstüberschätzung und spirituellen Unmöglichkeit gleich, die niemand je so vollziehen kann – woran aber im nach wie vor dominanten Priesterbild mehr oder weniger bewusst festgehalten wird. Die in Chur lehrende Theologieprofessorin Eva-Maria Faber stellte dazu entsprechende Thesen zusammen. Ihre Analysen bestätigen im Kern, worum es bei der sakramentalen Realisierung der Eucharistie geht. Einige der Thesen Fabers seien hier in eigene Worte gefasst und mit Fragen ergänzt. Nach E.-M. Faber geht es darum, dass in der Eucharistie der gegenwärtige Christus repräsentiert wird; dass dargestellt wird, was nicht (z. B. durch einen priesterlichen Darsteller) darstellbar ist. Der Priester verschmelzt nicht mit Christus, sondern tritt in Beziehung zum Auferstandenen. Er ist personales Zeichen, das in Relation zum Bezeichneten findet. Daraus entnehme ich: die Feier der Eucharistie soll nicht zur Solovorstellung verkommen. Ebenso soll das Handeln «in persona Christi» Raum lassen für ein dialogisches Verhältnis von Ich und Du, d. h. die persönliche Beziehung des Vorstehers zu Christus. Faber schliesst draus: «Der Priester steht auf der Ebene des Zeichens und dienend für die Gegenwart Jesu Christi ein.» Meine Frage Warum soll dies nicht auch eine getaufte und um sakramentale Sendung bittende bzw. ein*e dazu berufene Christ*in tun dürfen? Faber weiter: Wer einer Eucharistie vorsteht, ist dazu besonders aufgetragen, dem hier Dargestellten zu entsprechen bzw. Jesus Christus nachzufolgen. Und: «Die mitfeiernden Glaubenden haben und pflegen eine Beziehung nicht zum ‘Repräsentanten Christi’, sondern zur Person des Auferstandenen selbst.» Dennoch bleibt die Anfrage, warum wird durch die Verantwortlichen in unserer Kirche nicht ernstgenommen, dass es zahlreiche erfahrene Personen gibt, die sich gerne zu einer sakramentalen Sendung entscheiden würden, weil sie gerade aus dieser Beziehung zum Auferstandenen spirituell bzw. religiös schöpfen?

    • Patrick Bernold sagt:

      Ich (55) unterstütze seit meiner kirchlichen Jugendmitarbeit alle Bemühungen, dass auch Frauen Schritt für Schritt in der katholischen Kirche zum Priesteramt gelangen können sollten. Aber wenn Sie jetzt noch mit dem unsäglich-modisch-linken *-Genderismus jedes Mass sprengen wollen, werden Sie vermutlich ausser noch mehr Spaltung in absehbarer Frist gar nichts erreichen – in einer immer weniger Mitglieder zählenden Kirche, als es jetzt schon traurigerweise der Fall ist. Die Kirche kann in neuer Form überleben, wenn sie wieder die “Zeichen der Zeit erkennt” und dem Heiligen Geist das Wehen in ihren alten Gebäude erlaubt. Dem Heiligen Geist – nicht einem socialmedia-orientierten “Lifestyle-Spirit” einer weitgehend verwirrt-polarisierten Gesellschaft. Den Strukturkonservativismus brechen – die “Untergangsverwaltung” in so vielen Kirchgemeinden… Schreiben Sie vielleicht auch darüber mal – als promovierter Theologe sollten Sie doch nicht in einem rein theologischen Elfenbeinturm stecken. Alles Gute!

      • Dr. theol. Stephan Schmid-Keiser sagt:

        Damit Sie mich recht verstehen: Meine Reflexionen haben den Beitrag von Walter Ludin weiterführen wollen. Und dies ausdrücklich aus theologischer und spiritueller Perspektive. Tatsächlich geht es nun in äussert prekärer Zeit, in welcher sich unsere Kirche befindet, um eine neue Glaubwürdigkeit mitten in der Krise einer Gesellschaft. Beide – Kirche und Gesellschaft – sind mir nicht gleichgültig. Blicke ich auf die eigene langjährige Tätigkeit in der Seelsorge u. a. auch als Gemeindeleiter zurück, kann ich nur festhalten: Die Zusammenarbeit unter den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seelsorge ist das A und O, um zu neuer Glaubwürdigkeit zu gelangen und ist die wichtigste Voraussetzung, um mit den Menschen auf den Weg zu gehen. So viel zur Untergangsstimmung, die sich auf dem Weg mit Jesus unter den Menschen seit eh und je einstellen kann. Es ist gut, wenn uns jetzt vor Pfingsten das Beten um die Kraft aus Gottes Geist dennoch über alle unterschiedlichen Meinungen hinaus verbindet. (P. S. Wo es für mich einige Male darum ging, bei der Aufarbeitung von z. T. extremen Konfliktfällen in kirchlichen Gemeinschaften mitzuhelfen, galt es vorab auch die spirituelle Komponente einzubringen – darum darf ich bis heute mit meinen Reflexionen oder auch Praxishilfen wie etwa in meinem Buch WENN GOTT ZUR SPRACHE KOMMT. Zur Erschliessung des Lesejahres B. Regensburg 2020 zu einer anderen Sicht der Dinge beitragen.)

  • Hansjörg sagt:

    Frauen sind nicht gleichwertig!

    Wenn die kath. Kirche überleben will, muss sie sich selbst reformieren. Es kann einfach nicht sein, dass Regeln, die vor rund 2000 Jahren im arabischen Raum definiert wurden, nie überarbeitet werden. Alles Andere auf dieser Welt hat sich weiterentwickelt, nur die alten Männer in Rom klammern sich an Ihre Macht. Ich bin überzeugt, dass es zum grössten Teil um die Erhaltung der eigenen Macht geht und die kirchliche Lehre nur vorgeschoben wird.

    Innerhalb der kath. Kirche sind Frauen heute nicht gleichberechtigte und nicht gleichwertige Menschen. Das ist falsch.

    • In der Institution Katholische Kirche kämpfen Frauen um Gleichberechtigung in allen Ämtern. Wenn ihnen auch diese Forderung gewährt werden wird, werden sie von der Amtskirche noch lange nicht als “FRAUEN” anerkannt. Erst wenn die Tatsache besteht, Frau eines Priesters sein zu können, hat sie die Gewissheit, als “FRAU” in den Augen der 1000- jährigen Männerdomäne respektiert zu werden und in Gottes Schöpfung wieder gleichberechtigt zu sein.
      “Soviel List du auch brauchen magst, die Wahrheit überlistest du nicht.”
      Ilse Sixt

      • Hansjörg sagt:

        Anders rum !
        Ich denke, erst wenn ein Mann der Ehemann einer Priesterin sein kann, ist die Gleichberechtigung in der kath. Kirche erreicht.

        • Pia Tschupp sagt:

          Mir scheint, noch fehlt es an freiem Platz für Neues, für Gleichberechtigung in der kath. Kirche. Noch drücken zu viele Altlasten auf den Schultern unserer Kirchenväter. Wie wär’s mit einem Frühlingsputz hinter altehrwürdigem Gemäuer? Noch ist es nicht zu spät.

  • Platz für Neues. Gerade gestern Abend kam mir ein Leserinnenbrief aus dem Jahr 1981 in die Hände: «Ein heiliger Zorn kommt über einem, wenn immer wieder Neues aufgetischt wird, wovon man ja zum voraus weiss, dass es nicht erlaubt ist. Aergern könnte man sich über den Ungehorsam heutzutage über den Ungehorsam! Ein Benehmen wie trotzige Kinder.»
    Die Absenderin bezeichnet sich als «ganz einfacher Laie»!

  • Dr. Raming, Ida sagt:

    Seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) kämpfen Frauen für ihren gleichberechtigten Zugang zum Diakonat und Priesteramt….
    Ich verweise auf die wichtige Dokumentation von Ida Raming: “55 Jahre Kampf für Frauenordination in der katholischen Kirche. Eine Pionierin hält Rückschau – Personen, Dokumente, Ereignisse, Bewegungen ” (Lit Verlag 2018) – jetzt auch in Englisch!
    Das Buch schildert eindringlich die Widerstände, die sich den Pionierinnen entgegen stellen, aber auch die Widerstandkraft der Kämpfenden, weil sie von der Überzeugung geleitet sind: “Wahrheit wird letztlich siegen – nicht die Lüge!”

    Ich appelliere an alle Frauen und gerecht gesinnte Männer, den Kampf um Anerkennung der Menschenrechte für Frauen in der kath. KIrche nicht aufzugeben!
    I. Raming, Dr. theol. – Mai 2021

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