Walter Ludin

«Liebe Kirchen, seid bitte still!»

Die Kirchen sollen sich hüten, den Hungrigen in Afrika Brot auszuteilen. Sie dürfen den Menschen, die in Lateinamerika an den Folgen des Bergbaus leiden, nicht Medikamente schicken. Dies alles ist Aufgabe des Staates.

Nein, es ist völlig undenkbar, dass hierzulande jemand sich so äussert. Doch wenn die Kirche sich für eine menschenfreundlichere Politik und Wirtschaft einsetzt, gibt es Zoff – wie wir in diesen Tagen öfters erfahren.

Doch ich denke da an Erzbischof Hélder Câmara, der gesagt hat: «Wenn ich den Hungernden zu essen gebe, bin ich ein Heiliger. Wenn ich frage, warum Menschen hungern, bin ich ein Kommunist.»

Oder wie ein anderer Grosser der neuen Kirchengeschichte es ebenso treffend formulierte: Joseph Cardijn, der Gründer der katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB. Er meinte, es reiche nicht, sich um die kranken Fische zu kümmern, wenn das Fischwasser krank sei.

Die Kontroversen um die Frage, wie weit die Kirchen sich in Politik «einmischen» dürfe (vgl. KOVI) werden weitergehen. Hoffentlich wird sich jemand an diese Aussagen erinnern.

Bildquellen

  • KRETA 2017 056: Bildrechte beim Autor
Almosen hui? «Politik» pfui? © Walter Ludin
3. Dezember 2020 | 18:00
von Walter Ludin
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0 thoughts on “«Liebe Kirchen, seid bitte still!»

  • Hansjörg says:

    Ich denke, im ersten Satz des zweiten Abschnittes müsste es “undenkbar” statt “undankbar” heissen.

    So wie es auch undenkbar sein sollte, dass es in der kath. Kirche Menschen mit ungleichen Rechten gibt. Nämlich Männer mit allen Rechten und Frauen, die nicht gleichberechtigt sind. Das auch noch im Jahr 2020.

  • Roland Xander says:

    Das Wort Gerechtigkeit kommt immer wieder in der Bibel vor, und im Diesseits ist dafür vor allem die Politik zuständig. Es gehört zum Grundauftrag der Kirche, in diesem Sinne politisch zu sein, wohlgemerkt, nicht parteipolitisch.

  • Markus Ries says:

    Selbstverständlich werden Gläubige sich erinnern an Aussagen von Hélder Câmara, Joseph Cardijn und Walter Ludin. Es ist wichtig, dass die Kirche Zeugnis gibt und hinsteht. So war ich dankbar für viele profilierte und engagierte Voten im zurückliegenden Abstimmungskampf – auch für jene mehrerer Kirchenexponenten! Zielgruppenangehöriger, der ich war, konnte ich die Debatte allerdings nicht als gut und konstruktiv empfinden – von keiner der beiden Seiten. Ich wünsche mir einen anderen, respektvollen Umgang, gerade so, wie ich ihn sonst in der Politik oft erlebe, in jenen Bereichen allerdings, in den denen politische Klein- und Knochenarbeit geleistet wird, ehrenamtlich, ohne Scheinwerferlicht, Transparente und Geschrei, aber auch ohne kath.ch und Orgelbegleitung. Hier war es anders: Die einen haben die anderen pauschal als Halunken diffamiert, die anderen haben die einen mit Kirchenbashing überzogen. Auf beiden Seiten ist man – eher un-franziskanisch – mit vielen Millionen Franken ins Feld gezogen. Merkwürdige Kompromisse auf allen Seiten: Die Init*iantinnen wollten per Verfassung “Rücksicht” nehmen auf Menschenrechtsverbrechende und sie von der Haftpflicht ausnehmen, sofern es sich um mittelgrosse oder kleine Konzerne mit günstiger Risikoeinschätzung handeln würde; und im Schluss-Satz warben sie de facto auch noch mit der Parole “Schweizer Recht vor Völkerrecht”. Dieweil die Gegenseite die Zuhörenden als blöd hinstellte und ihnen nicht einmal die Unterscheidung zwischen Zivilrecht und Strafrecht zutraute. Das Transparent am Fenster des Kapuzinerprovinzials war ein Zeichen von Engagement und Ueberzeugung. Gleichzeitig erinnerte es an grosse Traditionen: Gerade von Kapuzinern bekamen viele Generationen von Gläubigen zu hören, was sie zu tun hätten, damit ihr Leben als gut und gottgefällig gelte – der Begriff “Kapuzinerpredigt” steht immer noch im Duden (2017). Man könnte vielleicht eine Schweizerkarte zur Hand nehmen: Wo stehen die Niederlassungen dieser Gemeinschaft? Wo wurde die Initiative wie hoch abgelehnt?

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