Heinz Angehrn

KVI

Schon ganz viel rhetorisches Wasser ist diesen Abstimmungsbach hinuntergelaufen; ich brauche nicht unbedingt noch grosse Mengen hinzuzufügen. Dass ich Ja stimmen werde, ist wohl jedem/r klar. Dass dieses Ja nicht einmal christlich begründet werden müsste, sondern nur schon die Folge einfachster Ethik ist, ist wohl auch klar. Doch da mein Leibblatt NZZ konsequent und schon seit Wochen gegen die KVI schiesst und auch meinen Leserbrief zu einem Artikel gegen das Engagement der Kirchen in dieser Frage nicht abgedruckt hat, hier dieser Leserbrief, wie ich ihn am 09.10. als Reaktion auf den Artikel von S.Hehli zustellte:

‘Ja welches sind denn nun die «existentiellen Herausforderungen», die sich den Landeskirchen stellen? Der «dramatische Mitgliederschwund» als Folge der postmodernen Gesellschaft mit ihrem Beliebigkeitsdenken lässt sich sicher nicht aufhalten, indem die Kirchen ihr Mäntelchen nach allen Winden drehen, die ihnen einige Steuereinnahmen mehr bescheren. Nichts ist mittelfristig sicherer als die Tatsache, dass die Trennung von Kirche und Staat nicht zu verhindern ist. Und auf den Tag freuen sich inzwischen schon recht viele, egal, welchem Kirchenflügel sie angehören. Der Verlust an materieller Sicherheit und an gesellschaftlichem Einfluss ermöglicht mehr Profil, mehr Glaubwürdigkeit und mehr Einstehen für die Kernbotschaft. Dass «diese Wirtschaft tötet» (Papst Franziskus), nicht immer, aber gelegentlich, und je weiter von sicherem Schweizer Boden entfernt, desto mehr, ist kaum zu leugnen. Und von engagierten Kirchenvertretern erwarte ich mehr Engagement in sozialethischen Fragen als masochistische Selbstbetrachtung in Fragen von Struktur und Ämtern. Die KVI wird wirklich zur Gewissensfrage: Weiterhin Anpassung oder mehr Widerstand?’

Bild: kath.ch, zVg
15. November 2020 | 14:56
von Heinz Angehrn
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0 thoughts on “KVI

  • stadler karl says:

    Ja. da haben Sie gewiss recht. Diese Wirtschaft tötet manchmal, völlig unnötigerweise und entgegen jeglichem Rechtsempfinden! Darum auch diese Initiative! Aber sie tötet längstens nicht immer. Sie vertreibt wahrscheinlich an vielen Orten tatsächlich auch gewaltig viel materielle Armut, und zwar in einem Ausmass, wovon Hilfswerke nur träumen können. Doch zu einem sehr hohen Preis, zulasten ökologischer Vielfalt, und teilweise gar zulasten von Grundlagen, von denen die Menschheit abhängig ist. Aber der Fluch ist doch, dass wir alle, längst nicht nur die Konzerne oder die “Wirtschaft”, in diese Verwerfungen massiv verstrickt sind. Und dies keineswegs nur hier im Westen. Der stetig wachsende Wohlstand, nachdem alle rund um den Globus streben, kostet eben, aber keineswegs nur Geld.
    Wer heute beruflich tätig ist, ist zumeist auf ein Smartphone angewiesen, wenn man sich nicht ins Abseits stellen will. Die ökologischen und menschrechtlichen Zusammenhänge kennen wir. Nicht nur der weltweite Fleischverzehr erzeugt mehr klimarelevante Schadstoffe als der gesamte Autoverkehr. Auch der weltweite Internetkonsum nährt sich gesamthaft aus Energiequellen, die mehr Schadstoffe ausstossen als der weltweite gesamte Flugverkehr. Man stelle sich dies einnal vor! Und wir alle machen doch mit, auch wenn hierzulande der Energieverbrauch vielleicht weniger fossilgestützt erfolgt. Wer kauft nicht dann und wann eine feine Päcklisuppe? Welche Stoffe sind darin enthalten? Mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Palmöl, an sich ein gutes Produkt, doch mit grossen Kollateralschäden behaftet.
    Ivan Glasenberg, der CEO von Glencore, gab der NZZ letzte Woche ein zweiseitiges Interview und redete natürlich die Tätigkeit dieses Konzerns über weite Strecken schön. Aber er äusserte auch Wahrheiten, die nun einmal kaum zu betreiten sind: Der weltweite Energieverbrauch ist in rasantem Tempo im Wachsen begriffen, keineswegs nur bei uns im Westen. Der Wachstumsanteil an erneuerbaren Energien ist fast hoffnungslos im Hintertreffen und erreicht derzeit bei weitem nicht 10 Prozent! Dies ist leider keine Erfindung von Glasenberg, der mit seinem Konzern immer auch noch Kohle produziert, was er persönlich offenbar auch nicht für gut hält. Und als Eigner solcher Konzerne fungieren keineswegs nur reiche Bonzen. Nicht wenige institutionelle Anleger finden sich darunter, wie z.B. Pensionskassen. Das sind ja nur ganz wenige Beispiele. Aber sie zeigen, dass wir alle letztlich an diesen menschenrechts- und umweltrelevanten Verwerfungen mitbeteiligt sind. Wir haben uns masslos verrannt! Und auch die Regime vor Ort, wo diese Konzerne in der Regel tätig sind, können sich keineswegs als Opfer darstellen und aus der Verantwortung stehlen. Wenn diese korrupten Eliten sich konsequent um das Wohl ihrer eigenen Bevölkerung kümmern würden, hätten es die Manager-Garden der Konzerne nicht so leicht, halbwegs rechtsfreie Räume so schamlos auszunützen.
    Für die KVI einzustehen ist nach meiner Meinung dringend angezeigt. Als Aussenstehender muss man sich dabei nicht zwingend auf die christliche Sozialethik abstützen, wie Sie richtig anmerken. Aber das altbewährte, kulturübergreifende Prinzip der Goldenen Regel gebietet ebefalls ein eindeutiges Ja.

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