Meinrad Furrer

Jeder seines Glückes Schmied?

Auf einem unserer Fastenchats hat jemand kürzlich folgenden Satz gepostet:

«Es liegt immer in meiner Entscheidung, ob ich glücklich bin.»

Solche Sätze triggern mich! Natürlich ist es so: wenn wir etwas wiederholt immer gleich denken oder tun oder uns immer das Gleiche reinziehen, dann verändert das unser Sein. Unser Gehirn nimmt andere Strukturen an, unsere Seele schwingt in den Frequenzen dessen, was wir immer wiederholen. Und darin haben wir durchaus Entscheidungsmöglichkeiten. Wir können uns für Dinge entscheiden, die uns guttun oder für Dinge, die uns schaden. Insofern hat Glück und Unglück tatsächlich etwas mit unseren Entscheidungen zu tun.

Aber so absolut stimmt der Satz für mich nicht. Es gibt so viele Lebensumstände oder Schicksalsschläge, die so mächtig sind, dass es zynisch wäre, den Betroffenen die Schuld für ihr Unglück in die Schuhe zu schieben.

Für mich ist deshalb beim Fasten der Zusammenhang zwischen eigener körperlicher und spiritueller Erfahrung und der sozialen Dimension sehr wichtig. Beides ist wichtig: ohne Selbstsorge bin ich nicht fähig zu wirken, aber ohne den Blick für die anderen wird die Selbstsorge eng.

Wir haben diese Woche Fastenmeditationen durchgeführt. Gestern meditierten wir über einen Text von Niklaus Brantschen. Er betont dabei, dass Fasten durchlässiger macht und dankbarer. Darum geht es. Fasten unterstützt die Befreiung aus der Enge der Sorge um das kleine Ego und macht empathischer für andere Lebenssituationen. Und das Gefühl der Dankbarkeit hilft, zu merken, wie privilegiert ich bin.

In den Fastenmeditationen haben wir diese Bewegung in den Atemübungen nachvollzogen. In der ersten Hälfte der Woche haben wir Atemübungen gemacht, um sich selber zu nähren und Ballast loszulassen. In der Mitte der Woche ging es um die Wechselatmung, die mich in Balance bringen kann. Heute nun machten wir eine Atemübung, die aus dem tibetanischen Buddhismus stammt. Dabei geht es darum, beim Ausatmen Wärme und Mitgefühl zu verströmen für Menschen oder Systeme, die in der schweren Energie des Immer mehr gefangen sind. Beim Einatmen nehme ich deren Energie auf um sie in Liebe und Wäre zu verwandeln und sie wieder abzugeben.

Dieses empathische Geben ist typisch für Menschen, die aus spirituellen Gründen fasten. Viele geben einen Teil des Geldes, das sie durch den Verzicht gespart haben, an andere weiter.

Die kirchlichen Hilfswerke thematisieren in diesem Jahr die Klimagerechtigkeit. Leider ist es so, dass die am stärksten betroffenen Länder am wenigsten zur Klimaerwärmung beigetragen haben. Wir privilegierten Bewohner von Europa können Verantwortung übernehmen, indem wir unseren Lebensstil anpassen und weniger Ressourcen verbrauchen. Und wir können Projekte unterstützen, die den unter den Klimafolgen Leidenden unter die Arme greifen. Ideen für die Unterstützung von Projekten finden sich hier.

Menschen, die weniger haben als wir gibt es auch in Bosnien. Dort leben zahlreiche Menschen auf der Strasse oder unter widrigsten Bedingungen. Viele von Ihnen sind Menschen auf der Flucht. Der Verein yougend.ch unterstützt die Hilfswerke vor Ort mit Sammelaktion und Materialspenden. Nahrung, Kleidung und medizinische Grundversorgung werden an die Menschen gebracht, welche in Fabrikhallen, Zelten oder Häuserruinen leben.

Dieser Beitrag erscheint auch auf 40tage.ch

Apfel auf Hand | © 2014 pixabay CC0 Public Domain
12. März 2021 | 20:00
von Meinrad Furrer
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