In Frieden leben: der Wunsch der palästinensischen Bevölkerung. © zVg
Walter Ludin

Fragen zum Staat Israel

Zuerst: Eines ist auch für mich klar. Der Staat Israel ist eine Realität. Er hat das Recht zu existieren. Aber schon hier beginnt die – nicht nur theoretische! – Frage: Wie sieht dieser Staat aus? Welche Gebiete gehören zum ihm? Israel ist ja der weltweit einzige Staat, der keine Staatsgrenzen festlegt.
Konkret: «Wer sich für die Existenz Israels einsetzt, muss also vor allem die Frage klären, welches Israel er meint: das Israel, das der Teilungsbeschluss der UNO 1947 schaffen wollte (55% Palästinas); den Kernstaat vor dem Krieg von 1967 (78%) oder diesen Kernstaat plus die in diesem Krieg besetzten Gebiete (100%); oder gehören auch die im Süd-Libanon und die neuerdings in Syrien eroberten und besetzten Gebiete dazu?» So fragt der deutsche Journalist Arn Strohmeyer.
Er nennt den Grund, warum Israel keine festgelegten Staatsgrenzen hat: «Der Zionismus setzt von seinen Anfängen an auf ständige Expansion seines Staatsgebietes. Wenn man aber von der Existenz eines Staates spricht, muss klar sein, was genau sein Herrschaftsgebiet ist, in dem er juristische Gewalt ausübt. Das ist bei Israel aber überhaupt nicht gegeben. Völkerrechtlich anerkannt ist nur der Kernstaat Israel, der vor dem Krieg von 1967 bestand.»
«Erschüttert»
Ich zitiere diesen Artikel aus dem +972-Magazin, das von israelischen und palästinensischen Journalisten und Bloggern herausgegeben wird. https://de.wikipedia.org/wiki/%2B972_Magazine. Im Anhang zum Artikel steht die Grundsatzerklärung:
«Unser Team ist erschüttert von den schrecklichen Ereignissen dieses jüngsten Krieges. Die Welt ist erschüttert von Israels beispiellosem Angriff auf Gaza, der den belagerten Palästinensern massive Zerstörung und Tod gebracht hat, sowie von den grausamen Angriffen und Entführungen durch die Hamas in Israel am 7. Oktober. Unsere Herzen sind bei allen Menschen und Gemeinschaften, die dieser Gewalt ausgesetzt sind.
Wir befinden uns in einer ausserordentlich gefährlichen Phase in Israel und Palästina. Das Blutvergießen hat ein extremes Ausmaß an Brutalität erreicht und droht, die gesamte Region zu verschlingen. Durch die Armee ermutigt, nutzen Siedler im Westjordanland die Gelegenheit, um ihre Angriffe auf Palästinenser zu verstärken. Die rechtsextremste Regierung in der Geschichte Israels verschärft die Überwachung von Dissidenten und nutzt den Krieg als Vorwand, um palästinensische Bürger und linke Juden, die ihre Politik ablehnen, zum Schweigen zu bringen.
Diese Eskalation hat einen ganz klaren Hintergrund, über den +972 seit 14 Jahren berichtet: den wachsenden Rassismus und Militarismus in der israelischen Gesellschaft, die festgefahrene Besatzung und Apartheid sowie die normalisierte Belagerung des Gazastreifens.»
Wieder einmal: So schreiben nicht linke ahnungslose Schweizer mit «antisemitistischen» Tendenzen, sondern Menschen vor Ort, darunter auch Juden.

In Frieden leben: der Wunsch der palästinensischen Bevölkerung. © zVg
1. September 2025 | 10:49
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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6 Gedanken zu „Fragen zum Staat Israel

  • stadler karl sagt:

    Ja, eine weitere dämonisierende Interpretation der Geschichte Israels. Noch nie, wirklich noch nie, habe ich in all den Jahren, wo Walter Ludin in seinem Blog den Nah-Ost-Konflikt thematisierte, eine Darstellung aus der Perspektive Israels gelesen. Die Täter standen immer auf der Seite des Judenstaates, die Opfer auf der palästinensischen Seite. Egal, was passierte. Natürlich ist Israel nicht perfekt. Das behauptet ja auch niemand. Und es hat meines Erachtens auch alles Recht dazu, nicht immer perfekt zu sein, so wie alle andern Staaten auch. Aber die Doppelstandards, die auf Israel, gerade auch im Zusammenhang mit dem jetzigen Krieg, angewendet werden, sind abzulehnen. Gefangen in der teilweisen linken Obsession, dass der Judenstaat nichts weiter als ein koloniaes Gebilde darstellt, ist dies allerdings weiter ja auch nicht verwunderlich. Der historische Prozess spielt ja offenbar weitherum ohnehin keine Rolle.
    Dass in Israel die Meinungen bezüglich der Weiterführung des derzeitigen Gaza-Krieges und der Frage der Methode der Befreiung aller Geiseln, die auf verbrecherische und grausamste Weise von der Hamas festgehalten werden, teilweise weit auseinanderdriften, selbst oder gerade auch in Militärkreisen, trifft zu und ist bekannt. Es ist ja auch eine hochkomplexe Angelegenheit, in einem so dicht besiedelten Gebiet wie Gaza gegen einen Gegner Krieg führen zu müssen, der systematisch und gezielt die Zivilbevölkerung als Schutzschild benutzt und gezielt aus dichtest besiedelten Gebieten, aus Spitälern, Schulen usw. heraus mBlogilitärisch operiert, um die Opferzahl der zivilen Bevölkerung möglichst hochzuhalten und dies propagandistisch auszuschlachten. Dennoch: Die Zitate, die in diesem Blog einmal mehr gegen Israel angeführt werden, widerspiegeln in keinster Weise die Mehrheitsmeinung der israelischen Opposition, also auch in der politischen Gegnerschaft zur jetzigen Regierung, auch nicht im linken Spektrum. Das können sich die selbstgerechten Europäer schlicht abschminken.
    Vielleicht würde Herr Ludin sich auch einmal etwas breiter informieren, verschiedene Beurteilungen und Sichtweisen über die Zusammenhänge konsultieren. Es gibt ja eine Riesenanzahl an Literatur, die keineswegs nur homogene Meinungen und Beurteilungen wiedergibt. Ein Vorschlag wäre, aus der Schriftenreihe der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (Bd.45): Stephan Grigat, “Vom Antijuadismus zum Hass auf Israel. Interventionen zur Kritik des Antisemitismus.” Es finden sich dort lesenswerte Beiträge, die das ganze Geschehen teilweise aus einer anderen Perspektive empirisch beleuchten als die Beiträge von Walter Ludin in seinem Blog. Erschienen ist die Schrift dieses Jahr 2025.

  • Pia Tschupp sagt:

    Welche Brille muss man sich wohl aufsetzen, um die aktuelle Situation im Nahen Osten so zu sehen, wie Sie, geehrter Herr Stadler, dies tun?
    Natürlich möchte man Fakten wie den 7. Oktober, die Hungersnot, Vertreibungen, Proteste auf Israels Strassen, die Mär vom Hamas-Aus, Verhinderung einer Zwei-Staaten-Lösung, Verletzung der Menschenrechte, Missachtung der Pressefreiheit, und, und, und, aus Selbstschutz am liebsten ausblenden. Der Schmerz darüber ist unerträglich.
    Und Ihr erwähntes Verständnis für den “historischen Prozess” hilft keinem einzigen Menschen mehr in Israel/Palästina. Leider.

    • stadler karl sagt:

      Man muss sich keine Brille aufsetzen, Frau Tschupp! Man muss sich lediglich bemühen, nicht alles unkritisch hinzunehmen, was in weiten Teilen der Medien breitgeschlagen wird. Die Hamas ist äusserst erfolgreich in ihrem Propagandakrieg. Bei aufmerksamem Hinschauen und dem Bemühen, auch israelische und jüdische Darstellungen und Standpunkte ernst zu nehmen, wird man bald merken, dass auf Israel zum Teil völlig andere Standards als in andern Konflikten angewendet werden und schon immer angewendet wurden, und dass mit Halb- und Unwahrheiten um sich geschlagen wird. Dass in Gaza derzeit eine äusserst schlimme humanitäre Lage herrscht, bestreitet kaum jemand. Aber man sollte auch benennen, wer letztlich für diese Zustände verantwortlich ist, statt in voreiliger Gefolgschaft gegenüber der Hamaspropaganda Israel des sytematischen Aushungerns der Zivilbevölkerung und des Genozids und weiteres mehr zu bezichtigen.

      • Pia Tschupp sagt:

        Siehe infosperber.ch “Israel ermöglichte Hamas-Überfall, um selber loszuschlagen” vom 4. Sept. 2025.
        Trotz Kriegs-Lügen-Propaganda hier und da lässt dieser Bericht aufhorchen.

    • Hansjörg sagt:

      Beantworten Sie doch die folgenden Fragen Frau Tschupp

      – Wer hat den Krieg am 7. Oktober 2023 losgetreten, und das im Wissen was dann passieren wird?
      – Hat die Hamas schon alle Geiseln frei gelassen?
      – Weshalb kriecht die Hamas nicht aus ihren Löchern und legt die Waffen nieder um den Krieg zu beenden?
      – Wie lange kann sich’s die Hamas Führung in 5* Hotels in Katar noch gut gehen lassen, während das Volk verblutet?
      – Ist das Grosse Ziel der Hamas immer noch, die totale Auslöschung des Staates Israel?

  • Pia Tschupp sagt:

    Zu Frage 1: Das waren die HAMAS-KÄMPFER. Können Sie sich vorstellen, wie eine optimal gesicherte, hohe Trennmauer mit Bewegungsmeldern, automatischen Maschinengewehren, Spähern …. durchbrochen werden kann?
    Zu Frage 2: NEIN, es gibt noch Geiseln im Gazastreifen. Haben Sie diesbezüglich von Vereinbarungen gehört in letzter Zeit?
    Zu Frage 3: Kriege können kaum einseitig beendet werden. Haben Sie sich auch schon gefragt, ob politische Seilzieher und die Waffenindustrie interessiert sind an verbindlichen Friedensvereinbarungen?
    Zu Frage 4: Das kann dauern. Glauben Sie nicht auch, dass dies schon immer so gewesen ist?
    Zu Frage 5: Dies wird die Zukunft zeigen. Zweifeln Sie an der Tatsache, dass aktuell das palästinensische Volk vertrieben wird?

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