Zuerst: Eines ist auch für mich klar. Der Staat Israel ist eine Realität. Er hat das Recht zu existieren. Aber schon hier beginnt die – nicht nur theoretische! – Frage: Wie sieht dieser Staat aus? Welche Gebiete gehören zum ihm? Israel ist ja der weltweit einzige Staat, der keine Staatsgrenzen festlegt.
Konkret: «Wer sich für die Existenz Israels einsetzt, muss also vor allem die Frage klären, welches Israel er meint: das Israel, das der Teilungsbeschluss der UNO 1947 schaffen wollte (55% Palästinas); den Kernstaat vor dem Krieg von 1967 (78%) oder diesen Kernstaat plus die in diesem Krieg besetzten Gebiete (100%); oder gehören auch die im Süd-Libanon und die neuerdings in Syrien eroberten und besetzten Gebiete dazu?» So fragt der deutsche Journalist Arn Strohmeyer.
Er nennt den Grund, warum Israel keine festgelegten Staatsgrenzen hat: «Der Zionismus setzt von seinen Anfängen an auf ständige Expansion seines Staatsgebietes. Wenn man aber von der Existenz eines Staates spricht, muss klar sein, was genau sein Herrschaftsgebiet ist, in dem er juristische Gewalt ausübt. Das ist bei Israel aber überhaupt nicht gegeben. Völkerrechtlich anerkannt ist nur der Kernstaat Israel, der vor dem Krieg von 1967 bestand.»
«Erschüttert»
Ich zitiere diesen Artikel aus dem +972-Magazin, das von israelischen und palästinensischen Journalisten und Bloggern herausgegeben wird. https://de.wikipedia.org/wiki/%2B972_Magazine. Im Anhang zum Artikel steht die Grundsatzerklärung:
«Unser Team ist erschüttert von den schrecklichen Ereignissen dieses jüngsten Krieges. Die Welt ist erschüttert von Israels beispiellosem Angriff auf Gaza, der den belagerten Palästinensern massive Zerstörung und Tod gebracht hat, sowie von den grausamen Angriffen und Entführungen durch die Hamas in Israel am 7. Oktober. Unsere Herzen sind bei allen Menschen und Gemeinschaften, die dieser Gewalt ausgesetzt sind.
Wir befinden uns in einer ausserordentlich gefährlichen Phase in Israel und Palästina. Das Blutvergießen hat ein extremes Ausmaß an Brutalität erreicht und droht, die gesamte Region zu verschlingen. Durch die Armee ermutigt, nutzen Siedler im Westjordanland die Gelegenheit, um ihre Angriffe auf Palästinenser zu verstärken. Die rechtsextremste Regierung in der Geschichte Israels verschärft die Überwachung von Dissidenten und nutzt den Krieg als Vorwand, um palästinensische Bürger und linke Juden, die ihre Politik ablehnen, zum Schweigen zu bringen.
Diese Eskalation hat einen ganz klaren Hintergrund, über den +972 seit 14 Jahren berichtet: den wachsenden Rassismus und Militarismus in der israelischen Gesellschaft, die festgefahrene Besatzung und Apartheid sowie die normalisierte Belagerung des Gazastreifens.»
Wieder einmal: So schreiben nicht linke ahnungslose Schweizer mit «antisemitistischen» Tendenzen, sondern Menschen vor Ort, darunter auch Juden.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant