Kind aus lateinamerikanischem Slum  © Bruno Fäh
Walter Ludin

Die Theologie der Befreiung lebt (Buchhinweis)

Josef Estermann: Herrschaft und Befreiung. Fünfzig Jahre Befreiungstheologie – eine Bestandesaufnahme | Edition Exodus Luzern. 2025 | ISBN 978-3-907386-04-0 | 191 S. | CHF 22.–
Die Theologie der Befreiung sei tot, hört man oft. Anderer Meinung ist Josef Estermann, der langjährige Leiter des Luzerner Romero-Hauses und ehemaliger kirchlicher Mitarbeiter in Peru und Bolivien: «Die Theologie der Befreiung ist lebendig und bunt, vielfältig und herausfordernd, vor allem aber nötiger denn je.»
Estermann weist dies in seinem neuen Buch nach, sehr kenntnisreich und leicht verständlich. Auf den ersten 40 Seiten skizziert er die Charakterzüge der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Der grösste Teil des Werkes ist ihren Veränderungen gewidmet, auch ausserhalb Lateinamerikas. Den Wandel verdankt sie «dem Auftauchen neuer Subjekte: Frauen, indigene und afroamerikanische Völker, sexueller Minderheiten, Mutter Erde, nicht-christliche Religionen».
Der Autor skizziert die neuen Formen der kontextuellen Theologien mit den Stichworten indigen, feministisch, ökologisch und interkulturell. Und er zeigt kurz und knapp, welche Gesichter sie in Ländern und auf Kontinenten angenommen hat.


«Die Siedlungsbewegung gehört zur gesamten zionistischen Bewegung.»
(Weiter aus den 80 Thesen von Gush Shalom)
ACHTUNG: Dieser Text kommt aus der ISRAELISCHEN Friedensbewegung – und kann damit nicht als «anti-semitisch» abgetan werden. Ich beschränke mich auf unkommentierte vier Thesen:
 47. Kaum war der (Sechs-Tage) Krieg beendet, begann die Siedlungsbewegung. Fast jede politische Gruppe des Staates beteiligte sich daran – von der messianisch-nationalistischen «Gush Emunin» bis zu den «Linken» der Vereinigten Kibbuz-Bewegung. Die ersten Siedler erhielten breite Unterstützung von Seiten der meisten Politiker, von linken und rechten, von Yigal Alon (jüdische Siedlung in Hebron) bis Shimon Peres (Kdumin Siedlung).
48. Die Tatsache, dass alle Regierungen Israels – wenn auch in unterschiedlichem Ausmass – die Siedlungen hegten und pflegten, beweist, dass das Siedeln auf kein besonderes ideologisches Lager beschränkt ist und zur gesamten zionistischen Bewegung gehört. Der Eindruck, die Siedlungsbewegung sei von einer kleinen Minderheit geschaffen worden, ist illusorisch. Nur die ständige Unterstützung seitens aller Regierungsbehörden von 1967 bis heute konnte die gesetzgeberischen, die strategischen und die Haushalts-Infrastrukturen schaffen, die für so ein lange dauerndes und ausgedehntes Unternehmen erforderlich sind.
51. Der Generalstab der israelischen Armee spielte bei der Planung und beim Bau der Siedlungen eine bedeutende Rolle. Er zeichnete die Karte der Siedlungen (Ariel Sharon): Blöcke von Siedlungen und Umgehungsstraßen, der Länge und der Breite nach, so dass das Westjordanland und der Gaza-Streifen zerstückelt sind und die Palästinenser in isolierten Enklaven eingesperrt werden, deren jede von Siedlungen und der Besatzungsarmee umzingelt ist.
52. Die Palästinenser nutzten verschiedene Methoden des Widerstandes, hauptsächlich Überfälle von Jordanien und dem Libanon aus und Angriffe innerhalb Israels und überall in der Welt. Diese Aktionen werden von den Israelis als «terroristisch» bezeichnet, während die Palästinenser in ihnen den legitimen Widerstand einer Nation unter Besatzung sehen. Die Führung der PLO, geleitet von Yasser Arafat, wurde von den Israelis lange Zeit als eine terroristische Führung angesehen, aber nach und nach wurde sie international als die «einzig legitime Vertretung» des palästinensischen Volkes anerkannt.

Kind aus lateinamerikanischem Slum © Bruno Fäh
24. Februar 2025 | 11:40
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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5 Gedanken zu „Die Theologie der Befreiung lebt (Buchhinweis)

  • stadler karl sagt:

    Ein weiteres Beispiel, wie in diesem Blog mit Halb- und Unwahrheiten operiert wird, um den Staat Israel zu verteufeln! Nicht legitime Israelkritik, die sehr wohl angebracht wäre, vielmehr antisemitische Hetze linker Provenienz in Reinkultur! So verhält es sich halt, wenn man nur denjenigen Stimmen Gehör schenkt, die einem ins Konzept passen und den Zerstörungswillen in Bezug auf den Staat Israel seitens eines ganz erheblichen Teiles der Paläatinenser und der islamischen Welt, der seit 1948 ununterbrochen andauert, schichtweg ausblendet.
    Aber was will man schon dagegen einwenden, wenn angeblich christlicher Friedensgeist angeblich sich allein aus unfehlbarer linker Ideologie nähren kann?

    • Jetzt aber reichts. Ich zitiere ISRAELIS, hoch angesehene, und dann heisst es, ich würde anti-israelische Propaganda verbreiten. Wohl nicht ganz logisch……

    • Daniel Ric sagt:

      Sehr geehrter Herr Stadler, ich finde es schon auffällig, dass Menschen, die immer von Offenheit und Meinungsfreiheit reden, gleichzeitig diejenigen Mitmenschen, die anderer Meinung sind, persönlich attackieren. Weiter möchte ich anmerken, dass es keinen angeblichen christlichen Friedensgeist gibt, sondern einen tatsächlichen. Jesus hat die Menschen seliggepriesen, die Frieden stiften. Dem Worte Jesu folgend haben etliche Menschen sich in den letzten 2000 Jahren bemüht, für Frieden einzustehen. Denken wir nur an die Gründerväter der EU, die allesamt katholisch waren und die Versöhnung der europäischen Nationen anstrebten. Bei all Ihren Wortmeldungen habe ich nie herausgehört, was Ihre Vorschläge für den Frieden sind? Hass schafft sicherlich nicht Versöhnung, sondern nur neuen Hass. Man kann doch sicherlich nicht behaupten, die Reaktion Israels auf das Unrecht vom 7. Oktober wäre moralisch gut oder friedensstiftend gewesen. Auch ich bringe Verständnis für Israel auf und stehe für das Existenzrecht Israels ein, aber genau das gleiche Recht haben auch die Palästinenser.

  • Pia Tschupp sagt:

    Schade, schade, schade, dass ein Dialog nicht immer zustande kommen kann hier auf diesem Blog, der einen Meinungsaustausch bieten möchte/sollte.
    Eigentlich sind wir alle 1897, 1917 oder1948 nicht dabei gewesen. Diese und viele andere entscheidenden Daten und Ereignisse im Nahen Osten haben wir nicht miterlebt. Wir müssen uns auf die Geschichtsschreibung verlassen. Je nach Verständnis, Standpunkt oder Lesart kann sie unterschiedlich interpretiert werden. Leider. Was aber in den letzten Jahrzehnten und bis heute geschehen ist, das alles haben wir ganz persönlich mitbekommen. In Wort und Bild. Von Susanne Brunner, Haaretz mit (zum Beispiel) Amira Hass und aus anderen Medien. Davon sind wir Zeugen und tragen Mitverantwortung. Wir alle.
    Eine konstruktive, sachliche Diskussion zur aktuellen Politik könnte allenfalls weiterhelfen. Uns ermöglichen, einen Umgang mit der unerträglichen Situation zu finden, Mitmenschen zu sensibilisieren und die Geschichtsschreibung positiv zu beeinflussen. Tun wir uns persönlich etwas Gutes damit!!!

  • Daniel Ric sagt:

    Als lehramtstreuer Katholik (den Begriff konservativ mag ich nicht) habe ich eine ambivalente Haltung zur Befreiungstheologie. Ich glaube, dass jeder Versuch der Selbsterlösung in die Irre geht und schlussendlich den Menschen versklavt. Deshalb bin ich allen Ideologien, von kommunistischen bis zu den westlich-liberalen, kritisch eingestellt. Ich kann verstehen, dass Päpste wie Johannes Paul II. und auch noch Benedikt XVI. kritisch eingestellt waren gegenüber Priestern in Lateinamerika, die sich politisch auf der Seite marxistischer Gruppen engagierten (wobei ich Marx als Denker sehr interessant finde). Auf der anderen Seite bin ich Papst Franziskus dankbar, dass er einen Priester wie Ernesto Cardenal rehabilitierte. Grundsätzlich glaube ich, dass wir als Katholiken uns für eine bessere Welt einsetzen müssen. Katholiken, meist konservative, die behaupten, dass man den Auftrag Jesu vernachlässige, wenn man sich zu sehr auf das irdische Wohl der Menschen konzentriere, missachten die Worte Jesu im Vaterunser, in der er “wie im Himmel so auf Erden” betet. Auch wenn es uns wohl nie gelingen wird, so dürfen – so müssen wir – von einer gerechten Welt träumen und mit unseren Taten dazu beitragen. Frieden ist ein wichtiger Teil auf diesem Weg. Wenn wir es nicht schaffen, die Waffen schweigen zu lassen, können wir uns nicht Jünger Jesu nennen.

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