Josef Estermann: Herrschaft und Befreiung. Fünfzig Jahre Befreiungstheologie – eine Bestandesaufnahme | Edition Exodus Luzern. 2025 | ISBN 978-3-907386-04-0 | 191 S. | CHF 22.–
Die Theologie der Befreiung sei tot, hört man oft. Anderer Meinung ist Josef Estermann, der langjährige Leiter des Luzerner Romero-Hauses und ehemaliger kirchlicher Mitarbeiter in Peru und Bolivien: «Die Theologie der Befreiung ist lebendig und bunt, vielfältig und herausfordernd, vor allem aber nötiger denn je.»
Estermann weist dies in seinem neuen Buch nach, sehr kenntnisreich und leicht verständlich. Auf den ersten 40 Seiten skizziert er die Charakterzüge der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Der grösste Teil des Werkes ist ihren Veränderungen gewidmet, auch ausserhalb Lateinamerikas. Den Wandel verdankt sie «dem Auftauchen neuer Subjekte: Frauen, indigene und afroamerikanische Völker, sexueller Minderheiten, Mutter Erde, nicht-christliche Religionen».
Der Autor skizziert die neuen Formen der kontextuellen Theologien mit den Stichworten indigen, feministisch, ökologisch und interkulturell. Und er zeigt kurz und knapp, welche Gesichter sie in Ländern und auf Kontinenten angenommen hat.
«Die Siedlungsbewegung gehört zur gesamten zionistischen Bewegung.»
(Weiter aus den 80 Thesen von Gush Shalom)
ACHTUNG: Dieser Text kommt aus der ISRAELISCHEN Friedensbewegung – und kann damit nicht als «anti-semitisch» abgetan werden. Ich beschränke mich auf unkommentierte vier Thesen:
47. Kaum war der (Sechs-Tage) Krieg beendet, begann die Siedlungsbewegung. Fast jede politische Gruppe des Staates beteiligte sich daran – von der messianisch-nationalistischen «Gush Emunin» bis zu den «Linken» der Vereinigten Kibbuz-Bewegung. Die ersten Siedler erhielten breite Unterstützung von Seiten der meisten Politiker, von linken und rechten, von Yigal Alon (jüdische Siedlung in Hebron) bis Shimon Peres (Kdumin Siedlung).
48. Die Tatsache, dass alle Regierungen Israels – wenn auch in unterschiedlichem Ausmass – die Siedlungen hegten und pflegten, beweist, dass das Siedeln auf kein besonderes ideologisches Lager beschränkt ist und zur gesamten zionistischen Bewegung gehört. Der Eindruck, die Siedlungsbewegung sei von einer kleinen Minderheit geschaffen worden, ist illusorisch. Nur die ständige Unterstützung seitens aller Regierungsbehörden von 1967 bis heute konnte die gesetzgeberischen, die strategischen und die Haushalts-Infrastrukturen schaffen, die für so ein lange dauerndes und ausgedehntes Unternehmen erforderlich sind.
51. Der Generalstab der israelischen Armee spielte bei der Planung und beim Bau der Siedlungen eine bedeutende Rolle. Er zeichnete die Karte der Siedlungen (Ariel Sharon): Blöcke von Siedlungen und Umgehungsstraßen, der Länge und der Breite nach, so dass das Westjordanland und der Gaza-Streifen zerstückelt sind und die Palästinenser in isolierten Enklaven eingesperrt werden, deren jede von Siedlungen und der Besatzungsarmee umzingelt ist.
52. Die Palästinenser nutzten verschiedene Methoden des Widerstandes, hauptsächlich Überfälle von Jordanien und dem Libanon aus und Angriffe innerhalb Israels und überall in der Welt. Diese Aktionen werden von den Israelis als «terroristisch» bezeichnet, während die Palästinenser in ihnen den legitimen Widerstand einer Nation unter Besatzung sehen. Die Führung der PLO, geleitet von Yasser Arafat, wurde von den Israelis lange Zeit als eine terroristische Führung angesehen, aber nach und nach wurde sie international als die «einzig legitime Vertretung» des palästinensischen Volkes anerkannt.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/die-theologie-der-befreiung-lebt-buchhinweis/