Marlène Schnieper während ihres Luzerner Vortrags. © Walter Ludin 2018
Walter Ludin

Das Leiden der Palästinenser

Gründung des Staates Israel – Katastrophe für die Palästinenser

Israel fiel nicht vom Himmel, als Geschenk Gottes, an den die Mehrheit der Israelis nicht glaubt, ihn aber zum Garanten ihres Staates macht. Vielmehr entstand der jüdische Staat auf den Ruinen Palästinas, oder wie die bekannte Luzerner Journalistin Marlene Schnieper es am Mittwoch in ihrem Referat formulierte: «als Phönix aus der palästinensischen Asche». Hier einige Flashs auf den gut besuchten Vortrag im Luzerner Wäsmeli-Treff über die Nakba, die «Katastrophe» im Zug der Staatsgründung vor 70 Jahren.

  • «Exodus»: Israel nahm jüdische Flüchtlinge auf, während das Land palästinensische Flüchtlinge schuf. (Im gleichen Hafen, in dem verfolgte europäische Juden landeten, flohen Palästinenser vor dem jüdischen Terror …)
  • Zur «ethnische Säuberung» ein Beispiel: Aus einer bestimmten Region wurden innert zwei, drei Tagen 80 000 Menschen vertrieben.
  • Im Teilungsplan der UNO wurde die Jaffa, die Stadt der Orangen, dem Staat Palästina zugeschlagen, weil dort 80 000 Araber lebten – und im Umland weitere 40 000. Nachdem die Juden massenhaft Häuser gesprengt und die meisten Bewohner in die Flucht geschlagen hatten, kamen die Überlebenden in Lager, die bald «Ghettos» genannt wurden. Das Wort brachten jüdische Flüchtlinge aus Europa mit.
  • Heute leben mehr als 600 000 jüdische Siedler in den von Israel besetzten (!) Palästinenser-Gebieten («Westbank). Damit wird die Zwei-Staaten-Lösung praktisch illusorisch. Kaum jemand von der jungen Generation glaubt noch daran.
  • Die Beduinen wollten den jüdischen Staat schon früh anerkennen. Dennoch gehören sie zu den grossen Leidtragenden. Nach 1950 wurden sehr viele von ihnen vertrieben. Der Staat wies ihnen bestimmte Gebiete zu, ohne ihnen Besitzurkunden zu geben. Der gleiche Staat vertreibt sie heute aus ihren Dörfern, mit der Begründung, sie hätten keine Besitzrechte …
  • Zum Schluss Martin Buber, ein unverdächtiger, weil jüdischer Zeuge zum Konflikt Israel-Palästina: «Was man uns angetan hat, tun wir andern an.»

Buchhinweis:

Marlène Schnieper: Nakba – die offene Wunde. Die Vertreibung der Palästinenser 1948 und ihre Folgen. Rotpunkt-Verlag. 2012. Fr. 31.-

(Wenn ihr hier in meinem Blog unter «Suchen» «Schnieper» eingebt, findet ihr etliche Aussagen aus diesem Buch.)

PS: Zur Autorin: Als ich 1958 -1962 in Sursee im Untergymnasium («Mittelschule») war, befand sich Marlène unter der Schülerschaft; neben 80 Buben als eines der drei (!) Mädchen. Marlène war dann eine der ersten Frauen an der Kantonsschule Luzern, welche die Matura machte – und dies 1966; gar nicht so lange her…..

Marlène Schnieper während ihres Luzerner Vortrags. © Walter Ludin 2018
20. Oktober 2018 | 07:14
von Walter Ludin
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4 Gedanken zu „Das Leiden der Palästinenser

  • Stadler Karl sagt:

    Sie könnten ja zum Ausgleich oder im Bemühen um Ausgewogenheit auch einmal über die “jüdische Nakbah” aus den arabischen und andern islamischen Ländern berichten. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts bildete der Hass auf den Zionismus eine immanente Haltung der arabischen Welt. Um 1948, als der Unabhängigkeitskrieg ausgetragen wurde, wo selbstverständlich auch sehr vielen Palästinensern sehr grosses Unrecht widerfuhr, lebten in der arabischen Welt um die 900’000 Juden. Es gab dort teilweise jahrtausendealte Gemeinden, z.B. in Bagdad. Sie mussten in der Folge fliehen oder wurden unter brutalsten Methoden vertrieben. Sie wurden durchwegs ihres gesamten Vermögens beraubt. Heute leben in der arabischen Welt noch ca. 4000 Juden. Niemand hierzulande, insbesondere die kirchlichen Gerechtigkeits-Aktivisten, scheint diese historische Tatsache auch nur im Traum zu interessieren. Nachdem die Juden, wenn es gerade opportun erschien, teilweise unter kirchlicher Mitwirkung während Jahrtausenden durch Europa getrieben wurden, ideologisch der verheerende Antisemitismus , der sich im 20. Jahrhundert in einer nie dagewesenen Katastrophe entlud, mitvorbereitet wurde, sieht man es heute wieder als eine der Hauptaufgaben, den Staat Israel in verzerrter und einsetiger Weise nur ein in schlechtes Licht zu rücken und für den gesamten Konflikt allein verantwortlich zu erklären. Solches Gebaren nennt sich dann in der Regel “Verkündung der Heilsbotschaft”.
    Dabei wäre es sehr wohl möglich, diesen tragischen Konflikt in einem Blog – der Blog “Angehrn” ist in dieser Sache viel differenzierter gestaltet – auf einer Plattform wie kath.ch, die mit öffentlichen Geldern finanziert wird, etwas ausgewogener darzustellen.

  • Karis Argumentation ist verdächtig nah bei: “Weil die andern böse sind, soll man bitte nicht über unsere bösen Taten reden.”
    Oder im Klartext: Keiner der Millionen von vertriebenen Palästinensern und ihren Nachkommen ist verantwortlich für die vertriebenen Juden aus den arabischen Ländern. Vor der Nakba gab es in Palästina ein weitgehend friedliches Zusammenleben von Juden und Arabern. Die Katastrophen begann, als jüdische Terrorbanden, die später in Israel das Sagen hatten, Massaker verübten.
    Zudem: Der Hinweis auf die Finanzierung des Medienzentrums/Blog ist völlig daneben. Ich arbeite hier seit fast 13 Jahren, während vielen Jahren mit einem täglichen Eintrag. Das einzige Honorar: Vor etwa zwei Jahren ein Manor-Gutschein im Wert von 100 Franken.

  • Karl Stadler sagt:

    Sie betreiben Geschichtsklitterung in Reinkultur. so einfach begann der Konflikt, aber auch die Nakbah, nicht. Natürlich gab und gibt es auch viele ungerechtfertigte jüdische Gewaltanwendung gegenüber den Palästinesern. Aber keineswegs gab es weniger, an Terror grenzende Gewaltanwendungen, bereits vor der Unabhängigkeitserklärung und der Ausrufung des Staates Israel, seitens der Palästinenser gegenüber den Juden. Ein massgeblicher Meinungsführer, Grossmufti Mohammed Amin al-Husseini, unterhielt gar enge Kontakte mit den Nazis, hatte gegen die Judenvenichtung in Europa im Grunde nicht viel einzuwenden. Wer solches verschweigt und nur die Juden in Israel an den Pranger stellt, verbreitet schlichtwegs Lügen und Hass gegen den Staat Israel und dessen jüdische Einwohner. Die Nakbah setzte nicht einfach so ein, es wurden nicht einfach aus heiterem Himmel von Juden Palästinser vertrieben. Dies ereignete sich, als, kaum war der Staat Israel ausgerufen, eine gewaltige militärische Übermacht seitens der arabischen Staaten sich anschickte, den Staat Israel im Keime zu vernichten. Im Zuge dieses Krieges ereignete sich die Nakbah. Und nicht alle Plästinenser wurden wirklich vertrieben. Über weite Strecken wurden diese Flüchtlinge in Lager gesteckt, mit internationalen Geldern finanziert und in der Folge auch instrumentalisiert.
    Ich rechne keineswegs jüdisches Unrecht gegenüber palästinensischem auf! Dass eine solche Argumentaqtion abwägig wäre, erschenit reichlich trivial. Dies habe ich noch in keinem meiner Kommenatre auch nur im Ansatz getan. Wer jedoch, ich wiederhole mich immer, einsetig und verzerrt nur die Israeli und deren Staat an den Pranger stellt, deren Verhalten kritisiert, ohne sich auch nur im geringsten um eine ausgewogene und vor allem kontextuale Kritik zu bemühen, verbreitet nicht bloss Lügen, sondern geradezu Hass.
    Von christlicher Seite ist Kritik am Staate Israel und seiner teilweise gewiss auch verfehlten Politik ohnehin am allerwenigsten angebracht.
    Mir war immer klar, dass Sie nicht entschädigt werden für Ihre Blog-Einträge. Aber es ist eine Schande, dass auf kath.ch solch stetig einseitige, verzerrte Meinungsbildung und Indoktrination Verbreitung findet, auf einer Plattform, die mit Steuergeldern mitfinanziert wird.
    Gegen eine ausgewogene Kritik am Staat Israel und seiner Politik, unter Einbezug des Verhaltens seiner Feinde, hat gewiss niemand etwas einzuwänden, es sei denn, man sei ein blinder Fanatiker. Nehmen Sie sich ein Beispiel am Nahost-Korrepondenten der NZZ, Ulrich Schmid, der gegenüber Israel nie ein Blatt vor den Mund nimmt. Aber er ist bemüht, auch die Gegenseite auszuleuchten. Und dann sieht halt schon sehr vieles ein wenig anders aus.

  • Da kommt wieder jemand mit der reinen Wahrheit. Und stellt lächerliche Behauptungen auf. Die angebliche Übermacht der arabischen Armeen. Wer etwas von den Fakten versteht, weiss, dass man da eher von einer bourbaki-ähnlichen, demotivierten, schlecht ausgerüsteten Armee sprechen kann.
    Und der viel zitierte Grossmufti: die Sache müffelt allmählich. Spinner findet man überall …

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