Gründung des Staates Israel – Katastrophe für die Palästinenser
Israel fiel nicht vom Himmel, als Geschenk Gottes, an den die Mehrheit der Israelis nicht glaubt, ihn aber zum Garanten ihres Staates macht. Vielmehr entstand der jüdische Staat auf den Ruinen Palästinas, oder wie die bekannte Luzerner Journalistin Marlene Schnieper es am Mittwoch in ihrem Referat formulierte: «als Phönix aus der palästinensischen Asche». Hier einige Flashs auf den gut besuchten Vortrag im Luzerner Wäsmeli-Treff über die Nakba, die «Katastrophe» im Zug der Staatsgründung vor 70 Jahren.
- «Exodus»: Israel nahm jüdische Flüchtlinge auf, während das Land palästinensische Flüchtlinge schuf. (Im gleichen Hafen, in dem verfolgte europäische Juden landeten, flohen Palästinenser vor dem jüdischen Terror …)
- Zur «ethnische Säuberung» ein Beispiel: Aus einer bestimmten Region wurden innert zwei, drei Tagen 80 000 Menschen vertrieben.
- Im Teilungsplan der UNO wurde die Jaffa, die Stadt der Orangen, dem Staat Palästina zugeschlagen, weil dort 80 000 Araber lebten – und im Umland weitere 40 000. Nachdem die Juden massenhaft Häuser gesprengt und die meisten Bewohner in die Flucht geschlagen hatten, kamen die Überlebenden in Lager, die bald «Ghettos» genannt wurden. Das Wort brachten jüdische Flüchtlinge aus Europa mit.
- Heute leben mehr als 600 000 jüdische Siedler in den von Israel besetzten (!) Palästinenser-Gebieten («Westbank). Damit wird die Zwei-Staaten-Lösung praktisch illusorisch. Kaum jemand von der jungen Generation glaubt noch daran.
- Die Beduinen wollten den jüdischen Staat schon früh anerkennen. Dennoch gehören sie zu den grossen Leidtragenden. Nach 1950 wurden sehr viele von ihnen vertrieben. Der Staat wies ihnen bestimmte Gebiete zu, ohne ihnen Besitzurkunden zu geben. Der gleiche Staat vertreibt sie heute aus ihren Dörfern, mit der Begründung, sie hätten keine Besitzrechte …
- Zum Schluss Martin Buber, ein unverdächtiger, weil jüdischer Zeuge zum Konflikt Israel-Palästina: «Was man uns angetan hat, tun wir andern an.»
Buchhinweis:
Marlène Schnieper: Nakba – die offene Wunde. Die Vertreibung der Palästinenser 1948 und ihre Folgen. Rotpunkt-Verlag. 2012. Fr. 31.-
(Wenn ihr hier in meinem Blog unter «Suchen» «Schnieper» eingebt, findet ihr etliche Aussagen aus diesem Buch.)
PS: Zur Autorin: Als ich 1958 -1962 in Sursee im Untergymnasium («Mittelschule») war, befand sich Marlène unter der Schülerschaft; neben 80 Buben als eines der drei (!) Mädchen. Marlène war dann eine der ersten Frauen an der Kantonsschule Luzern, welche die Matura machte – und dies 1966; gar nicht so lange her…..
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/das-leiden-der-palaestinser/