Walter Ludin

Corona und Dreifaltigkeit

Ich mache in dieser Predigt den wagemutigen Versuch, Corona und Dreifaltigkeit zu verbinden. Zuerst aber kurz zur Frage: Bleibt von der Krise etwas Positives? Beim Positiven denke ich vor allem an die Rücksichtnahme auf die Älteren, die Schwächeren. Nicht eine möglichst viel Profit abwerfende Wirtschaft stand im Vordergrund, sondern die Gesundheit der Gefährdeten. Eigentlich eine erstaunliche Leistung!

Ich hoffe, dass davon etwas bleibt. Konkret: dass auch Menschen, die nicht mehr viel oder kaum etwas leisten können, nicht als unnütze Last auf die Seite gestellt werden; als altes Eisen, das möglichst bald entsorgt werden muss. Wenn diese Ehrfurcht vor dem Menschen bleibt, weil er eine menschliche Würde hat, wäre sehr viel gewonnen.

Nun zum versprochenen Versuch, die Dreifaltigkeit unter dem aktuellen Bezug der Krise zu behandeln.

Zuerst zu Gott Vater, den viele als «lieben Gott» bezeichnen. Die bange Frage vieler: Wie kann der gute Gott einen so bösen Virus schaffen? Hier müssen wir uns daran erinnern, dass nicht alle Viren bösartig sind. Ja, Fachleute sagen, dass am Anfang des Lebens Viren standen. Ohne sie gäbe es also auch uns Menschen nicht. Es ist nicht der Platz, weiter darauf einzugehen. Nur noch die Feststellung: Seit einiger Zeit wird geforscht, wie Viren zur Bekämpfung schlimmer Krankheiten als Heilmittel eingesetzt werden können.

Zurück zur Gottesfrage: Kaum ein vernünftiger Mensch glaubt, dass die Corona-Krise eine Strafe Gottes ist. Die Ursache ist vielmehr ein weit verbreitetes menschliches Verhalten. Die Menschheit verdrängt immer mehr die Natur, indem sie zum Beispiel immer weiter in die Urwälder vordringt, sie abholzt und damit auch in Kontakt mit wilden Tieren kommt. Es ist erwiesen, dass viele dieser Tiere Viren in sich tragen, die auf die Menschen überspringen und sie krank machen, weil sie noch keine Abwehrkräfte haben.

Zusammengefasst: Nicht Gott ist schuld an Corona, sondern Menschen. Und weil Gott uns die Freiheit gegeben hat, liess er sie gewähren.

Nun kurz zur zweiten Person der Dreifaltigkeit: Gottes Sohn, Jesus Christus. Dass die Welt sich der Würde aller Menschen bewusst ist, verdanken wir ihm und dem Christentum.  Im Heidentum hatte die menschliche Person keine hohe Würde. Denken wir nur an das, was in Rom im Kolosseum geschah: Menschen wurden zum Gaudi des Publikums den Löwen zum Frass vorgeworfen.

Insgesamt zählte ein Menschenleben, vor allem ein schwaches, nicht viel. Doch dann begann die christliche Kirche, für sie Spitäler und Heime zu errichten. Dahinter stand das, was ich einleitend gesagt habe: die Ehrfurcht gegenüber allen Menschen, gerade den Bedrohten.

Kommen wir zum Heiligen Geist. Jesus hat ihn verheissen als den Tröster, Helfer und Beistand. Gerade in den Zeiten der Corona sind wir auf seinen Trost, seine Hilfe angewiesen. Und wir dürfen sicher sein, dass er von vielen Mitarbeitenden im Gesundheitswesen als Beistand erfahren wurde, die unter Einsatz ihres Lebens sich der Infizierten angenommen haben.

Nun müssen Sie selber entscheiden, wie weit meine Verknüpfung zwischen Corona und Dreifaltigkeit hilfreich war. Ich hoffe, dass Sie wenigstens mit dem einen oder anderen Gedanken etwas anfangen können.

Elisabethenheim, Sa 16.30

Gettnau So 9 Uhr

Gottesdienste sind wieder möglich, unter Bedingungen © Walter Ludin
9. Juni 2020 | 16:11
von Walter Ludin
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0 thoughts on “Corona und Dreifaltigkeit

  • Lukas Brühwiler says:

    Dass Menschen an der Entstehung und Ausbreitung des Virus und damit an der Pandemie schuldig sein sollen, scheint mir nicht halt- und nachweisbar – mindestens zur Zeit. Dank des Einsatzes vieler Menschen konnte die Pandemie indes eingedämmt werden – mindestens ist das wahrscheinlich und wäre dann das Positivste an der ganzen Situation.

  • Karin Reinmüller says:

    Puh, nicht Gott soll also schuld sein am Virus, sondern wir selber. Das klingt in meinen Ohren nach schwarzer Pädagogik – “Wenn Du nicht spurst, dann musst Du eben mit den Konsequenzen leben!” Ich finde die Schuldfrage im Zusammenhang mit Krankheit auch bei Corona hochproblematisch. Und die Argumentation abenteuerlich, wird doch üblicherweise darauf hingewiesen, dass wir Menschen heute zu wenig Kontakt mit der Natur hätten im Vergleich zu früher, als die weltweite Verstädterung noch nicht so fortgeschritten war. Bevor wir aus Virenschutzgründen auch noch die letzten DorfbewohnerInnen in Megacities umsiedeln, sollten wir überprüfbar sicher sein, dass das wirklich hilft.
    Bis dahin gehe ich davon aus, dass am Virus niemand schuld ist. Sondern dass es, zusammen mit etwa Erdbeben und Krebs erzeugenden kosmischen Strahlen, zu den Dingen gehört, die einfach da sind, auch wenn sie uns schaden. Warum Gott das Universum so hat entstehen lassen, dass es nicht 100% optimale Bedingungen für uns Menschen bietet, wird er schon selber wissen – fürs Erste reichen mir die vorhandenen 99%.

  • stadler karl says:

    Aber Walter Ludin hat wahrscheinlich so unrecht nicht. Ein wenig hat doch jede Pandemie mit der Verhaltensweise von uns Menschen etwas zu tun. Gewiss: Wie aggressiv und gefährlich ein Virus ist und warum es letztlich entsteht und wie es sich konkret auf die Gesundheit der Menschen auswirkt, hat meiner Ansicht nach vermutlich nicht direkt mit uns Menschen zu tun. Aber der ganze Prozess der Verbreitung einer Pandemie kann man wohl kaum losgelöst vom Verhalten von uns Menschen sehen. Die Geschwindigkeit, mit welcher Corona innert zwei, drei Monate weltweit, rings um den Globus, auch die grössten Volkswirtschaften zu erschüttern vermochte, ist nun wirklich phänomenal! Wenn halt kreuz und quer rings um den Globus gejettet oder sonstwie gereist wird, ob notwendig oder nicht, wenn der Fortschritt angeblich nur darin bestehen kann, dass global fast sämtliche Volkswirtschaften derart eng miteinander vernetzt werden, dass die letzten Ansätze kleinräumigerer wirtschaftlicher Autarkie aufgehoben werden, wenn im gleichen Atemzug ganze Ökosysteme zerstört, oder zumindest einseitig und ohne ganzheitliches Rücksichtnehmen radikal verändert werden, so erscheint es sehr wohl vorstellbar, dass die Entstehung, zumindest jedoch die Geschwidigkeit der Ausbreitung einer Pandemie mit unserer kulturellen Befindlichkeit etwas zu tun haben könnte. Sicher: Im Mittelalter wurden auch ganze Landstriche durch Epidemien wie die Pest halbwegs entvölkert. Aber wahrscheinlich ereignete sich eine Ausbreitung nie mit derartiger Geschwindigkeit wie heute.
    Manchmal will es scheinen, dass wir mittlerweile in einer Falle sitzen, die wir uns selbst gestellt haben. Im Grunde wäre es doch gerade jetzt vernünftig, sich zu bescheiden, nicht weiss Gott wohin ins Ausland im Sommer in die Ferien zu reisen, zumindest, bis der Virus weltweit besiegt oder im medizinisch kontrollierbar ist. Auf der andern Seite sind wir Menschen inzwischen ökonomisch so organisiert, dass gerade durch ein derartiges Verhalten und weniger Konsum manche Wirtschaftszweige, sei es im In- oder im Ausland, dadurch in arge Nöten kommen und viele Arbeitsplätze und das Einkommen vieler einfacher Leute gefährdet wird. Wir sitzen ein Stück weit in einem Dilemma. Vielleicht würden die Menschen weltweit aber gerade dadurch freier, wenn wir überall, gut durchdacht und intelligent abgestimmt, auf der Welt ein wenig mehr Mass halten würden.

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