Gian Rudin

Auch der Bischof neigt sein Haupt

Dienende Macht

Hierarchie. Im Kontext katholischer Amtstheologie haftet diesem Wort ein ungeniessbarer Beigeschmack an. Schade eigentlich, denn dem Konzept einer heiligen Ordnung ist durchaus etwas positives abzugewinnen. Sicherlich ist es ein unschöner Beitrag zu einem sinnvollen Hierarchie-Verständnis , wenn der bischöfliche Leib des Franz-Peter Tebartz-van Elst nur in einer 4000 Euro-Badewanne körperliche Purifizierung finden kann. Macht und Mensch ist eine seit jeher konfliktreiche Konstellation. Nichtsdestotrotz ist das Konzept der dienenden Allmacht, wie die christliche Tradition sie in Jesus verkörpert sieht, bedenkenswert.Ein nur von oben nach unten verlaufendes Machtgefälle wird umgekehrt.  Auf Autorität wird aber bewusst nicht verzichtet. Exousia ist ein Zentralwort der neutestamentlichen Verkündigung und meint die Vollmacht Jesu Christi. Stellen wir uns einen reumütigen Menschen vor, der im Beichtstuhl aufrichtig und unter Tränen bekennt, dass er seiner Schwester den beruflichen Erfolg missgönnt. Neid ist ein Gefühl, eine Grundstimmung, die ihn zu bestimmten Zeiten ruckartig überfällt und seine ganze Person in Beschlag nimmt. Und er leidet darunter, möchte sich bessern, einen neuen Weg gehen. Seine Schwäche langsam transfomrieren. Wie tröstlich und effektiv ist da die unerschütterliche Zusage der göttlichen Vergebung. Und diese wird dem Mann im Beichtstuhl zugesprochen. Ego te absolvo! Der political correctness wegen, auch in ökumenischer Hinsicht, wäre es allenfalls angebrachter, hier ein Probabilis absolutus sis (Wahrscheinlich könnte dir vergeben werden) zu platzieren, um den Absolutionsanspruch der kathloischen Kirche zu entschärfen. Dies würde aber die sakramentale Struktur der Kirche in ihrem Kern verwunden. Der Auferstandene lässt Sterbliche an seiner Vollmacht über den Tod teilhaben. Und zwar konkret, im Medium ihrer Menschlichkeit. Die lossprechende Stimme des Priesters vergegenwärtigt die Gnade Gottes hörbar.

Das Wehen des Geistes ist spürbar

Die Firmung als Sakrament der Geistspendung will den Menschen befähigen seine Charismen zu entdecken und so zu einer besseren Gemeinschaft und Vielfältigkeit unter den Menschen beitragen. Auch der die Firmung spendende Bischof ist gefirmt, zusätzlich aber noch geweiht, wodurch er in der krichlichen Hierarchie über den Laien gestellt ist. «Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.» (1. Petrus 4,10). Die Stellung innerhalb der hierarchischen Ordnung der Kirche ist kein eitler Selbstzweck, der Bischofsring kein Prunkobjekt. Er ist sichtbares Zeichen der Heiligkeit und Majestät Gottes, welche in die Hände von Menschen gegeben ist, um so die Erlösung innerweltlich erlebbar zu machen. Die Schindluderei, welche mit den Insignien kirchlicher Macht getrieben wird, kann die darin enthaltene Gnade nicht vernichten. Theologisch gilt folgender Dreischritt: Vom Gottmenschen Jesus Christus (Ursakrament) zur Kirche (Grundsakrament) zu den sieben einzelnen Sakramenten. Dies ist wiederum das Heraustreten Gottes aus seiner unsichtbaren Transzendenz in die Sichtbarkeit symbolischer Handlungsvollzüge. So ist es denn auch berührend, wenn die Mitteilung des Heiligen Geistes an den einzelnen Gläubigen durch die Handauflegung des Bischofs konkretisiert wird. Der christliche Gnadenbegriff erlangt seine Handfestigkeit durch das Ereignis der Inkarnation. Fleischwerdung, ja Handwerdung Gottes. Umarmungen und Händedrücke intensivieren eine freundschaftliche Beziehung. Und das ist Gott: unser Freund, hoffentlich unser intimster. Und so ist auch die Väterlichkeit des Bischofs keine Anmassung, sondern die Ausübung seiner Christusrepräsentation. Aber sein Amt ist verknüpft mit dem darin wirkenden Heiligen Geist, daher wird bei der Feier der Bischofsweihe auch gebetet:  «Giesse über diesen Deinen Diener, über den Du das Füllhorn Deiner priesterlichen Gnaden geneigt hast, die Kraft Deines Segens aus.» Der Bischof ist Diener Gottes, deshalb neigt auch er sein Haupt, kniet vor dem Tabernakel und beichtet. Vergessen wir dies nicht, bei aller Kirtik die ihm zuweilen entgegengeschleudert wird.

 

Bildquellen

  • Firmung in St. Josef Zürich: Gian Rudin
Firmgottesdienst © Gian Rudin
4. Oktober 2017 | 19:51
von Gian Rudin
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One thought on “Auch der Bischof neigt sein Haupt

  • Karl Stadler says:

    Lassen wir den abberufenen Bischof von Limburg doch aus dem Spiel. Die Öffentlichkeit hat ihm inzwischen weiss Gott genug Busse auferlegt für die von ihm zu verantwortenden Unangemessenheiten. Richtet man jedoch einen Blick auf die frühe Kirchengeschichte, wie sie z.B. Manfred Clauss als Krichenhistoriker und Theologe liest, dann sticht sofort in die Augen, dass Fragen der klerikalen Autorität, der Hierarchie in der Kirche oder der rechtlichen Normierung des Zugangs zum Kreis göttlicher Anerkennung gewiss nicht erst in der Zeit der Reformation oder der Aufklärung, und schon gar nicht erst in heutiger Zeit, Thema wurden.
    Bereits in der christlichen Urgemeinde in Jerusalem scheint es Zwietracht und grosse Differenzen gegeben zu haben. Schon sehr früh soll beispielsweise Streit über die terminliche Festlegung von religiösen Festen wie des Osterfestes entstanden sein, und wer immer in solchen Angelegenheiten unterlag, wurde mit Begriffen stigmatisiert, die ausreichendes Ausgrenzungspotential beinhalteten.
    Bereits um die Zeit ca. 100 n. Chr. soll das Amt des Bischofs sich herausgebildet haben, mit der aus dem römischen Verwaltungsapparat entlehnten Bezeichnung “episcopus”. Schon damals wurden von den Laien Unterordnung und Gehorsam gegenüber Presbytern und Bischöfen abverlangt. Ein Bischof namens Ignatius, der in Antiochia residierte, gab bereits anfangs des 2. Jahrhunderts die Losung aus: “Alle nämlich, die zu Gott und Jesus Christus gehören, sind mit dem Bischof.” Und einer weiteren Quelle aus der damaligen Epoche ist zu entnehmen: “Folgt alle dem Bischof wie Jesus Christus seinem Vater und den Presbytern wie den Aposteln; die Diakone aber achtet wie Gottes Gebot. Keiner soll ohne Bischof etwas tun, was die Kirche betrifft. Nur jene Eucharistiefeier soll als zuverlässig gelten, die unter dem Bischof oder einem von ihm Befugten stattfindet. Wo der Bischof erscheint, dort soll die Gemeinde sein, wie da, wo Jesus Christus ist, die katholische Kirche ist.”
    Es gäbe noch viele solche Stellen aus dem Leben der Alten Kirche zu zitieren, stammend aus der Zeit, als diese noch lange nicht im römischen Imperium den altrömischen Götterkult verdrängt hatte.
    Wen wundert es da, dass auch heute ganz ähnliche Streitigkeiten das Kirchenleben umklammern und dass auch heute in der Regel jede Partei die authentische Auslegung des Wortes für sich reklamiert. Eigentlich ein ganz normales anthropologisches Phänomen.
    Als Nicht-Theologe will einem scheinen, dass der Keim dieses Spaltpilzes, der Verurteilungen und der Ausgrenzung vielleicht im Wort selber angelegt ist, nicht zuletzt in der Berg- und oder Feldpredigt, den wichtigsten Leitplanken christlicher Ethik, die im Grunde nicht bloss ein Ohr und ein Auge für die Entrechteten, Schwachen und Armen haben, sondern implizit immer auch eine scharfe Spitze gegen Entscheidungsträger, Erfolgreiche und irgendwie auch gegen anders Denkende beinhalten. Worte, wie “ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” oder eben Stellen wie die Bergpredigt, muten auch gefährlich an. Dieses Messsianische, verbunden mit dem missionarischen Potential, das in der “Verkündung” angelegt ist und uns von der Geburt bis zum Tod täglich unsere persönlichen Defizite in Erinnerung ruft und das nicht nur im Wort verborgen zu liegen scheint, sondern sich auch in säkulare Bewegungen mit ähnlicher Stossrichtung verpflanzt hat, scheint im Laufe der Geschichte jedenfalls für sehr viele Konflikte und Leid mitverantwortlich zu sein. Und ob die Welt seit der Erscheinung des Christentums im Grunde wirklich friedlicher und lebensfreundlicher geworden ist, da gelten gewiss nicht alle Zweifel ausgeräumt.

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