Auch der Bischof neigt sein Haupt

Dienende Macht

Hierarchie. Im Kontext katholischer Amtstheologie haftet diesem Wort ein ungeniessbarer Beigeschmack an. Schade eigentlich, denn dem Konzept einer heiligen Ordnung ist durchaus etwas positives abzugewinnen. Sicherlich ist es ein unschöner Beitrag zu einem sinnvollen Hierarchie-Verständnis , wenn der bischöfliche Leib des Franz-Peter Tebartz-van Elst nur in einer 4000 Euro-Badewanne körperliche Purifizierung finden kann. Macht und Mensch ist eine seit jeher konfliktreiche Konstellation. Nichtsdestotrotz ist das Konzept der dienenden Allmacht, wie die christliche Tradition sie in Jesus verkörpert sieht, bedenkenswert.Ein nur von oben nach unten verlaufendes Machtgefälle wird umgekehrt.  Auf Autorität wird aber bewusst nicht verzichtet. Exousia ist ein Zentralwort der neutestamentlichen Verkündigung und meint die Vollmacht Jesu Christi. Stellen wir uns einen reumütigen Menschen vor, der im Beichtstuhl aufrichtig und unter Tränen bekennt, dass er seiner Schwester den beruflichen Erfolg missgönnt. Neid ist ein Gefühl, eine Grundstimmung, die ihn zu bestimmten Zeiten ruckartig überfällt und seine ganze Person in Beschlag nimmt. Und er leidet darunter, möchte sich bessern, einen neuen Weg gehen. Seine Schwäche langsam transfomrieren. Wie tröstlich und effektiv ist da die unerschütterliche Zusage der göttlichen Vergebung. Und diese wird dem Mann im Beichtstuhl zugesprochen. Ego te absolvo! Der political correctness wegen, auch in ökumenischer Hinsicht, wäre es allenfalls angebrachter, hier ein Probabilis absolutus sis (Wahrscheinlich könnte dir vergeben werden) zu platzieren, um den Absolutionsanspruch der kathloischen Kirche zu entschärfen. Dies würde aber die sakramentale Struktur der Kirche in ihrem Kern verwunden. Der Auferstandene lässt Sterbliche an seiner Vollmacht über den Tod teilhaben. Und zwar konkret, im Medium ihrer Menschlichkeit. Die lossprechende Stimme des Priesters vergegenwärtigt die Gnade Gottes hörbar.

Das Wehen des Geistes ist spürbar

Die Firmung als Sakrament der Geistspendung will den Menschen befähigen seine Charismen zu entdecken und so zu einer besseren Gemeinschaft und Vielfältigkeit unter den Menschen beitragen. Auch der die Firmung spendende Bischof ist gefirmt, zusätzlich aber noch geweiht, wodurch er in der krichlichen Hierarchie über den Laien gestellt ist. «Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.» (1. Petrus 4,10). Die Stellung innerhalb der hierarchischen Ordnung der Kirche ist kein eitler Selbstzweck, der Bischofsring kein Prunkobjekt. Er ist sichtbares Zeichen der Heiligkeit und Majestät Gottes, welche in die Hände von Menschen gegeben ist, um so die Erlösung innerweltlich erlebbar zu machen. Die Schindluderei, welche mit den Insignien kirchlicher Macht getrieben wird, kann die darin enthaltene Gnade nicht vernichten. Theologisch gilt folgender Dreischritt: Vom Gottmenschen Jesus Christus (Ursakrament) zur Kirche (Grundsakrament) zu den sieben einzelnen Sakramenten. Dies ist wiederum das Heraustreten Gottes aus seiner unsichtbaren Transzendenz in die Sichtbarkeit symbolischer Handlungsvollzüge. So ist es denn auch berührend, wenn die Mitteilung des Heiligen Geistes an den einzelnen Gläubigen durch die Handauflegung des Bischofs konkretisiert wird. Der christliche Gnadenbegriff erlangt seine Handfestigkeit durch das Ereignis der Inkarnation. Fleischwerdung, ja Handwerdung Gottes. Umarmungen und Händedrücke intensivieren eine freundschaftliche Beziehung. Und das ist Gott: unser Freund, hoffentlich unser intimster. Und so ist auch die Väterlichkeit des Bischofs keine Anmassung, sondern die Ausübung seiner Christusrepräsentation. Aber sein Amt ist verknüpft mit dem darin wirkenden Heiligen Geist, daher wird bei der Feier der Bischofsweihe auch gebetet:  «Giesse über diesen Deinen Diener, über den Du das Füllhorn Deiner priesterlichen Gnaden geneigt hast, die Kraft Deines Segens aus.» Der Bischof ist Diener Gottes, deshalb neigt auch er sein Haupt, kniet vor dem Tabernakel und beichtet. Vergessen wir dies nicht, bei aller Kirtik die ihm zuweilen entgegengeschleudert wird.

 

Gian Rudin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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