Wie werden wir «friedenstüchtig»?
Fabian Scheidler: Friedenstüchtig. Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen. | Wien: Promedia, 2025 | 224 Seiten | CHF 28.90
Es ist eines der wichtigsten Bücher, die ich seit Jahren gelesen habe: Diese Beurteilung des vorliegenden Werks des Journalisten Fabian Scheidler (u.a Le Monde diplomatique) ist keineswegs übertrieben. Das Buch setzt ein erfreuliches Gegengewicht gegen die sich stets ausbreitende Forderung, die westlichen Staaten müssten wieder «kriegstüchtig» werden.
Scheidler erinnert daran, dass seit Jahrzehnten die vielfältigen Anti-Terror-Kriege immer neue Terroristen hervorgebracht haben, ohne auch nur ein Problem zu lösen. Er lehnt entschieden die Bestrebungen ab, aus dem Wohlfahrtsstaat einen kriegstüchtigen Staat zu schaffen. Nur im Dialog (Diplomatie!) und im Abbau des Schwarz-Weiss/Freund-Feind- Denkens sieht er Wege zum Überleben der Menschheit und zur Bewahrung der bedrohten Erde.
ZITATE
Aufrechter Gang – klares Denken
Das Buch legt an jüngste Entwicklungen Massstäbe von Vernunft und Ethik an, die lange weitgehend als selbstverständlich galten. Es ist aus dem Bemühen entstanden, angesichts eines besorgniserregenden gesellschaftlichen Konformitätsdrucks den aufrechten Gang und das klare Denken nicht zu verlernen.
Fabian Scheidler im Vorwort zu «Friedenstüchtig»
Umfassende Sicherheitsinteressen
Nicht nur die USA, Israel, die Ukraine und Deutschland haben legitime Sicherheitsinteressen, sondern auch die Palästinenser, Russland, China, der Iran und die übrige Welt. Dieses Prinzip wird von unserer Außenpolitik täglich verletzt. Wenn man akzeptiert, dass die USA niemals russische Truppen in Mexiko tolerieren würden, dann muss das umgekehrt auch für US- und NATO-Truppen in der Ukraine gelten.
Wenn Israel ein Recht auf Sicherheit vor feindlichen Angriffen hat, dann muss dieses Recht auch für Gaza, die Westbank, den Libanon, den Iran und Syrien gelten. Der Westen und Israel wehren sich natürlich dagegen; sie wollen ihre Dominanz und Sonderrechte aufrechterhalten. Doch viele Länder des erstarkenden globalen Südens akzeptieren das nicht mehr.
Fabian Scheidler in einem Interview

Schneefallstille. Die 24 schönsten Weihnachtsgeschichten der Schweiz. | TVZ/Theologischer Verlag Zürich 2025 | 175 S. | CHF 26.80
Aus über 300 Weihnachtsgeschichten, die der Theologische Verlag Zürich in den letzten Jahrzehnten gesammelt hat, legt er nun die 24 besten vor. So unterschiedlich sie sind, verbreiten sie auf zumeist originelle Art weihnachtliche Stimmung; und regen zum Nachdenken an über das Geschehnis von Weihnachten. Unter den Autorinnen und Autoren sind Mona Vetsch, Regina Schindler, Ulrich Knellwolf und Rolf Probala. Ein Tipp für alle, die noch auf der Suche nach einem Geschenk sind …
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stadler karl sagt:
Es würde diesem Jomurnalisten Fabian Scheidler wahrscheinlich nicht schlecht anstehen, die Geschichte dieser verschiedenen Konflikte seriös und eingehend zu studieren, bevor einmal mehr einseitig und verzerrt hierzu Stellung genommen wird. Wer gegenüber der Leserschaft “Masstäbe von klarem Denken, Vernunft und Ethik anlegen will, oder selbstsicher sich über die Menschen erheben will, als unterliege er, im Gegensatz zum Grossteil von ihnen, keinem “Konformtätsdruck”, muss auch bereit sein, die Geschichte solcher Konflikte vorurteilslos und aus einer gewissen Distanz zu studieren.
Wer sich, wie gerade in der linken Szene der weit verbreiteten Ideologie hingibt, als wäre letztlich ausschliesslich der Westen für das allermeiste Übel in dieser Welt verantwortlich, gibt jedenfalls gewiss keine glaubhafte Garantie ab, er hätte ein Rezept für den Weltfrieden. Das sticht einem in die Augen, auch wenn man die riesigen Fehler auch des Westens sehr wohl klar vor Augen hat.
Daniel Ric sagt:
Ohne das Buch gelesen zu haben, lese ich aus dem Artikel von Herrn Ludin heraus, dass Fabian Scheidler dazu aufruft, das eigene Schwarz-Weiss-Denken zu hinterfragen und zu verstehen, dass wir im Westen die Interessen anderer Länder berücksichtigen müssen. Dies ist nicht nur eine moralische Notwendigkeit, sondern angesichts der Tatsache, dass wir militärisch und wirtschaftlich nicht mehr die weissen Herren der Welt sind, eine Frage des Überlebens, da jeder Versuch, die alte Hegemonie aufrechtzuerhalten in einem totalen Fiasko enden wird. Wenn Herr Stadler auf diese Aufforderung erwidert, man müsse Konflikte “vorurteilslos” und “aus einer gewissen Distanz” studieren, dann frage ich mich, was er damit genau meint? Zu welchem Ergebnis sollte eine solche Beurteilung führen? Der Westen hat ein tiefes spirituelles Problem: Da er seit 200-300 Jahren die Welt beherrscht, weiss er nicht, wie er ohne diese Dominanz, die nun endgültig verloren scheint, weiterhin existieren soll. Das Christentum lehrt uns jedoch, dass es gerade der Verzicht auf Macht ist, der den Menschen erfüllt und zu einem Kind Gottes macht. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden, um uns zu dienen. Nehmen wir uns wieder ein Beispiel an diesem Jesus und nicht an den Kriegstreibern. Wenn wir wieder friedenstüchtig werden wollen, dann müssen wir zuerst den Frieden in uns selbst finden. Das Christentum schenkt uns diesen Frieden.