Walter Ludin

Wenn es für die Kirche «zu spät» ist

Martin Werlens «Provokation»

«Der Kirchenferne der Menschen entspricht die Menschenferne der Kirche.» Ich vermute, Martin Werlen würde diesem meinem Aphorismus zustimmen. In seinem neuesten Buch «Zu spät …» befasst er sich kritisch mit einer Kirche, die sich von den Menschen, ihren Sorgen, Nöten und Freuden entfernt hat.

Besonders scharf kritisiert er die Gläubigen, die meinen, mit Traditionen, die aus einer nicht allzu fernen Vergangenheit stammen, könnte die Zukunft der Kirche gerettet». Zu meinen schlimmsten Kirchenerfahrungen gehört der Kontakt zu solchen Leuten.

«Teuflischer Gedanke»
ls ich in einer Glosse dazu eingeladen hatte, zwischendurch nicht in einer Kirche, sondern in einem Quartierzentrum oder in einer Privatwohnung Messe zu feiern, warf mir eine alte Ordensfrau vor, einen «teuflischen» Gedanken zu äussern, weil ich die Menschen aus der Kirche vertreiben wolle. Ich riet der Frau, die Apostelgeschichte zu lesen, in der es heisst, die ersten Christen hätten «voll Freude sich in ihren Privathäusern» zum eucharistischen Brotbrechen eingefunden.
urück zu Martins Buch, das ich hier nicht rezensieren, sondern mit einigen Bemerkungen vorstellen will. Auch der ehemalige Abt von Einsiedeln argumentiert darin sehr oft bibeltheologisch. Er tut es derart gekonnt, dass damit die Bibel zu neuem Leben erweckt wird. (Anders als bei vielen Autoren, die durch das Zitieren nur zum Gähnen anregen ….)

Der «Bruder» des Pfarrer
Ein anderer Vorschlag: das, was wir feiern, ernst nehmen. Oder anders ausgedrückt: Die Menschen sollen in der Kirche nicht bloss klischeehaft als «Brüder und Schwestern» angesprochen werden, sondern auch wie in einer Familie miteinander und füreinander da sind.

Ein amüsantes Beispiel (S. 82). Nach der Messe meldet sich recht verwahrloster Mann bei der Pfarrhausfrau. Er sei der Bruder des Pfarrers – und wird zum Essen eingeladen.  Der Pfarrer ist erstaunt. Er habe doch keinen Bruder. «Zur Rede gestellt meinte der Obdachlose, dass er sich vorhin zu Beginn des Gottesdienstes sehr gefreut habe, als er zusammen mit allen andern vom Pfarrer als Brüder und Schwestern willkommen geheissen wurde. Da habe er gedacht …»

Nochmals gedruckt
Ein kleiner Einwand, der wohl den Verlag betrifft: Auf S. 31-62 ist Werlens Broschüre von der Asche und der Glut nachgedruckt. Da wohl die meisten, die das vorliegende Buch kaufen, bereits diese Publikation besitzen, müssen sie für etwas bezahlen, die für sie keinen «Mehrwert» bedeutet. Ich denke, dem Verlag ging es vor allem darum, dass das Buch einen bestimmten Umfang bekam.

Martin Werlen: Zu spät. Eine Provokation für die Kirche. Hoffnung für alle. Herder 2018. 192 S., CHF 25.50

14. Februar 2018 | 21:06
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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Ein Gedanke zu „Wenn es für die Kirche «zu spät» ist

  • Ilse Sixt Oberpframmern sagt:

    Solange die Naturgesetze der Schöpfungsordnung Gottes missachtet und die Priester bei der Weihe, und das seit 1000 Jahren, zum Neutrum, um des Himmelreiches willen, umgewandelt werden, kann sich weiterhin nichts ändern.
    Erst wenn sich Papst Franziskus in die Not und das Elend der Priester und ihrer im Untergrund lebenden Frauen und deren Kinder hineindenken kann, wird er trotz seiner Gegner den Mut aufbringen, sich seiner Erwählung zum Stellvertreter Christi auf Erden zu stellen um in der Kraft des Heiligen Geistes zu handeln.

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