Sterne
Tobias Grimbacher

Weihnachtszeit und Neujahrsvorsatz

Gesegnete Weihnachten! Das wünsche ich Ihnen auch heute noch, denn gut katholisch geht die Weihnachtszeit ja bis zum Fest der Taufe des Herrn, dem Sonntag nach Dreikönig. Es ist mir wichtig, dass Weihnachten diese grössere zeitliche Ausdehnung hat und nicht am Abend des 26. Dezember vorüber ist. Und so gehe ich verständnislos, bedauernd und fast ein bisschen traurig an den ersten Tannenbäumen vorbei, die schon seit Ende Dezember mit hängenden Nadeln am Strassenrand liegen – und freue mich über die mit goldenen Kugeln und hellen Lichter voll geschmückte Fichte auf dem Kirchenvorplatz, und ebenso über die Sterne am grünen Zweig in meinem Wohnzimmer.

Diese Weihnachtszeit – zwischen den Jahren – nicht mehr zum alten Arbeitsjahr gehörend und noch nicht so recht zum neuen – ist für mich auch eine wichtige Zeit des Ausruhens. Ein bisschen erinnert mich das an den ersten Schöpfungsbericht, wo Gott nach sechs endlosen Schöpfungstagen einfach nur ruht. Wobei das nicht ganz stimmt, denn gemäss Genesis 2.2 «vollendete Gott das Werk, dass der geschaffen hatte, und er ruhte» – und das ist etwas anderes als Nichtstun und mit Weihnachtsguezli auf dem Sofa liegen. Dieses Vollenden ist ein wichtiger Teil des Schaffensprozesses, von dem ich glaube und erlebe, dass er oft zu kurz kommt. Auch deshalb brauche ich die Ruhezeit am Jahresende, um wenigstens einmal im Jahr alles anzuschauen, was ich gemacht habe, und zu erkennen, was davon sehr gut war, was misslungen ist – und was vielleicht als Anfang taugt, als gute Idee, sogar als Vorsatz für das neue Jahr.

Ein Neujahres-Vorsatz, den ich mir nicht zum ersten Mal fassen, ist denn auch dieser: Mehr Sonntag. Mehr vollenden und ruhen so wir Gott am siebten Tage. Wobei ich das Glück habe, nicht nur den Sonntag sondern meistens auch den eigentlichen siebten Tag, den Samstag frei zu haben. Eigentlich möchte ich gern an beiden ruhen. Und räume mir dann gleich die Ausnahme ein, es nicht zu tun, wenn am Montag Synodalratssitzung ist. Dann ist der Sonntagnachmittag nämlich die beste Zeit, diese Sitzung vorzubereiten und Unterlagen zu studieren. Das ist Arbeit. Gleichzeitig könnte man aber auch sagen, dass wir mit unserem Entscheid in der Synodalratssitzung die Arbeit vollenden, die im antragstellenden Ressort geleistet wurde – und Vollenden, also auch Wichtiges Entscheiden, soll aus der Ruhe heraus erfolgen. Natürlich vollendet (oder beendet) nicht jeder Synodalratsentscheid die Arbeit, im Gegenteil, viele Entscheide eröffnen erst den strategischen Handlungsrahmen oder finanziellen Spielraum, in dem konkrete Arbeit in den Ressorts, in Dienststellen oder bei Institutionen erfolgen kann. Aber dennoch glaube ich es lohnt sich, über das Verhältnis von Schaffen, Vollenden und Ruhen immer wieder nachzudenken. Zum Beispiel in Ruhe in der Weihnachtzeit, unter glitzernden Kugeln und Sternen und mit Guezli auf dem Sofa.

Man mag einwenden, dass das mit der eigentlichen Weihnachtsbotschaft, der Menschwerdung des Gottessohnes, nun wirklich nichts zu tun hat. Umsomehr als in unseren Tagen die Botschaft der Engel «und Frieden auf Erden bei den Menschen» besonders deutlich zu wünschen wäre, nicht nur auf den Fluren von Betlehem. Ich bin aber überzeugt, dass der Glaubenskern und das, was wir daraus machen, immer Hand in Hand gehen. Wir brauchen eine Weihnachtszeit die anhält – solange noch Nadeln am Baum sind und so lange Gottes Botschaft noch bei uns ankommen will.

Sterne | © 2024 Tobias Grimbacher
5. Januar 2024 | 14:49
von Tobias Grimbacher
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