Beleuchtete Luzerner Seebrücke. ©  Walter Ludin, 2013
Walter Ludin

Was bedeuten die Verheissungen des Advents?

Meine folgende Predigt zum 4. Advent lädt dazu ein, neben beleuchteten Städten, jenseits  der Hektik von adventlichen Aktivitäten und dem Einkaufsrummel sich zu fragen, was der Advent an hoffnungsvollen Verheissungen bringt.

«Wenn die stade (stille) Zeit vorüber ist, dann wird›s auch wieder ruhiger.» Mit diesem humoristischen Spruch des Münchner Komikers Karl Valentin können wohl wir alle uns anfreunden. Der Advent, die stille Zeit der Besinnung, ist zu einer Zeit der Weihnachtsmärkte, der Weihnachtsessen und dem hektischen Kauf von Weihnachtsgeschenken geworden. Da sind wir froh, wenn wir wenigstens an vier Sonntagen an das erinnert werden, worum es überhaupt Gott: die Erwartung der Geburt Jesu.

Heute, am 4. Adventssonntag hören wir gerade zwei Mal, wer dieser Jesus ist: Sein Name bedeutet «Gott ist mit uns.» Was kann diese Verheissung bedeuten, für uns hier und heute? Ich möchte kurz eine dreifache Antwort geben:

  1. Die Welt ist nicht gott-verlassen. Ich weiss, gerade in diesen Tagen, Wochen und Monaten spricht vieles dagegen. Sicher denken Sie jetzt an Syrien, den Irak, Afghanistan oder Jemen, um nur diese Krisenherde zu nennen. Oder wir können auch auf viele andere, vor allem afrikanische oder südamerikanische Länder schauen, in denen die Menschen im Elend leben, vor Hunger umkommen.
    Ich hatte die Chance, als Journalist, vor allem als Redaktor der Kapuziner-Missionszeitschrift ite viele diese Länder zu besuchen. Dabei fiel mir auf: Mitten in der Not gibt es sehr viel Gottvertrauen. Als Kontrast dazu erlebe ich viele Menschen, die hierzulande im Wohlstand leben und von Gott nichts, aber auch gar nichts erwarten. Und alles wird als ganz persönliche Leistung angesehen. Oder wie Paulus sagt: «Was hast du, was du nicht empfangen hättest.» Ähnlich Franz von Assisi: Er betrachtete alles Gute, das der Menschen tut, als von Gott getan. So spricht er von den «Werken, die Gott durch uns tut.»
    Wenn Sie, liebe Gläubige, sich heute Morgen hier versammelt haben, gehören sie nicht zu dieser Gruppe von Menschen. Sie, wir alle, rechnen damit, dass Gott uns nahe ist, in uns und durch uns wirkt, auch wenn wir nicht über ihn verfügen können.
    Im vertrauensvollen Bittgebet rechnen wir mit seiner Hilfe, auch wenn wir Gott nicht als Automaten betrachten: Wenn wir sozusagen ein Gebet einwerfen, muss er auf der Stelle uns so bedienen, wie wir es uns vorgestellt haben.
  2. Eine zweite Konsequenz aus der Verheissung, dass das Kind von Bethlehem den Namen «Gott mit uns trägt.» formuliert der ehemalige Wiener Theologie-Professor Paul Zulehner so: Die Gläubigen wissen, dass der Himmel offen ist. Mission/Evangelisierung bedeuten dann, der Welt erzählen, dass sie unter einem offenen Himmel lebt.
    Mit andern Worten: Wir leben nicht in einem abgeschlossenen Raum, in dem wir vor Hoffnungslosigkeit allmählich ersticken müssen. Sondern: Gott schenkt uns eine Weite, in der wir atmen können. Der Psychologe Balthasar Staehelin sprach von einer zusätzlichen Dimension: Es gibt nicht nur den begrenzten Raum des Alltags. Hin und wieder, in Sternstunden, erfühlen und erahnen wir, dass es mehr gibt, als wir sehen und zählen können. Es sind Augenblicke, in denen die Menschen etwas von der Ewigkeit erfahren, zum Beispiel in der Liebe oder wenn jemandem etwas gut gelingt.
  3. Eine dritte Konsequenz der biblischen, adventlichen Verheissungen und der Botschaft von Weihnachten hat oft der damalige Bischof von Basel, Kurt Koch genannt. Er ging davon aus, dass die Menschen von heute möglichst lange leben wollen und ihr Leben um jeden Preis verlängern möchten. Sie leben vielleicht 80 oder 90 Jahre.

Die gläubigen Menschen von früher jedoch hatten ein viel kürzeres Leben. Sie lebten – sagen wir einmal – 60 Jahre. Doch sie waren überzeugt von einem ewigen Leben. Das heisst, wie Kurt Koch formulierte: «Sie lebten 60 Jahre plus ewig.»

Freilich: In letzter Zeit sind wohl die meisten etwas zurückhaltender geworden, dieses ewige Leben genau zu beschreiben. Wir erwarten nicht mehr wie manche Indianervölker «ewige Jagdgründe». Doch wir dürfen annehmen, dass wir im Tod nicht ver-nichtet werden. Die Liebe Gottes trägt und erträgt uns ohne Grenzen.

Ich möchte nicht in das aktuelle Klagelied gegen den Weihnachtskonsum einstimmen. Geschenke sind nicht in Grund und Boden zu verurteilen. Sie können Ausdruck der Liebe sein. Und auf Weihnachtsmärkten und während Weihnachtsessen können menschliche Begegnungen stattfinden.

Trotzdem: Versuchen wir, inmitten adventlicher, vorweihnachtlicher Aktivitäten und vielleicht auch Hektik hie und da innezuhalten. Und besinnen wir uns auf den tieferen Sinn dieser Tage und Wochen: auf das Geschenk der verheissungsvollen Botschaft: «Gott ist mit uns.»

Gettnau LU, So 8.45 Uhr

Beleuchtete Luzerner Seebrücke. © Walter Ludin, 2013
18. Dezember 2016 | 11:07
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 3  Min.
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Ein Gedanke zu „Was bedeuten die Verheissungen des Advents?

  • F. Wiederkehr sagt:

    ganz tolle Gedanken . Die Welt ist nicht gott-verlassen wenn der Mensch Gott nicht verlässt

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