Walter Ludin

Warum musste Jesus sterben?

«Gott hat seinen geliebten Sohn in den Tod geschickt.» So wird wahrscheinlich mancherorts am heutigen Karfreitag  immer noch gepredigt. Dahinter steht bekanntlich die Satisfaktionslehre des Anselm von Canterbury: «Nach dieser Vorstellung ist der Tod Jesu als Sühnopfer nötig, um eine angemessene Wiedergutmachung für die Verletzung der Ehre Gottes zu leisten, die durch den Sündenfall der Menschen geschehen ist.» (Wikipedia)
In letzter Zeit wird diese Lehre immer öfter in Frage gestellt. Schon Hans Küng hat sie als «Verfremdung der biblischen Botschaft» bezeichnet.
In meinen Karfreitagspredigten habe ich dazu einen Vergleich meines Freundes Helmut Blasche, em. Pfarrer in Wien gebracht, die ich hier wiederholen möchte.

Ein Mann ist mit seinem Sohn auf einer Bergtour. Er sieht, wie ein ihm feindlich gesinnter Nachbarn hilflos an einem Felsvorsprung hängt.  Weil er keine Rachegefühle hat und nicht will, dass der böse Nachbar stirbt, sagt er zu seinem Sohn: Schau, ob du ihn retten kannst.

 Der Sohn rettet den Nachbarn, stürzt aber selber zu Tode. Da wird doch niemand sagen, der Vater hätte den Tod seines Sohnes als Opfer gewollt.

 Sondern, so betont Blasche: «Der Vater wollte, dass der Sohnn den Nachbarn rettet. Beide waren sich des Risikos bewusst. Sie sind es aus Nächsten/Feindesliebe eingegangen.»

 

25. März 2016 | 01:00
von Walter Ludin
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