Das Meer droht viele Länder zu überfluten © Walter Ludin
Walter Ludin

Vor dem Weltuntergang?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Film «Apocalyps now» aus dem Jahr 1979. Er zeigt den Schrecken des Krieges, ebenso einen Wahnsinnigen, der über andere mit Terror herrscht. Auch wenn es schon lange her ist: Der Schluss des Filmes dröhnt mir immer noch in den Ohren: Er besteht aus den Worten «Horror, Horror/Grauen und Schrecken».

Warum ich Ihnen dies erzähle? Ganz einfach: Das heutige Evangelium wird zur apokalyptischen Literatur gezählt. Es erzählt ebenso wie der Film «Apocalyps now» von Grauen und Schrecken. Nämlich vom drohenden Weltuntergang.

Ich weiss: Dies ist ein höchst schwieriges Thema. Wie oft wurde – vor allem von Sekten – der Weltuntergang auf einen bestimmten, sehr nahen Zeitpunkt datiert.

Sie kennen vielleicht das Lied: «Wir leben nicht mehr lang. Denn am 8. Mai ist Weltuntergang.» Und am 9. Mai gabs die Welt noch immer. So kann jeder/jede von uns erfreut und ironisch sagen: «Ich habe schon manchen Weltuntergang überlebt.»

Auch zur Zeit Jesu haben sehr viele Menschen gemeint, die Welt würde demnächst untergehen. Auch im heutigen Evangelium sind Spuren davon zu finden. Doch schliesslich sagt Jesus in Bezug auf das Ende:

«Jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
auch nicht die Engel im Himmel,
nicht einmal der Sohn,
sondern nur der Vater.»

Immer, wenn eine abstruse Gruppe behauptet, sie kenne das Datum des Weltendes dürfen wir ihr von diesen Worten Jesu erzählen.

Werfen wir einen Blick in die Gegenwart: Manche Menschen blicken mit grosser Sorge auf die aktuelle und künftige Lage unserer Welt – und ihr drohendes Ende. Aber schon 1833 liess der Wiener Johann Nestroy in seinem Theaterstück «Lumpazivagabundus» die Darsteller singen: «Die Welt steht auf kanen Fall mehr lang, lang, lang.»

Ja, auch heute fühlen manche ähnlich, wenn sie in die Welt blicken. Denken wir nur an die Corona-Pandemie, die kein Ende nehmen will. Oder noch umfassender: die Klimakrise mit der globalen Erwärmung. Von ihre war in den letzten zwei Wochen im Zusammenhang mit der Konferenz von Glasgow sehr oft die Rede.

Nicht nur die Menschen auf kleinen Inselstaaten im Pazifischen Ozean müssen befürchten, dass ihre Heimat in wenigen Jahrzehnten buchstäblich ins Meer versinkt. Auch grösseren Staaten wie etwa Bangladesch droht dieses Schicksal. Selbst Teile von Neu York könnten überflutet werden. Man rechnet, dass bald weltweit 180 Millionen von Menschen davon betroffen sind.

Wir dürfen solche Prognosen nicht leichtfertig zur Seite legen. Sie sind vieltausendfach von den besten Wissenschaftern der Welt belegt. Trotzdem: Es besteht kein Grund zur Panik.

Denken wir da nochmals an den Begriff der biblischen Apokalyptik. Auch wenn ihre Autoren die Bedrohungen ernst nahmen, ging es ihnen letztlich nicht um die drohenden Katastrophen. Ihre Absicht war, den Menschen in ihrem Elend Mut zu machen. Dies zeigt sich deutlich im letzten Buch der Bibel, der Geheimen Offenbarung, eben auch Apokalypse genannt. Ihr zentraler Inhalt gipfelt im Satz:

«Kopf hoch! Eure Rettung naht.»

Nein, trotz allen schlimmen, realen Bedrohungen besteht kein Grund zur Resignation. Eine Rettung, ein Ausweg aus der Klimakrise ist möglich. Dies belegen auch die Wissenschafter.

Nur: Wir dürfen nicht untätig bleiben und alles Heil von Gott erwarten. Gerade auch Jesus und zum Beispiel Paulus haben immer wieder dazu aufgerufen, Mitarbeiter/innen Gottes zu werden.

Ganz zum Schluss: Sie kennen vielleicht den humoristisch gemeinten Spruch: «Es gibt vieles zu tun. Hauen wir ab.»

Ich schlage vor, ihn abzuwandeln: «Es gibt vieles zu tun. Packen wir es an!»

Das Meer droht viele Länder zu überfluten © Walter Ludin
13. November 2021 | 07:33
von Walter Ludin
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Ein Gedanke zu „Vor dem Weltuntergang?

  • Männerdomäne – Leserbrief – Münchner Merkur – 15.12.2021
    Kirchlichen Umbruch gestalten; Bayern 14.Dezember
    Solange sich die katholische Kirche weiterhin als in sich gefangene Männerdomäne behauptet, wird sie sich von Schlammschlacht zu Schlammschlacht quälen.
    Gott aber hat Mann und Frau als sein Ebenbild erschaffen. Das große Vorbild ist die Heilige Familie, Jesus, Maria und Josef. Sie sind der Ministaat und Grundstein
    unserer Existenz. Auch die Institution katholische Kirche kann auf Dauer ohne diese Wahrheit nicht überleben. In dem Artikel kommt erst das Geld, dann die Gebäude, die Menschen und der Priestermangel. Seit 1960 haben weltweit 100.000 Priester wegen der Pflicht zum Zölibat ihr Amt aufgegeben. Von Gott habe ich nichts gelesen. “Wenn man einmal, ohne an sich selbst zu denken, lebt, den Egoismus unter den Absatz der Schuhe bringt und allein auf der Suche nach dem Willen des Herrn ist, dann wird alles leicht.” Papst Johannes XXIII:
    Ilse Sixt – Oberpframmern – http://www.ilsesixt.de

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