Walter Ludin

Trotz allem: eine fasnächtliche Predigt

(Ich kann es mir fast nicht vorstellen: Dieser Blog ist meine Nummer 4500!)

Masken waren bislang ein beliebtes Sujet für Fasnachtspredigten. Wenn man in Zeiten der Corona-Maskierung dieses Thema wählen würde, wäre dies wohl unfreiwillig komisch. Aber genau diese Komik – auch eine sehr unfreiwillige – finden wir in unserer heutigen Schweiz. Auf der einen Seite haben wir eine Maskenpflicht, auf der andern Seite wird um ein Verhüllungsverbot gestritten. Das Gesicht müsse immer und überall sichtbar sein.

Wenn wir schon bei diesem seltsamen Phänomen sind, nur noch eine Seltsamkeit: Den Frauen soll es verboten werden, zu viel Stoff anzuziehen. Doch bis vor wenigen Jahrzehnten galt es für viele als höchst unsittlich, wenn die Frauen zu wenig Stoff trugen. Es gibt da etwa ein Beispiel aus dem St. Galler Rheintal, wo Prediger gegen ärmellose Kleider wetterten, sich aber still verhielten gegenüber der Tatsache, dass in unmittelbarer Nähe jüdische Flüchtlinge zurückgeschickt wurden, wo der sichere Tod auf sie wartete.

Aber, entschuldigen Sie bitte, dass ich anfange, eine politische Predigt zu halten – statt eine fasnächtlich fröhliche. Überhaupt: In jeder Predigt sollte Fröhlichkeit, sollte Humor Platz haben. Eine Bekannte von mir meinte: «Eine Predigt, bei der ich als Zuhörerin nicht wenigstens einmal lachen kann, ist für mich schlecht.»

Aus der Kirchengeschichte kennen wir den Brauch vom Risus Paschalis, dem Osterlachen. Um die Freude über die Auferstehung Jesu auszudrücken, musste der Prediger Witze erzählen, und nicht immer nur feinfühlige.

Ich versuch’s jetzt mit einem Witz, der kürzlich im Newsletter der Luzerner Landeskirche stand. Eine Psychiaterin ist hilflos und sagt dem Patienten: «Ich verstehe Ihr Problem immer noch nicht. Bitte erzählen Sie von Anfang an.» Der Patient erwiderte: «Also, am Anfang schuf ich Himmel und Erde.»

Wir können aber nicht nur über Witze lachen, sondern auch über ernsthafte Dinge. Am meisten gelacht in einer meiner Predigten haben vor allem Frauen, als ich im Zusammenhang mit der Gleichberechtigung aus einem Pfarrblatt zitiere, in dem es vor etwa 80 Jahren hiess: «Aus psychischen, physischen und intellektuellen Gründen ist es für eine Frau völlig unmöglich, Lehrerin zu werden.»

Wenn wir schon beim unfreiwilligen Humor sind: In der Besprechung eines Witzbüchleins meines Mitbruders Hanspeter Betschart schrieb ich: «Wer über sich selbst lachen kann, hat immer etwas zu lachen. Darum ist Hanspeter ein glücklicher Mensch …»

Im gleichen Sinn hat der frühere Zirkus-Pfarrer Ernst Heller geschrieben: «Sich selber auf den Arm nehmen, bleibt das grösste Kunststück.» Wer dieses Kunststück beherrscht, wirkt sympathisch, nicht nur in diesen fasnächtlichen Tagen. ………

Überhaupt sah die Kirche in Erfreulichen oft nur Sündhaftes. Darum hat ein führender Kirchenmann vor etlichen Jahren bei einer Ski-Wanderung begeistert ausgerufen: «Dass so etwas Schönes nicht Sünde ist.»

Dazu gehört auch, dass viele Fromme es gerne gesehen hätten, dass Jesus Wein in Wasser verwandelt hätte statt umgekehrt.

Eine aktuelle Fasnachtspredigt müsste auch darauf  eingehen, dass die fasnächtlichen Tage eine gute Gelegenheit sind, wieder etwas gelassener zu werden; gerade  auch in  den Zeiten der Cholera oder Ähnlichem. Wie heisst es doch in einem Kirchenlied:

Was hilft es, dass wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur grösser durch die Traurigkeit.

Darüber könnte man lange nachdenken und reden. Ich möchte jedoch darauf verzichten. Denn: «Eine kurze Predigt ist für die Gläubigen, eine lange Predigt für die Katze.»  Auch wenn ich Katzen gerne habe, schliesse ich hier.

Betagtenzentrum Wesemlin, Luzern Rüdiger Samschtig 16.30; Kloster Wesemlin Fasnachts-So 10 Uhr

Luzerner Fasnacht © Walter Ludin 2020
13. Februar 2021 | 19:50
von Walter Ludin
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