Heinz Angehrn

«Non intendo» – Synodales

auch von mir zum Abschluss dieser «gewaltigen Übung»:

a) Zum medialen Druck und der durch ihn erzeugten absurden Erwartungshaltung: Meint denn irgendjemand im Ernst, dass sich diese fast zweitausendjährige Institution so schnell in zentralen Fragen, wie es ihre patriarchal-heterosexuelle Prägung nun eben mal ist (als eine der drei patriarchalen monotheistischen Religionen der späten Antike), ändern kann und ändern wird? Ist denn nicht klar, dass starker Druck immer auch Gegendruck erzeugt? Das Gelingen oder Misslingen dieses synodalen Prozesses etwa am Frauenpriestertum festzumachen, ist naiv und geschichtsvergessen. So hätte ich ja auch fordern können, dass es die völlige Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe und Partnerschaft sein muss, die am Ende steht. Habe ich nicht, tue ich nicht, ich danke für die kleinen Schritte, für die der neue Präfekt der Glaubenskongregation steht.

b) Zeichen sind wichtiger als Texte: Was in ein paar Jahren bleiben wird, ist nicht das Abschlussdokument, sondern die optisch-atmosphärische Veränderung, die dieses Synode in die Kirchengeschichte eingebracht hat. Nicht mehr ein Hörsaal voll eng sitzender Kleriker und ihnen gegenüber der grosse Boss am Zuhören und Entscheiden, sondern viele runde Tische, an denen Männer und Frauen, Laien und Kleriker, und gelegentlich auch der Boss sitzen, reden und formulieren. Das ist der optische Schritt hin zu einer sich langsam der Neuzeit und ihren demokratischen Strukturen öffnenden Kirche. Wenn wir bedenken, dass noch im 19.Jahrhundert Pius IX. den Absolutismus in dogmatischen Stein giessen wollte, ist dies ein gewaltiger Fortschritt. Und sie bewegt sich doch, einfach nicht so schnell, wie das Mediengeschrei es gerne hätte.

c) Der interne Clash of civilizations: Ob uns das im Westen passt oder nicht, wehren sich die afrikanischen Katholiken/innen und ihre Bischöfe zu Recht dagegen, aufs Neue schon wieder in kolonialistischer Manier einfach instrumentalisiert und mitgezogen zu werden. Aus dieser Synode wird mittelfristig folgern, dass in Respektierung des Prinzips der Subsidiarität die einzelnen Ortskirchen mehr Entscheidungshoheit erhalten. dass nicht mehr alle Fragen in Rom entschieden werden. Umgekehrt dürfen die Kirchen des Westens aber auch einfordern, dass sie in Fragen der Menschenrechte voraus gehen dürfen und nicht mit Verweis auf die Weltkirche blockiert werden. «Insieme nella diversità», so Franziskus im Schlusswort.

d) Der Diakonat auch für Frauen: Wie gesagt braucht der Abbau einer patriarchalen Prägung Zeit, viel Zeit. So wie das «santo subito» töricht war, wäre ein «Priesterweihe sofort» töricht. Der Präfekt der Glaubenskongregation hat aber zum Schluss der Synode gesagt, dass es bei der Frage der Zulassung von Frauen zum untersten Weiheamt nicht mehr um die Möglichkeit, sondern um den richtigen Zeitpunkt gehe. Das muss zurzeit genügen, und eine Umsetzung wird wohl im Sinn des unter c) Gesagten erfolgen. Und ganz sicher erfolgt diese Umsetzung einst nicht unter den Bedingungen einer materiell reichen, weil staatskirchlich subventionierten Kirche wie bei uns!

e) Katholikale Sekte oder weltoffener Gesprächspartner – «to be or not to be» – um das geht es immer drängender. Die Fragen, die sich aufgrund von Aufklärung, Neuzeit und modernem Menschenrechtsverständnis stellen, brauchen Antworten. Ich habe dies schon vor Jahren formuliert: Erst wenn diese Kirche in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebende Männer als Priester und Bischöfe akzeptiert, ist sie in der Neuzeit angekommen. Die Frauenfrage ist der vorletzte Schritt, doch auch dieser letzte muss getan werden.

28. Oktober 2024 | 06:00
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 2  Min.
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Ein Gedanke zu „“Non intendo” – Synodales

  • Hansjoerg sagt:

    Mir würde vorerst schon ausreichen, wenn der vorletzte Schritt getan würde. Wenn die Hälfte aller katholischen Mitglieder, nämlich die Frauen, endlich gleichberechtigt und gleichwertig anerkannt würden. Nur schon dadurch wären alle Folgeschritte viel einfacher zu erreichen, wie auch die Reform der mittelalterlichen Sexuallehre.
    Aber, Herr Angehrn hat natürlich völlig Recht, auch der letzte Schritt muss früher oder später erfolgen.

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