Thomas Boutellier

Su simmer all he hinjekumme, mir sprechen hück all dieselve Sproch.

Eine Freundin von mir hat folgendes Video auf ihrer Facebookseite gepostet. Darauf ist der Einzug in den Kölner Dom zum Gottesdienst vor der Kölner Fasnacht (oder besser gesagt dem Karneval) zu sehen. Was mich dabei beeindruckt, ja berührt hat, ist das Lied, das dazu gesungen wurde.
Wir haben das dann am Familientisch diskutiert. Darf man ein Lied in der Kirche singen, in dem von Moslems, Juden und Buddhisten die Rede ist, welche alle gleich sind? Und darf der König der Fasnacht in der vordersten Reihe sitzen?
Nein, das geht gar nicht, kam es aus der einen Ecke. Unsere Jüngste, dem Glauben und Gott gegenüber so oder so skeptisch, findet, dass Fasnacht und Kirche nicht zusammengehören. Das Lied spielt dabei keine Rolle.
Natürlich, und es ist sogar ganz gut, wenn die Fasnacht in der Kirche ihre Rolle spielt, schliesslich kommt die Fasnacht ja auch aus einer kirchlichen Tradition heraus, war die Reaktion des Ältesten. Auch das Lied fand er sehr passend, da es die aktuelle Weltlage doch sehr schön darstellt.
Das Lied, das 2001 von der Band Black Fööss geschrieben wurde, hat es in sich. Nach ihm sind alle Menschen vor Gott gleich, egal welche Religion sie haben, aus welchem Land und welcher Kultur sie kommen. Es ist eine Hymne an ein weltoffenes Köln. Ausgerechnet an der Fasnacht, einem in jeder Region streng gehüteten und klar abgegrenzten Kulturbestandteil sind alle Menschen gleich, sprechen alle dieselbe Sprache? Ja, die Fasnacht als völkerverbindendes Fest!
Am 6.8 . sprach eine tschechische Kulturwissenschaftlerin am Radio im Tagesgespräch am Mittag auf SRF 1 davon, wie sie die Basler Fasnacht nach Prag gebracht hat und warum es in Prag eine Fasnacht braucht. (ich als Luzerner hätte ja eine andere gebracht  🙂  ).
Die Fasnacht kann auch  politische Botschaft sein, wie im Kölner Lied. Wir alle sind gleich, wir sind alle Menschen, niemand ist besser als wir. – Und zurück zum Video: das wird in einer der grössten Kirchen der Welt zum Einzug gesungen, und die volle Kirche singt mit.
So geht das, ist man versucht zu sagen. Auch das ist eine politische Botschaft, welche die Kirche aussendet, nicht nur immer die negativen Geschichten. Jeder, der mal einen Gottesdienst mit einem Bischof vorbereitet hat, weiss, dass es manchmal ein Ringen sein kann um Inhalt und Lieder. Hier scheint sich die Kirche in Köln mit diesem Lied bewusst zu positionieren.
Das machen auch andere in der Kirche Schweiz: wenn die Fasnacht in den Kirchen stattfindet.
Wollen wir hoffen, dass von dieser Freude und Weltoffenheit etwas zurückbleibt, wenn die Fasnacht vorbei ist und wir uns in der Fastenzeit auf den Kern unseres Lebens besinnen.
Einzug in den Gottesdienst in Trimbach © Ernst Brechbühler
7. März 2017 | 10:06
von Thomas Boutellier
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