Termine der Stille
Trage regelmässig in deine Agenda freie Zeiten ein, die du gegen jede Terminanfrage verteidigst. So schrieb ich in meinem zweiten Büchlein über Gelassenheit. Der Rex-Verlag machte diese Anregung zum Titel «Termine der Stille» (1992; leider schon längst vergriffen).
Wie aber verteidige ich diese Time-outs, wie man heute sagen würde? Soll ich offen bekennen: «An diesem Tag erlaube ich mir, mal faul zu sein – so wichtig eure Sitzung auch ist.»? Oder sage ich: «Ich habe dann einen sehr wichtigen Termin.»? Wäre dies eine Lüge; allerdings eine erlaubte Notlüge?
Nun, man sollte es geschickter anstellen als einst ein österreichischer Landwirtschaftsminister. Statt in eine Parlamentsdebatte über Landwirtschaftsfragen ging er in die Sauna; eben, weil er einen «ganz wichtigen Termin» habe. Und prompt wurde er gesehen …
Übrigens: Heute mache ich einen «dringenden Familienbesuch»: Ich gebe endlich dem Drängen zweier Freundinnen nach und begleite sie in den Basler Zoo!
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant