Nachdem sicher nicht viele Leser/innen von kath.ch auch das «Konkurrenzprodukt» swiss.cath.ch lesen, fühle ich mich aufgrund meines jahrelangen Engagements in dieser Thematik verpflichtet, auf einen eben erschienenen Gastkommentar des emeritierten Churer Weihbischofs Marian Eleganti mit dem Titel «Homosexualität in Gesellschaft und Kirche» hinzuweisen. In brisanter Art und Weise verbindet dieser Artikel die harte Wahrheit, dass sich die katholische Kirche bis heute um den von Eleganti so genannten «Elefant im Raum», den hohen Anteil (immer wieder auf etwa 30-40% geschätzt) von homosexuell empfindenden Männern im Klerus, herumdrückt und sich lieber hinter der erfolgreichen Aufarbeitung der Missbrauchsproblematik versteckt, mit den konservativ-fundamentalistischen Theorien, dass homosexuell Empfindende zweierlei bedürfen, des Mitleids zwar, aber dann der Therapie, sprich der Umpolung (»conversion»).
Diese Mischung von blanker Wahrheit einerseits und den alten diskriminierenden Vorurteilen, die heute noch zwei- bis dreitausend Jahre alte Bibelverse samt den dahinter stehenden sozialen Bedingungen zum Massstab nehmen, andrerseits verwirrt und verblüfft. Was will der Mann, der eben noch den «entweihten» Petersdom mit ent-sühnen half, uns sagen? Oder – das meine böse Idee – galt dieses «entsühnen» nicht nur der eben stattgefundenen Wallfahrt von LGBTQ-Gruppen zum Heiligen Jahr, sondern vor allem der grossen Masse von schwulen Priestern, Bischöfen, Kardinälen und wohl auch Päpsten, die regelmässig am heiligsten Ort ihrer Kirche im Einsatz waren und sind? Ich zitiere Eleganti sehr gerne wörtlich: «Immer noch warten wir deshalb vergeblich auf die Nennung eines grossen Problems in der Kirche: die überproportionale Häufigkeit von Homosexualität im Klerus mit all ihren negativen Folgen.»
Dann verweise ich gerne noch auf zwei nicht zufällige Fakten:
a) Eben hat durch die NZZ angestossen die Diskussion um einen betroffenen Priester des Bistums Chur neu begonnen, der ephebophiler Übergriffe (spricht juristisch exakt: unzulässiger Beziehungen zu jungen Männern, die in einem seelsorgerlichen Abhängigkeitsverhältnis stehen) verdächtigt wird. Zufall oder nicht?
b) Eleganti war als junger Mann ja Mitglied der Gemeinschaft »Werk des Heiligen Geistes» und trat dann im gegenseitigen «Bruch» aus. Joseph Seidnitzer, der Gründer und geistliche Leiter dieser Gemeinschaft, war ephebophil veranlagt, missbrauchte seine seelsorgliche Stellung und wurde deswegen wiederholt verurteilt. Bis heute bleibt die Frager offen, wie weit auch Eleganti ein Opfer war.
Ich weiss, dass viele das nicht lesen und hören wollen und dass sie sich auch über mich nerven. Ich wiederhole zum x-ten Mal: Wenn diese Institution sich diesem «Elefanten in Raum» nicht stellt, verlängert sie das Leiden von Tätern und Opfern. Schafft Klarheit und schafft Wahrheit. Zum Priester geweiht werden sollten nur noch viri probati, Männer, die in einem legalisierten Verhältnis mit einem/r Partner/in leben und sich die Anerkennung ihrer Gemeinden erworben haben.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant