(Die Idee zu diesem Artikel entstand angesichts der Aufregung in Washington über die Kleidung des Staatsgastes aus der Ukraine.)
Es gibt verschiedenste patriarchale Riten und Traditionen, die mehr oder weniger klar das Idealbild des perfekten Mannes abbilden und einfordern. Dieser perfekte Mann soll zunächst hetero sein, sprich Nachkommen-erzeugend. Dann soll er ein guter Krieger sein und seine Sippe beschützen, dazu braucht es viele Muskeln, aber nicht allzu viel Gehirn. Dann soll er dominant auftreten und so seine Sippe auch gesellschaftlich-ökonomisch vorwärts bringen, dafür braucht es Kaltblütigkeit und Gerissenheit und ja nicht zu viel moralisches Denken.
(Ich weiss, regen Sie Sich nicht auf, lieber Leser, das ist etwas pauschal. Doch schauen Sie die «Vorbilder» an: Caesar, Napoleon, Rockefeller, Blocher, Putin, Trump etc.)
Wenn sie sich dann zusammenfinden und untereinander versippen, diese «echten Männer», dann kommen weitere «Sekundär-Merkmale» hinzu, so etwa zunächst spezielle Männer-Clubs (in GB genau so genannt, bei uns heissen sie Regimentsstab, Rotary u.ä.), aber auch bestimmte Automarken, Zigarren, Golf und weitere Accessoires und damit verbunden eine machohafte Sprache, sobald ihre Gattinnen ausser Reichweite sind.
(Regen Sie Sich bitte nicht auf, ich bezeuge, dass dies der Wahrheit nahe kommt. Ich war selber in einem Regimentsstab – o Schreck – und spiele selber Golf. Letzteres ist nur in Gegenwart von weiblichen Spielerinnen oder des Ehemannes zu ertragen…)
Das äusserlichste und auch äusserste dieser «Sekundär-Merkmale» ist nun die Krawatte. Ein rechter Mann trägt, sobald er sich in gewissen gesellschaftlichen Sphären bewegt, dieses Würge-Objekt, und weh ihm, er hält sich nicht an die Regeln. Ständeräte etwa müssen dies bis zum heutigen Tag, selbst Paul Rechsteiner unterwarf sich und spielte mit. Sein fast einziger politischer Fehler.
Der Präsident der Exekutive des Konfessionsteils tadelte mich einst, als ich ohne Krawatte im Parlamentssaal erschien. Ich trug ein schönes Hemd und ihm zuliebe ein Gilet, was sollte denn das, dachte ich. Wir begegneten uns dann viel später auf dem Golfplatz, ich in Knickerbockers, das war die Rache.
Also: Ich habe nie in meinem Leben eine Krawatte gekauft. Drei wurden mir geschenkt, zwei schwarze von der Armee und eine knallige von jemand «Gutmeinendem». Eine der schwarzen habe ich behalten. Es könnte ja zur ultimativen Beerdigung kommen.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/das-kleidungsstueck-der-anpassung-unterwerfung/