Schweigen hilft wohl gar nichts III: Vertuschung

Viele stehen rätselnd vor diesem Phänomen: Bischöfe, Generalvikare, Personalverantwortliche und Offiziale haben während sehr langer Zeit alle dazu beigetragen, Missbrauchsfälle im Klerus zwar zu erkennen und zu erfassen, dann aber die Betroffenen ohne Mitteilung nach aussen zu zitieren, zu massregeln und zu ermahnen und im Zweifelsfall so weit zu versetzen, dass am neuen Ort nichts über sie bekannt war. Zwar werden auf den Ordinariaten «normale» Akten über jeden einzelnen Priester geführt (Zeitungsartikel, wo er erwähnt wird; Interviews, die er gegeben; Artikel, die er irgendwo geschrieben hat; Briefe, in denen über ihn geklagt wird etc.; also klassische Fichen), aber die Akten, die schweres Versagen betrafen, wurden separat geführt und mussten gemäss ordentlichem Recht nach zehn Jahren vernichtet werden. (Bei diesen Aktenvernichtungen ging es also kirchenrechtlich absolut korrekt zu und her!)

Warum?

Es tut mir leid, aber ich muss wieder mit meinem Hauptargument daher kommen. Weil ein geweihter Priester kein gewöhnlicher Mensch mehr ist, weil er gemäss Lehre und Doktrin ein Geheiligter ist, der befugt und berechtigt ist, die heiligen Zeremonien der Kirche zu vollziehen. Er mag zwar als Privatmensch alles mögliche sein (ein brutaler Tyrann, ein Alkoholiker, ein Intrigant, ein Serientäter…), als Amtsträger aber ist und bleibt er Bestandteil der heiligen Mutter Kirche.

(PS: Das zeigt sich etwa gut am Umgang mit laisierten Priestern, laisiert, nachdem sie zivil geheiratet hatten. Zwar dürfen sie die Sakramente nicht mehr spenden, wenn sie es aber dennoch tun, ist dies gültig, für den Empfänger und die Gruppe.)

Das Vertuschen diente der Erhaltung des Systems, der Erhaltung der Doktrin. Es geschah nicht zum Wohl der betroffenen Täter, die hätten mindestens eine Therapie, wenn nicht eine lange Auszeit gebraucht. Und es geschah natürlich auch nicht zum Wohl der Opfer.

(PS 2 und wirklich wahr: Mir persönlich wurden einst Konsequenzen angedroht, weil ich mich a) für ein selbstbestimmtes Sterben engagierte und weil ich b) zu Segensfeiern bei der Wiederverheiratung von Geschiedenen bereit war. Hätte ich statt dessen aber Unethisches begangen, etwa meine Jungs begrabscht, das wäre irgendwo in einer geheimen Akte verschwunden.)

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/schweigen-hilft-wohl-gar-nichts-iii-vertuschung/