Schweigen hilft wohl nichts II: Homophobie

«Und ich versteck mich hier in meiner kleinen Festung,
ich fühl mich sicher und geborgen
Und keiner hat den Schlüssel ausser mir.»
(»In einem Moment», deutscher Coming-Out-Kurzfilm)

Die unzähligen Berichte über Missbrauchs-Fälle bei Klerikern subsummieren ja alles Mögliche: Institutioneller Missbrauch, spiritueller Missbrauch, sexueller Missbrauch von erwachsenen Anvertrauten, Ephebophilie, Pädophilie. Als Ursache muss im katholischen Kontext das vermutet werden, was ich hier schon schilderte.

Die Reaktion der Rechtsaussen-Fraktion auf die Krise nun ist schockierend. Eigentlich begann es, als Papst Benedikt (wohl selber ein Betroffener) die sexuelle Revolution im Gefolge der 68er-Bewegung als eigentliche Ursache für moralischen Zerfall jeder Art und damit auch für die Missbrauchs-Krise ausmachte. Das machte er wohlverstanden in der Zeit um 2010, 40-60 Jahre nach der Zeit, in der die meisten nun dokumentierten Übergriffe stattfanden. In seinem Gefolge nun fallen die Kanäle (wie unser Korrektor swiss-cath.ch) über die LBGTQ-Bewegung her und machen sie für die Krise verantwortlich. Das ist unglaublich, unanständig, unethisch und macht den Bock zum Gärtner.

Ein Beispiel gefällig? Swiss.cath. (»Mit spitzer Feder») nennt Franz Sabo kurzerhand einen Pädophilen. In diesem von kath.ch (und RR!) gründlich aufgekochten Fall ging es aber um schwule Ephebophilie. Ein junger Priester verguckte sich ethisch völlig unangemessen in einen 17jährigen mit gleicher Neigung wie er. Dies war und ist kein anderer Fall als die schon vergessenen jungen Vikare/Kapläne, die sich in Ihre Blauringleiterinnen verguckten (und die dann später heirateten, Namen sind bekannt) oder auch mein hochgeschätzter Kanti-Lehrer.

Aber nein: Wieder sind die Schwulen an allem schuld, wieder werden ihnen Attribute wie pervers bzw. pädophil angehängt. Haben wir vergessen, wie die NS-Diktatur mit dem Thema umging? Wollen wir neue Akten anlegen, welche Priester und Seelsorger in Frage kommen?

Ich habe ehrlich gesagt die Nase voll. Den Bock nicht zum Gärtner machen hiesse: Anerkennen, dass über 30 Prozent der Priester homosexuell fühlend sind. Anerkennen, dass die Institution das schon immer wusste und von ihnen profitierte (denn sie machten ja keine unerwünschten Kinder). Anerkennen, wieviel Leid hier angerichtet wurde, wie viel Verdrängung, wie viel falsche Sublimation. Ja und auch: Sich endlich entschuldigen, nicht nur bei den jungen Männern, die ihnen in die Quere kamen, sondern bei ihnen selbst.

Wir sind nicht an dieser Krise schuld. Wir sind aber ein Rädchen in ihrem grossen jahrhundertealten Zahnwerk. Und wir wollen eins:

«Ich komm raus aus meiner kleinen Festung,
will mich nicht länger nur verstecken.»
(a.s.O.)

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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