«Der Friede sei mit euch.» Erstaunliche drei Mal grüsst Jesus die Jünger (im Evangelium des letzten Sonntags) mit diesen Worten.
Wir alle wissen es: der Friede ist ein zartes Pflänzchen, sowohl im privaten wie im öffentlichen Umfeld.
Es fängt bei jedem einzelnen Menschen an. Manche vermissen den innern Frieden. Ein Beispiel: In Seelsorgegesprächen treffen wir nicht selten Gläubige an, die unter Fehlern der Vergangenheit leiden. Sie können sich nicht selber verzeihen. Nicht nur am heutigen Sonntag, der auch Barmherzigkeits-Sonntag genannt wird, dürfen wir sie an die unendliche Barmherzigkeit Gottes erinnern.
Nur kurz zu zwischenmenschlichen Konflikten: Wie viel Streit und Missverständnis gibt es auch in unserer Umgebung, in Familien, Betrieben und Nachbarschaften? Warum, so fragt man sich häufig, müssen die Menschen so nachtragend sein? Warum müssen sie den andern ihre Fehler vorhalten, oft während Jahrzehnten?
Wenn wir in der heutigen Zeit von Frieden sprechen, müssen wir uns auch mit dem Krieg in der Ukraine auseinandersetzen. Jede Zeitung bringt dazu jeden Tag drei-vier Seiten oder noch mehr. Wie soll ich in wenigen Minuten etwas Sinnvolles dazu sagen?
Jedes Volk hat das Recht, seine Unabhängigkeit zu verteidigen. Die Frage ist, wie das geschieht: mit oder ohne Waffen? Dabei müssen wir an Jesu Wort denken: «Wer zum Schwert greift, kommt durch das Schwert um.»
Oder auch an die vielfach bestätigte Feststellung: Im Krieg wird das zerstört, was man verteidigen will. Man denke nur an die fast völlig zerstörten Städte in der Ukraine; oder an die Millionen von Menschen, die von ihren Familien getrennt wurden.
Eine Alternative heisst gewaltfreie Verteidigung. Wie angetönt, muss diese in Friedenszeiten gezielt eingeübt werden.
Was heute das Abstossende ist: Kaum jemand spricht mehr von dieser Alternative, die sich auf Jesus und seine Botschaft von der Gewaltlosigkeit berufen kann. Dafür spricht man allenthalben von noch mehr Waffen; die deutsche Regierung will in nächster Zeit für die Armee die unvorstellbare Summe von zusätzlichen 100 Milliarden bereitstellen….. Die schweizerische Regierung denkt an immerhin zwei Milliarden.
Zum Schluss möchte ich Sie bitten: Machen Sie sich mit dem Konzept der Gewaltfreiheit vertraut. Auch wenn es heute nicht mehr en vogue ist, gibt es da und dort Artikel darüber, zahlreiche Beiträge im Internet sowie Radio- und Fernsehsendungen. Sich hier kundig machen, ist ein Beitrag zum Frieden.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant