Israelische Nationalisten berufen sich die 4000 Jahre alte mythische Zugehörigkeit zum «verheissenen Land». Gleichzeitig sehen sie die seit Jahren ansässige Bevölkerung als unrechtmässige Eroberer.
Dazu meint Charles Ajjad-Ali, der u. a. am Luther-Seminar Minesotta USA eine Professur für «Gerechtigkeit und Christliche Gemeinschaft» innehat, die biblischen Texte, auf die sie sich berufen, seien exegetisch sehr komplex, theologisch nicht eindeutig und keinesfalls im Sinne eines nationalen Eigentumstitels zu verstehen.
Darum sieht der Autor keine stichhaltige religiöse Begründung für die Schaffung des Staates Israel. Es gäbe bloss eine politische Argumentation, den UNO-Teilungsbeschluss. Bekanntlich stand dahinter Absicht, den immer wieder verfolgten Juden eine sichere Heimat zu verschaffen.
Eine sehr bemerkenswerte Feststellung: Da die Shoa «nicht zuletzt durch die antijüdischen Sophistereien Luthers» hervorgerufen wurde, wäre es gerechter gewesen, den Staat Israel in einem Teil Deutschlands zu errichten, etwa ein Bayern.
Eine persönliche Bemerkung: Als Freund Bayerns kann ich mich mit dieser Vorstellung nicht anfreunden. Ein solcher Plan wäre aber gerechter gewesen als ihn auf dem Rücken das palästinensischen Volkes zu verwirklichen.
Der aus Pakistan stammende Autor erinnert daran, dass es europäische und nordamerikanische Gegenden gibt, die grösser als das gegenwärtige Israel sind und weniger dicht bevölkert sind:
«Ich frage mich, wie de Reaktion der Europäer und der Nordamerikaner wären auf solch einen Siedlerstaat als ausgleichende Gerechtigkeit, statt die Verantwortung für ihre Verbrechen auf die vielgeschmähten palästinensischen Opfer abzuschieben.»
Ich habe bereits in meinem Blog vom 28. Februar 2019 die Problematik kurz behandelt.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant