Wenden wir uns dem Jesus-Bild des Korans und der christlichen Bibel zu. Wir kommen dabei nicht am Zweiten Vatikanischen Konzil mit seiner Erklärung «Nostra aetate» vorbei, in der es in Nr. 3 von den Muslimen heisst, sie würden zwar Jesus nicht als Gott erkennen ihn aber als Propheten verehren» wie sie ebenfalls «seine jungfräuliche Mutter Maria ehren».
Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, müssen wir zuerst die gravierenden Unterschiede festhalten, bevor wir bezüglich Jesus das Gemeinsame anschauen.
- Ein wesentlicher Unterschied: In Jesus offenbart sich Gott als Mensch. Der Islam hingegen sieht sozusagen den Koran als Inkarnation Gottes.
- Mohammed lehnte es entschieden ab, Jesus als «Sohn Gottes» zu sehen.
- Der Kreuzestod Jesu wird im Koran abgestritten. Entweder wurde ein anderer anstelle von Jesus gekreuzigt oder dieser war nur scheintod.
Nun aber zu den Gemeinsamkeiten:
- Auch im Koran kündet ein Engel der Jungfrau Maria die Geburt Jesu an.
- Maria gebiert als Jungfrau ihren Sohn. Der Koran schildert sogar die Geburt Jesu mit Details, welche die Evangelium nicht kennen: «unter Palmen wurde er geboren …» So sind die Geburts- und die Verkündigungsszene im Koran ausführlicher beschrieben als in der Bibel.
- Auch im Koran ist Jesus wie vom Konzil vermerkt ein Prophet. Ja, er gilt sogar als «Messias», wenn auch nicht im jüdisch-christlichen Sinne. Der Begriff wird als Ehrentitel verwendet.
- Der Koran bezeichnet Jesus als «treuen Muslim», der die Gebetes und des Almosen-Gebens treu erfüllt. (Sure 19,30)
- Jesus hat seine Rolle beim «Jüngsten Gericht», allerdings nicht als Richter, sondern als Zeuge über die Taten der Christgläubigen.
Aus meinem Vortrag «Was haben Christen mit den Muslimen gemeinsam?» Dublin Mai 2017/Werkwoche der Kapuziner von Nord-West-Europa
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/islam-iv-auch-jesus-kommt-im-koran-vor/