Wie lange noch? ©Walter Ludin
Walter Ludin

Noch mehr Waffen?

«Anleitung zum Unglücklichsein». Auch über 40 Jahre nach dem Erscheinen des Buchs vonPaul Watzlawick findet man darin Gedanken, die immer noch aktuell sind; oder aktueller wie die folgenden:

«Es gibt nur eine mögliche, erlaubte, vernünftige, sinnvolle, logische Lösung des Problems. Und wenn diese Anstrengungen noch nicht zum Erfolg geführt haben, so beweist dies nur, dass man sich noch nicht genügend angestrengt hat.»

Geht es Ihnen wie mir? Ich denke da an die Vorstellung, nur die massivsten Lieferungen von Waffen an die Ukraine könne den Konflikt erfolgreich beheben.

Muss ich noch deutlicher werden und noch einen Satz aus der «Anleitung zum Unglücklichsein» anfügen, der gleich nach dem eben zitierten steht: «Die Annahme, dass es nur diese einzige Lösung gibt, darf selbst nie in Frage gestellt werden.»

Wie wahr, wenn man an Kriege im Irak denkt, in Syrien, Afghanistan und an manch andern Orten. Dass der Einsatz von Waffen tatsächlich und höchst grauenhaft zum «Unglücklichsein» führt, zeigt allein schon die Statistik: Alle diese Kriege haben über eine Million Menschen getötet; und einen materiellen Schaden von über 8 Billionen (!) Dollar verursacht.

Sonst aber: weit und breit kein «Erfolg»! Die «westlichen» Waffen in Afghanistan beispielsweise haben letztlich den Einfluss der Taliban perpetuiert. Und im Irak entstand der blutrünstige «Islamische Staat) .

Trotzdem: In den USA, in Deutschland (100 Mia mehr für die Armee) und auch in der Schweiz (künftig 2 Mia mehr …) glauben die Politiker immer nach an das Watzlawick-Rezept: «Es gibt nur eine mögliche, erlaubte, vernünftige, sinnvolle, logische Lösung des Problems.


BROSCHÜRE

Publik-Forum Extra: Frieden. 40 S. | Grossformat | CHF 10.50; Euro 8.70 | Zu beziehen bei: Publik-Forum, Postfach 2010, D-61410 Oberursel. E-Mail: verlag@publik-forum.de

Es ist Ihnen sicher schon öfters aufgefallen, dass vormalige Pazifisten (wie die deutschen Grünen) sich stark für Waffenlieferungen in die Ukraine einsetzen, während Leute, denen bislang kaum pazifistischen Neigungen nachgesagt wurden, sich dem Slogan «Frieden schaffen ohne Waffen» anschliessen.

Da ist der ehemalige Präsident des deutschen Bundestags, Wolfgang Thierse, SPD, der Willi Brandts Politik «Wandel durch Annäherung» rühmt und sich erfreut zeigt, dass die «Wende von 1989 durch gewaltfreien Widerstand herbeigeführt wurde. Im Publik-Forum-Heft «Frieden» dagegen wirft er der Friedensbewegung, die gegen die Lieferung von Waffen ist, «Herzlosigkeit» vor.

Bischof Friedrich Kramer, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirchen Deutschlands/EKD, warnt in der in der gleichen Broschüre, jeder Waffeneinsatz enthalte das «unkalkulierbare Risiko eines Atomkrieges», während seine Ratsvorsitzende Annette Kurschus vehement die Waffenlieferungen verteidigt. Insgesamt liefert hier Publik-Forum sehr wichtige Denkanstösse zum Thema Krieg und Frieden». Sehr empfehlenswert!

Weiterführende Gedanken in Franziskanerzeitschrift TAUWETTER; 1. 2022 Ukraine  www.tauwetter.franziskaner.de  (von dort auch als pdf …)

Wie lange noch? ©Walter Ludin
25. Mai 2022 | 08:41
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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Ein Gedanke zu „Noch mehr Waffen?

  • Stadler karl sagt:

    Alles Sichtweisen und Interpretationen, die so lediglich von linken pazifistischen Meinungsmachern ausschliesslich mitgetragen werden und empirischen Analysen so nicht standhalten. Beispielsweise war das Ziel der US-Invasion in Afghanistan anfänglich weder die Einrichtung einer Demokratie in Afghanistan noch die Vernichtung der Taliban, sondern lediglich die Zerstörung der riesigen Terror-Ausbildungslager der Kaida, von wo aus der Terror in die westliche Welt, auch nach Europa, exportiert wurde. Die Europäer waren schlicht machtlos dagegen. Das ist den USA denn auch in Kürze gelungen. Und es waren die amerikanischen Waffen, die den afghanischen Frauen erlaubten, wenigstens für eine kurze Zeit ein wenig mehr Freiheit zu erlauben. Das bezeugen diese selber. Und neuerdings nehmen die Taliban u.a. gerne amerikanische Unterstützung in Anspruch, wenn es darum geht, die neuerliche Ausbreitung des IS in Afghanistan zurückzudrängen.
    Und es sind einmal mehr amerikanische Waffenlieferungen (dreimal soviel als die gesamte EU), die den Ukrainern wenigstens ein klein wenig Hoffnung vermitteln, vielleicht ein wenig den gewaltigen russischen Militärüberfall zu bremsen. Nicht das verantwortungslose Appeasement-Gesäusel mancher Westeuropäer.

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