Kirche: Nicht die Masse zählt, sondern die zwischenmenschliche Kommunikation.  © Walter Ludin 2016
Walter Ludin

Mammutpfarreien?

Überschaubare Räume

(Walter Kirchschläger: Lebendige Pfarreien trotz Priestermangel II.)

In seinem Wiener Vortrag vom vergangenen November stellte der Referent weiter fest: «Nachhaltige Kommunikation zwischen Menschen kann auf die Dauer nur in einem überschaubaren Rahmen gepflegt werden.»

Kirchschläger zitiert dann Jorge Mario Bergoglio, den damaligen Erzbischof von Buenos Aires, der 2007 in einem Interview festgestellt hat:

«Unsere Religionssoziologen sagen uns, dass sich der Einfluss einer Pfarrei auf einen Umkreis von 600 Meter erstreckt. In Buenos Aires liegen zwischen einer Pfarrei und der nächsten ca. 2000 Meter. Ich habe den Priestern damals gesagt: ‹Wenn ihr könnt, mietet eine Garage, und wenn ihr den einen oder anderen disponiblen Laien auftreiben könnt, dann lasst ihn nur machen! Er soll sich um diese Leute hier kümmern, ein bisschen Katechese machen, ja, auch die Kommunion spenden, wenn er darum gebeten wird.›»

Walter Kirchschläger kommentiert: «Dieser überschaubare Rahmen ermöglicht es offensichtlich, die Wesenszüge von Kirche miteinander zu leben …

Kirche kann also zu jeder Zeit in überschaubarer solidarischer Gemeinschaft die Nachfolge Jesu verwirklichen.

Ehrliche Kirchenverantwortliche verbrämen die jetzt laufenden Umorganisationen nicht mit beigebrachten theologischen oder soziologischen Argumenten, sondern geben zu, dass es die personale Notsituation sei, die sie zu einem solchen Vorgehen herausfordert. Genau dies ist aber, wenn die richtigen Wertigkeiten der Themen und Argumente eingehalten werden, zu hinterfragen, bzw. als Handlungsgrund zurückzuweisen. Denn die Kirche ist für die Menschen da, und nicht umgekehrt; und das Leben der Kirche ebenfalls und auch Dienste in der Kirche müssen auf die Kirche und insbesondere auf ihre Mitte (Jesus Christus) hingeordnet sein.»

Mein Kommentar: Bezüglich Pastoralräume – oder wie immer diese Gebilde je nach Diözese heissen mögen – habe ich zwiespältige Gefühle.

  • Auf der einen Seite vermute ich wie viele andere, dass diese neuen Strukturen mit Blick auf den Priestermangel aufgebaut werden: Wie viele Priester stehen noch für Leitungsaufgaben zur Verfügung? Also …
  • Auf der andern Seite: Die Zusammenarbeit über die Schatten der Kirchtürme hinaus ist unverzichtbar – und wäre es auch, wenn es genügend Priester gäbe. Diese Chance gilt es zu nutzen.
Kirche: Nicht die Masse zählt, sondern die zwischenmenschliche Kommunikation. © Walter Ludin 2016
25. April 2019 | 07:21
von Walter Ludin
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