Kruzifix im Luzerner Kapuzinerkloster
Walter Ludin

Kreuze aufhängen reicht nicht

Schon wieder gibt’s in meiner Umgebung einen «Kreuzzug». In der Luzerner Agglo-Gemeinde Kriens hängen nach dem Umbau von Schulen nicht mehr Kreuze in den Klassenzimmern. Die SVP schreit Zeter und Mordio.

Selbstverständlich habe ich nichts gegen Kreuze im öffentlichen Raum. Aber allzu oft sind sie Symbole ohne jegliche Wirkung. Darum kann ich der Krienser Bildungsvorsteherin Judith Luthiger nur zustimmen, wenn sie meint: «Es ist nicht wichtig, was für ein Symbol an der Wand hängt. Viel wichtiger ist, welche Grundwerte und was für ein Menschenbild wir unsern Schülern mitgeben.»

Ausgerechnet das Menschenbild von vielen Kreuzverteidigern ist alles andere als christlich, wenn der Fremde als Feind dargestellt wird, während Jesus – der Gekreuzigte – mit den Fremden identifiziert: «ICH war fremd.»

Es gibt genügend Beispiele, die zeigen, wie Kreuze/Kruzifixe zu einem wirkungslosen Symbol verkomm:

-Ich werde das Bild aus Bayern der Nazizeit nie vergessen: Neben dem Kruzifix am Dorfeingang steht: «Wir wollen in unserer Gemeinde keine Juden.»

-Und wie viele junge Idealisten wurden im Gerichtssaal unter dem Kreuz zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie die Botschaft Jesu von der Gewaltfreiheit ernstgenommen haben?

Übrigens: Ein eifriger Vertreter von Kreuzen in den Schulzimmern wurde gefragt, ob es welch in seiner Kindheit in seinen Schulzimmern gegeben habe. «Keine Ahnung!» Wenn Kreuze wirklich etwas bewirken würden, hätte er anders geantwortet.

 

Kruzifix im Luzerner Kapuzinerkloster | © Walter Ludin
6. November 2016 | 10:38
von Walter Ludin
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