Naht das Ende der "Priesterkirche"? © Walter Ludin
Walter Ludin

Kirchenreform: Wo bleibt der neue Wein?

Wer auch nur ein kleines bisschen an der Kirche interessiert ist, macht sich Sorgen um ihre Zukunft. Wie kann sie überleben, wenn die Zahl der Austritte so unheimlich gross ist? Wenn immer weniger Gläubige an den Sonntagsgottesdiensten teilnehmen?
Der 86-jährige Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner gibt in seinem neuesten Buch «Zeitenwende. Aufgaben und Chancen kirchlicher Strukturreformen» eine teilweise! – Entwarnung. Er spricht von einem Übergang der Kirche, nicht von einem Untergang.
Seine Lösung: Die priesterzentrierte Kirche, die am Absterben ist, muss abgelöst werden durch eine «Taufberufungskirche», in denen die Gläubigen sich ihrer Würde und Verantwortung als Getaufte und Gefirmte bewusst sind und das kirchliche Leben entscheidend mittragen. Nur: Dieser Übergang erfolgt nicht automatisch. Die traditionelle Kirchenform könnte zu Ende gehen, bevor die neue zum Durchbruch kommt.
Seit Jahrzehnten begleitet Zulehner mit zahlreichen Büchern und unzähligen Vorträgen unermüdlich die Übergänge. Er ist sich dabei der Gefahr bewusst, dass Reformen an der Oberfläche bleiben. Mit einem Bild aus dem Evangelium: Man hat bloss die alten Schläuche geflickt, aber sich nicht um neuen Wein gesorgt. Sie könnte die Klage der Mutter Jesu an der Hochzeit von Kana sich wiederholen: «Sie haben keinen Wein mehr.» Darum: Bei allen Bemühungen um äussere Reformen dürfen die Glaubenserfahrungen mit Gott nicht zu kurz kommen.
Noch ein Anliegen von Paul M. Zulehner: Die kirchlichen Strukturreformen dürfen nicht so sehr im Zentrum sein, dass ein zentrales Anliegen der Kirche, der Dienst an der Welt und den Menschen, zu kurz kommt. Gefordert ist ein entschieden «politischer» Einsatz für Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung. Auch wenn eine lautstarke Minderheit der Gläubigen diesen als «links» verteufelt …


Paul M. Zulehner: Zeitenwende. Aufgaben und Chancen kirchlicher Strukturreformen | Eine Umfrage | Grünewald 2025. | ISBN/GTIN978-3-7867-3382-9 | 204 S. | ca. CHF 30.90
«DieKirche hat keine Zukunft mehr», sagte mir kürzlich ein guter Bekannter, der kirchlich durchaus engagiert ist. Der bekannte Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner (86) sieht es in seinem neuesten Buch differenzierter: «Die überkommene Sozialgestalt der Kirche ist nicht mehr aufrechtzuerhalten.»
Zulehner unterscheidet zwei Erscheinungsformen von Kirche: Die (traditionelle) «Priesterkirche», in der alles um die geweihten Amtsträger kreist; und die «Taufberufungskirche», die sich vom Volk Gottes her versteht: von den Getauften, die ihre Taufberufung ernstnehmen und das kirchliche Leben mittragen.
An sehr vielen Orten sind bereits Reformen in diese Richtung unterwegs. Vor genau einem Jahr hat Zulehner dazu eine gross angelegte online-Umfrage durchgeführt. Das Buch dokumentiert die Ergebnisse. Und gibt damit Anregungen, wie der Weg der dringend notwendigen Erneuerung der Kirche weitergehen kann.

Naht das Ende der «Priesterkirche»? © Walter Ludin
27. Mai 2025 | 16:30
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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3 Gedanken zu „Kirchenreform: Wo bleibt der neue Wein?

  • Hansjörg sagt:

    Solange die kath. Kirche grosse Gruppen von Menschen vor den Kopf stösst, oder sie sogar als schwere Sünder bezeichnet, wird auch die Anzahl der Austritte nicht kleiner.
    – So sind Frauen generell nicht gleichwertig und nicht gleichberechtigt
    – Jugendliche werden mit dem Verbot von Sex vor der Ehe zu schweren Sünderinnen und Sündern abgestraft
    – Verhütung ist verboten und ebenfalls eine schwere Sünde
    – Homosexuelle oder lesbische Paare werden nicht gleichwertig anerkannt
    – Geschiedene, die eine neue Liebe gefunden haben, werden als schwere Sünder und sogar als permanente Ehebrecher verurteilt

    Wer bleibt da noch übrig, um mit Freude Teil dieser Kirche zu sein?

  • Paulettinus sagt:

    Nun wird das Abbruchkmmando durch die neueste Faule Ausrede schöngeheuchelt:
    Die „neue“ Kirche ist halt leider noch nicht bereit, nachdem man die „ach so veraltete“ geschreddert hat, lautet die Rechtfertigung.

    Wenn sich solche Professiren nicht jetzt in Grund und Boden schämen, werden sie es beim Jüngsten Gericht tun müssen.

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