Tobias Grimbacher

Kirchen-Jury am ZFF: Filmpreis für «Las Toreras»

Nach vierzehn Filmen und sechs Tagen haben wir als Jury entschieden: der Filmpreis der Zürcher Kirchen geht dieses Jahr an Las Toreras von Jackie Brutsche. Ein künstlerischer Film, eine familiäre Aufarbeitung, eine Heldinnenreise, vielschichtig auf allen Ebenen.

Der Filmpreis der Zürcher Kirchen wird jedes Jahr am Zürich Film Festival vergeben. Als Synodalrat für Bildung und Kultur gehöre ich der Jury an und bringe, zusammen mit meinem reformierten Kollegen, Kirchenrat Andrea Marco Bianca, die aus kirchlicher Sicht gesellschaftlich prägenden Themen in die Jury-Arbeit ein. Bei der grundlegenden Frage der filmischen Qualität sind wir aber angewiesen auf die kenntnisreiche Analyse unserer Jurymitglieder aus dem Filmbereich, diesmal der Produzentin Sophia Rubischung, dem Medienwissenschaftler Baldassare Scolari und der Theologin und Kulturjournalistin Brigitta Rotach. Wie man als Jury vierzehn Filme an sechs Tagen am besten übersteht, durften wir besonders ausgeprägt erfahren: mit Kompetenz und Diskussion, mit Vertrauen und Vertraulichkeit, aber auch mit Lachen und dem einen oder anderen gemeinsamen Glas Rotwein.

Die vierzehn Filme der Fokus-Reihe sind jeweils der erste, zweite oder dritte Langfilm von Filmeschaffenden aus der Schweiz, Deutschland oder Österreich. Spannend finde ich, dass nur je zwei in Österreich und der Schweiz und nur einer in Deutschland spielen. Sonst reicht die Palette der Haupt-Spielorte von Afghanistan und Iran über Georgien, Albanien und Ägypten bis Marokko, Spanien und (zweimal) Italien. In fast allen Filmen wird geraucht, und fast überall taucht irgendwann ein Gewehr auf oder es wird geschossen. Das sind die scheuen Gemeinsamkeiten von Filmen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch alle auf ihre Art – teils mutig und gekonnt, teils leider viel zu flach – persönliche und gesellschaftliche Problemstellungen in den Blick nehmen. «Ich habe mir mein Leben nicht ausgesucht» – «Ich will allein sein, wann ich will, wo ich will»  oder «Warum tun sich die Leute so schwer, Liebe anzunehmen» sind drei Zitate aus eindrücklichen Filmen, die wir am Ende nicht prämiert haben.

Während der Laudatio anlässlich der Preisverleihung habe ich mir erlaubt, die Preisträgerin Jackie Brutsche zu beobachten. Sie war konzentriert, fast angespannt. Kurz gelächelt hat sie dann aber doch zu Beginn des Satzes «Frei nach dem Motto ›Keep yourself alive’ zeigt Brutsche am Mikrokosmos der eigenen Familie, wie man mit familiären Tragödien umgehen kann.»

Als Jury haben wir das, was uns an dem vielschichtigen Werk fasziniert und zur Preisvergabe bewogen hat, knapp in die folgende Würdigung gepackt: «LAS TORERAS ist ein Film, der hineinzieht und theatralische Heldinnenreise, Maskenspiel, Dokumentation und Symbolik verbindet. Die Künstlerin Jackie Brutsche bringt Licht in ein dunkles Kapitel ihrer eigenen Familiengeschichte. Dabei entfaltet sich eine Transformation von Trauer und Schuldzuweisung in Verständnis und Versöhnlichkeit. Auf spielerische Art und Weise behandelt der Film ein tabubehaftetes Thema und weckt Hoffnung.»

Preisverleihung Filmpreis der Zürcher Kirchen 2023 Folium Sihlcity 5. Oktober 2023
8. Oktober 2023 | 12:03
von Tobias Grimbacher
Lesezeit : ca. 2  Min.
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