Markus Baumgartner

Kirche performt besser als Pensionskassen

Die Church of England legt ihr Geld erfolgreicher an als viele professionelle Verwalter. Dabei setzt sie auf klare ethische Kriterien.

Finanzmärkte werden manchmal reine Spekulationsobjekte angesehen, welche die Casino-Mentalität unserer Gesellschaft unterstreiche. Die Landeskirche von England hat nun gezeigt, man erfolgreich Geld anlegen kann, ohne seine Prinzipien zu verraten. Viele Banken und Vermögensverwalter dürften derzeit neidisch nach Grossbritannien schauen, schreibt die «Basler Zeitung».

 Jahresperformance von 17%

Die Church of England verwaltet ein Vermögen von rund 8 Milliarden Pfund. In einer Zeit mit rekordtiefen oder gar negativen Zinsen hat die englische Landeskirche mit ihren Anlagen 2016 um mehr als 17% zulegen können. Darüber berichtete «The Guardian». Die englische Kirche übertrumpft damit viele professionelle Vermögensverwalter. Zum Vergleich: Die grossen Schweizer Pensionskassen erreichten in den letzten Jahren eine durchschnittliche Rendite zwischen 2% und 4%.

Ethische Anlagen schneiden besser ab

Die Church of England rennt bei ihren Anlageentscheiden nicht jedem Trend nach und investiert nach strengen ethischen Kriterien. Gegenüber dem «Guardian» sagte der für die Aktienanlagen zuständige Richard Saunders: «Wir haben immer gesagt, dass ethische Anlagen kein Nachteil für uns sind. Ich würde nun nicht bestreiten, dass sie sogar ein Vorteil sein können.» Die Kirche hat ihr Geld auch in Forstgebiete investiert. Dort beträgt das Plus 2016 mehr als 24%. Über die letzten 30 Jahre kommt eine beachtliche Rendite von mehr als 9% pro Jahr zusammen.

Direkter Einfluss auf Unternehmen

Das gute Anlageergebnis beschert der Church of England zusätzliche Einnahmen. So konnte sie 2016 rund 230 Millionen Pfund zusätzlich ausgeben. Das sei zwar ein willkommener Zuschuss, entspreche aber nur rund 15% des jährlichen Einkommens, heisst es bei der Church of England. Der grösste Teil des Kirchenhaushalts würde nach wie vor von den Spendern kommen. Die Church of England übt mit ihren Investments auch direkt Einfluss auf die Geschäfte der Firmen aus, von denen sie Beteiligungen hält. Sie setzt sich dafür ein, dass die Unternehmen mehr auf den Umweltschutz achten oder keine exorbitanten Managerlöhne bezahlen. Zudem habe sie sich dafür eingesetzt, dass mehr Frauen in die Verwaltungsräte kommen. Die Kritik der Church of England zeigt Wirkung, schreibt die «Basler Zeitung»: Die Rohstoffkonzerne Glencore und Anglo American legen nach dem Einsatz der Kirche Klimaberichte vor. 

Herzlich, Markus Baumgartner

Bild privat @Markus Baumgartner
12. Juni 2017 | 22:16
von Markus Baumgartner
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