Karin Reinmüller

katholischer Gemischtwarenladen

Bei reformierten Kirchen, insbesondere der freikirchlichen Fraktion, soll es ja einfach sein: Wenn sie in inhaltliche Differenzen zu ihrer Gemeinde geraten, dann gründen sie eine neue Kirche, die genau das vertritt, was ihnen wichtig und richtig scheint. Und wenn nach einigen Jahrzehnten das dort Vertretene wiederum einigen Gemeindemitgliedern nicht mehr stimmig erscheint, dann spalten diese sich ebenfalls ab. So wächst zumindest die Anzahl der Gemeinden, wenn auch nicht unbedingt ihrer Mitglieder.*

KatholikInnen tun sich schwerer mit Kirchen-Neugründungen, aber einen monolithischen Glaubensblock bilden wir trotzdem nicht. Und da gibt es weit mehr als die klassische links-rechts-Unterscheidung zwischen Progressiven und Konservativen. In letzter Zeit hatte ich für meine Verhältnisse viel zu tun mit «Konservativen Katholiken» und habe sie sehr vielfältig gefunden: Da gibt es die Fraktion der «Kirchenrechts-Treuen», denen Ordnung (und zwar die richtige) über alles geht. Die dulden die AnhängerInnen vorkonziliarer liturgischer Formen, aber sie lieben sie wohl nicht, weil die korrekte Liturgie den ordentlichen Ritus mit einschliesst – der nicht so genannt wird, weil er so eine übersichtliche Struktur hätte, sondern weil er der gewöhnliche ist. Von beiden Gruppen unterscheiden sich die FreundInnen der charismatischen Erneuerung, die da, wo sie den Geist Gottes am Werk erleben, auch mal kirchliche Traditionen und Strukturen eher am Rand betrachten. Eigentlich ein sympathischer Zug, finde ich.

Schwierig wird es allerdings für mich, wenn Angst zum beherrschenden Gefühl wird, aus dem der Glaube gelebt wird. In den letzten Wochen habe ich mehr von «dämonischen Mächten» und was man dagegen tun könnte (»Befreiungsdienst» zum Beispiel) erfahren, als mir lieb war. Jetzt kann ich als Naturwissenschaftlerin durchaus rationalistisch sein – aber bin eben auch durch einschlägige Jugenderfahrungen in der Esoterik-Szene geprägt. Was dazu führt, dass ich vielleicht besonders aufmerksam bin auf die Macht, die da irgendwelchen «Dämonen» zugesprochen wird – und die sie vielleicht erst auf diese Weise bekommen. Im Alten Testament gibt es nur selten böse Geister, in der Kultur Jesu wurden sie häufig erlebt, so hat er sich als Exorzist betätigt. Und in unserer Kultur? Da möchte ich gern, bei allem Respekt vor der Vielfalt des Katholizismus, dass wir keinen Glauben der Angst fördern, sondern einen, der Mut macht.

 

*: Liebe Reformierte und Freikirchler, bitte seien Sie mir nicht böse wegen dieser stark vereinfachten Darstellung!

Auch ein Dämon? Bild: pexels.com, cc0-Lizenz
29. Januar 2017 | 21:07
von Karin Reinmüller
Lesezeit : ca. 1  Min.
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