Claude Bachmann

Junge Menschen konsumieren Spotify, keine SRF-Radiosendungen!

Die Streichung der Radiosendungen «Zwischenhalt» und «Blickpunkt Religion» aufgrund der Sparmassnahmen seitens des SRF schlagen auf dem religiösen Parkett der Schweiz hohe Wellen. Engagierte Personen aus verschiedenen religiösen Gemeinschaften einen sich und fordern in einer gemeinsamen Petition «SRF-Direktorin Nathalie Wappler auf, ihren Entscheid rückgängig zu machen».

In der Petition wird an den Auftrag der SRG als service public appelliert, der gerade «in Zeiten, in denen Extremisten, Verschwörungstheorien und religiöse Scharlatane Konjunktur haben» für den «Religionsfrieden in der Schweiz» von grosser Bedeutung ist. Der renommierte Schweizer Islamforscher Reinhard Schulze führt nicht zuletzt junge Menschen auf das Argumentationsfeld und erinnert daran, dass, weil bei der jüngeren Generation das Thema Religion «hoch umstritten [ist], ein verstärkter Bedarf an religionsbezogenen Informationen [besteht], die dieser Generation einen friedlichen, fairen und souveränen Umgang mit Religionen ermöglichen».

Ich gehe mit den Initiator*innen der Petition einig, dass das Schweizer Radio und Fernsehen unbedingt religiöse und ethische Inhalte (kritisch) bearbeiten muss. Dazu sind kompetente Fachjournalist*innen nötig, die mit wachsamen Augen und offenem Geist religiös-ethische Themen sachlich analysieren und kritisch reflektieren. Müssen nun im Zuge der Sparmassnahmen Fachjournalist*innen im Bereich Glaube und Religion entlassen werden, ist dies auf jeden Fall zu bedauern bzw. muss der Versuch unternommen werden, diesen Entscheid – sollte er Personen aus entsprechenden Redaktionen tangieren – rückgängig zu machen.

Ob nun die beiden betroffenen Radiosendungen zu Glaube, Religion und Ethik in dieser Form wieder zurück auf den Äther müssen, darf meiner Meinung nach durchaus diskutiert werden. Gerade für junge Menschen spielt das Radio bzw. spielen Radiosendungen als Informationsquelle eine sehr marginale Rolle (laut der JAMES Studie 2018 besitzen noch 30% der jungen Menschen ein eigenes Radiogerät). Eine kleine Umfrage bei Firmbegleiter*innen aus der Innerschweiz bestätigt die aufgestellte These. Dies bedeutet allerdings nicht, dass junge Menschen gänzlich auf auditive Medien verzichten würden, ganz im Gegenteil: Podcasts – auch mit hohem Informationsgehalt – erleben gerade beispielsweise auf Spotify Hochkonjunktur. Dies zeigt deutlich, dass das Format und die Vertreibung dessen von entscheidender Bedeutung ist.

In einen Aktivismus verfallen und mit einer Petition den Status Quo herbeisehnen erachte ich in diesem Fall als kontraproduktiv. Nochmals: Beim SRF sollen, nein müssen, durch Fachjournalist*innen verarbeitete religiös-ethische Themen unbedingt Platz haben, aber die Zeit ist durchaus Reif, um über das Wie und Wo diskutieren zu können. Genau dies hat die SRF-Chefin gegenüber kath.ch signalisiert: Es soll ein für junge Menschen spezifisches Angebot geben, auch Online-Formate. Darauf sollte sich das Schweizer Radio und Fernsehen verpflichten, was beispielsweise bei einem offenen und ehrlichen Gespräch zwischen dem SRF und Vertreter*innen der verschiedenen religiösen Gemeinschaften durchaus gefordert werden darf! Es wäre zudem zu wünschen, dass dies zusammen mit jungen Menschen und Fachpersonen entsprechend umsetzt wird!

© 2017 pixabay CC0 Public Domain (StockSnap)
9. Oktober 2020 | 14:04
von Claude Bachmann
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